Sevachim — Blatt 57a
1Woher dies vom Brandopfer selbst? – Es heißt:auf das Fundament des Brandopferaltars, dies lehrt, daß beim Brandopfer das Fundament erforderlich ist. –
2Demnach sollten doch, wie bei diesem zwei Sprengungen gleich vier erforderlich sind, auch bei jenen zwei Sprengungen gleich vier erforderlich sein!?
3Abajje erwiderte: Es brauchte ja nicht sowohl beim Brandopfer als auch beim Sündopfer ringsum zu heißen, somit lehren zwei Schriftverse dasselbe, und wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen auf andere nichts zu folgern. –
4Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, es sei nichts zu folgern, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, es sei wohl zu folgern!? – Beim Schuldopferwird dies drittmals gelehrt, und wenn es drei sind,, so ist von diesen entschieden nichts zu folgern.
5DAS ERSTGEBORENE DARF NUR VON PRIESTERN GEGESSEN WERDEN. Die Rabbanan lehrten: Woher, daß das Erstgeborene zwei Tage und eine Nacht zu essen ist!? Es heißt:und ihr Fleisch soll dir gehören, gleich der Brust der Schwingung und dem rechten Schenkel; die Schrift hat es mit Brust und Schenkel des Heilsopfers verglichen, wie das Heilsopfer zwei Tage und eine Nacht gegessen wird, ebenso ist auch das Erstgeborene zwei Tage und eine Nacht zu essen.
6Folgende Frage wurde den Weisen in der Akademie zu Jabne unterbreitet: Wie lange ist das Erstgeborene zu essen? Da begann R. Tryphon und sprach: Zwei Tage und eine Nacht.
7Hierauf sprach zu ihm ein Schüler, der ins Lehrhaus zu den Weisen zuerst gekommen war, namens R. Jose der Galiläer: Meister, woher weißt du dies? Jener erwiderte: Mein Sohn, das Heilsopfer ist Minderheiliges und das Erstgeborene ist Minderheiliges, wie nun das Heilsopfer zwei Tage und eine Nacht gegessen wird, ebenso ist auch das Erstgeborene zwei Tage und eine Nacht zu essen.
8Dieser entgegnete: Meister, das Erstgeborene ist ein Geschenk an den Priester und das Sündopfer und das Schuldopfer sind Geschenke an den Priester, wie nun das Sündopfer und das Schuldopfer einen Tag und eine Nacht gegessen werden, ebenso auch das Erstgeborene einen Tag und eine Nacht.
9Jener erwiderte: Man vergleiche eine Sache mit der anderen und folgerevon der einen Sache auf die andere. Das Heilsopfer wird nicht wegen einer Sünde dargebracht und das Erstgeborene wird nicht wegen einer Sünde dargebracht, wie nun das Heilsopfer zwei Tage und eine Nacht gegessen wird, ebenso ist auch das Erstgeborene zwei Tage und eine Nacht zu essen.
10Dieser entgegnete: Meister, man vergleiche eine Sache mit der anderen und folgere von der einen Sache auf die andere. Das Sündopfer und das Schuldopfer sind Geschenke an den Priester und das Erstgeborene ist ein Geschenk an den Priester, das Sündopfer und das Schuldopfer werden nicht als Gelobtes oder freiwillige Spende dargebracht und das Erstgeborene wird nicht als Gelobtes oder freiwillige Spende dargebracht, wie nun das Sündopfer und das Schuldopfer einen Tag gegessen werden, ebenso ist auch das Erstgeborene einen Tag zu essen.
11Da sprang R. A͑qiba auf und R. Tryphon entfernte sich. Er sprach zu ihm: Es heißt: und ihr Fleisch soll dir gehören &c., die Schrift vergleichtsie mit Brust und Schenkel des Heilsopfers, wie das Heilsopfer zwei Tage und eine Nacht gegessen wird, ebenso ist auch das Erstgeborene zwei Tage und eine Nacht zu essen.
12Jener entgegnete: Du vergleichst sie mit Brust und Schenkel des Heilsopfers, ich vergleiche sie mit Brust und Schenkel des Dankopfers; wie das Dankopfer einen Tag und eine Nacht gegessen wird, ebenso ist auch das Erstgeborene einen Tag und eine Nacht zu essen.
13Dieser erwiderte: Es heißt: und ihr Fleisch soll dir gehören, und wenn es weiterheißt: dir soll es gehören, so hat die Schrift beim Erstgeborenen noch ein zweites Gehörenhinzugefügt.
14Als man dies R. Jišma͑él vortrug, sprach er: Geht und sagt R. A͑qiba, er habe sichgeirrt, hinsichtlich des Dankopfers wird esja vom Heilsopfer gefolgert: kann denn von dem, was durch Vergleichung gefolgert wird, durch Vergleichung gefolgert werden!? Der Schluß ist also nicht auf die zweite Art, sondern auf die erste Artzu folgern. –
15Wofür verwendet R. Jišma͑él [die Worte] dir soll es gehören!? – Diese lehren, daß das fehlerbehaftete Erstgeborene ein Geschenk an den Priester sei, was wir sonst in der ganzen Tora nicht finden. –
16Und R. A͑qiba!? – Er folgert dies aus:ihr Fleisch, der fehlerfreien und der fehlerbehafteten. – Und R. Jišma͑él!? – Ihr Fleisch, darunter sind jene Erstgeborenen zu verstehen. –
17Worin besteht ihr Streit? – Einer ist der Ansicht, wenn esdurch sich selbst nebst einem anderenerfolgt, heiße es eine Vergleichung, und einer ist der Ansicht, dies heiße keine Vergleichung. –
18Einleuchtend ist es nach demjenigen, welcher sagt, dies heiße keine Vergleichung, daß es heißt:und ebenso verfahre er mit dem Offenbarungszelte,
19wie er im Allerinnersten einmal oben und siebenmal untendas Blut des Farren sprengt, ebenso sprenge er auch im Tempel,
20und wie im Allerinnersten einmal oben und siebenmal unten das Blut des Ziegenbockes, ebenso sprenge er im Tempel,
21wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, dies seieine Vergleichung!? – Die Ortewerden von einander gefolgert.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.