Sevachim — Blatt 56b
1Der Schriftvers könnte ja lauten: am Tage seiner Schlachtung soll es gegessen werden, wenn es aber der Darbringung heißt, so ist hieraus zu entnehmen: am Tage, an dem du es schlachtest, darfst du es darbringen, am Tage, an dem’ du es nicht schlachtest, darfst du es nicht darbringen. –
2Vielleicht meint es der Allbarmherzige wie folgt: wird das Blut heute dargebracht, so darf das Fleisch heute und morgen gegessen werden, und wird das Blut morgen dargebracht, so darf das Fleisch morgen und am folgenden Tage gegessenwerden!? – Wenn dem so wäre, so sollte der Schriftvers lauten: am Tage der Darbringung soll es gegessen werden, wenn es aber seiner Schlachtung heißt, so ist hieraus zu entnehmen : am Tage, an dem du es schlachtest, darfst du es darbringen, am Tage, an dem du es nicht schlachtest, darfst du es nicht darbringen.
3Es wurde gelehrt : Wenn jemand für die Nacht zum dritten [Tage] beabsichtigt, so ist es, wie Ḥizqija sagt, tauglich, und wie R. Joḥanan sagt, untauglich. Ḥizqija sagt, es sei tauglich, weil es dann noch nicht zur Verbrennung bestimmt ist; R. Joḥanan sagt, es sei untauglich, weil es dann zum Essen nicht mehr geeignet ist.
4Hat man [das Fleisch]in der Nacht zum dritten [Tage] gegessen, so ist man, wie Ḥizqija sagt, frei, weil es dann noch nicht zur Verbrennung bestimmt ist, und wie R. Joḥanan sagt, schuldig, weil es dann zum Essen nicht mehr geeignet ist.
5Übereinstimmend mit R. Joḥanan wird gelehrt : Bei Opfern, die einen Tag gegessen werden, beginnt die unzulässige Absicht hinsichtlich des Blutes mit dem Untergange der Sonne und hinsichtlich des Fleisches und der Opferteile mit dem Anbruch der Morgenröte, und bei Opfern, die zwei Tage und eine Nacht gegessen werden, beginnt die unzulässige Absicht hinsichtlich des Blutes mit dem Untergang der Sonne, hinsichtlich der Opferteile mit dem Anbruch der Morgenröteund hinsichtlich des Fleisches mit dem Untergang der Sonne am zweiten Tage.
6Die Rabbanan lehrten: Man könnte glauben, sie dürfen in der Nacht zum dritten [Tage] gegessen werden, und zwar wäre dies durch einen Schluß zu folgern: manche Schlachtopfer werden einen Tag gegessen und manche Schlachtopfer werden zwei Tage gegessen, wie bei den Schlachtopfern, die einen Tag gegessen werden, die folgende Nacht dazu gehört, ebenso gehört auch bei den Schlachtopfern, die zwei Tage gegessen werden, die folgende Nacht dazu,
7so heißt es:und was zurückbleibt bis zum dritten Tage, es darf nur während des Tages gegessen werden, nicht aber in der Nacht zum dritten [Tage].
8Man könnte glauben, es sei sofort zu verbrennen, und zwar wäre dies durch einen Schluß zu folgern : manche Schlachtopfer werden einen Tag gegessen und manche Schlachtopfer werden zwei Tage gegessen, wie bei den Schlachtopfern, die einen Tag gegessen werden, unmittelbar nach dem Essendie Verbrennung erfolgt, ebenso erfolge auch bei den Schlachtopfern, die zwei Tage gegessen werden, unmittelbar nach dem Essen die Verbrennung,
9so heißt es:am dritten Tage soll es im Feuer verbrannt werden; man verbrenne es am Tage, nicht aber verbrenne man es in der Nacht.
10DAS ERSTGEBORENE, DER ZEHNT UND DAS PESAḤOPFER SIND MINDERHEILIGES. IHRE SCHLACHTUNG ERFOLGT AN JEDER STELLE IM TEMPELHOFE UND IHR BLUT BENÖTIGT EINER SPRENGUNG, NUR MUSS ES GEGEN DAS FUNDAMENT ERFOLGEN.
11HINSICHTLICH DES ESSENS SIND SIE VERSCHIEDEN: DAS ERSTGEBORENE DARF NUR VON PRIESTERN GEGESSEN WERDEN, DER ZEHNT VON JEDEM MENSCHEN; BEIDE IN DER GANZEN STADT, IN JEDER ZUBEREITUNG, ZWEI TAGE UND EINE NACHT; DAS PESAḤOPFER DARF NUR NACHTS GEGESSEN WERDEN, NUR BIS MITTERNACHT, NUR VON DEN BETEILIGTENUND NUR GEBRATEN.
12GEMARA. Wer ist der Autor? R. Ḥisda erwiderte: Es ist R. Jose der Galiläer, denn es wird gelehrt: R. Jose der Galiläer sagte : Es heißt nichtsein Fett, sondern ihr Fett, es heißt nichtsein Blut, sondern ihr Blut ; dies lehrt, daß beim Erstgeborenen, beim Zehnten und beim Pesaḥopfer Blutsprengen und [Aufräuchern der] Opferteile auf dem Altar erforderlich sind. –
13Woher, daß es gegen das Fundament erfolgen muß? R. Elie͑zer erwiderte: Es ist durch [den Ausdruck] sprengen vom Brandopferzu folgern. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.