Sevachim — Blatt 5a
1so würde man nicht gewußt haben, woraufdies sich beziehe, daher schrieb der Allbarmherzige: das ist das Gesetz; und würde der Allbarmherzige nur geschrieben haben: das ist das Gesetz, so könnte man glauben, sie seienuntauglich, daher schrieb der Allbarmherzige: den Ausspruch deiner Lippen.
2Reš Laqiš lag im Lehrhaus auf dem Bauch und erhob folgenden Einwand: Siesollen ja wohlgefällig machen, und wenn sie nicht wohlgefälligmachen, wozu werden sie dargebracht!?
3R. Elie͑zer erwiderte ihm : Wir finden, daß auch [Opfer], die nach dem Toddargebracht werden, tauglich sind und nicht wohlgefällig machen. Es wird nämlich gelehrt: Wenn eine Frauihr Sündopfer dargebracht hat und gestorben ist, so müssen die Erben ihr Brandopfer darbringen; wenn aber ihr Brandopfer und gestorben ist, so bringen die Erben ihr Sündopfer nicht dar.
4Jener entgegnete: Ich pflichte dir hinsichtlich eines Brandopfersbei, da es auch nach dem Tod dargebracht wird, woher dies aber von einem Schuldopfer, das nach dem Tod nicht dargebrachtwird!?
5Dieser erwiderte: Du hast den Streit daneben: R. Elie͑zer sagt: auch das Schuldopfer.
6Jener entgegnete: Das ist der, von dem es heißt, er sei ein bedeutender Mann!? Ich spreche von einer anonymen Mišna, und du kommst mir mit R. Elie͑zer!
7Vielmehr, sprach Reš Laqiš, will ich selber eine Tür für mich öffnen: den Ausspruch deiner Lippen &c. Wieso eine freiwillige Gabe, es ist ja Gelobtes &c. Wie oben.
8R. Zera und R. Jiçḥaq b. Abba saßen beisammen und Abajje saß neben ihnen; da sprachen sie: Reš Laqiš erhob einen Einwand hinsichtlich des Schuldopfers, weil es nach dem Tod nicht dargebracht wird, und zur Antwort wird [der Schriftvers] angeführt: den Ausspruch deiner Lippen; vielleicht ist nur das, was als Gelobtes und als freiwillige Gabe dargebracht wird, darzubringen, auch wenn es nicht wohlgefällig macht, ein Schuldopferaber werde nicht dargebracht!?
9Abajje erwiderte ihnen: Reš Laqiš entnimmt es aus folgendem :er soll es als Sündopfer schlachten, nur dieses ist nur auf seinen Namen tauglich, sonst aber untauglich, andere Opfer dagegen sind auch auf einen anderen Namen tauglich; man könnte nun glauben, daß sie auch wohlgefällig machen, so heißt es : den Ausspruch deiner Lippen. –
10Vielleicht ist das, was als Gelobtes und freiwillige Gabe dargebracht wird, darzubringen, ohne daß es wohlgefällig macht, das Schuldopfer aber macht auch wohlgefällig!?
11Abajje erwiderte : Du kannst nicht sagen, daß das Schuldopfer wohlgefällig mache, denn vom Brandopfer ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn ein Brandopfer, das keine Sühne zu schaffen hat, nicht wohlgefälligmacht, um wieviel weniger macht ein Schuldopfer wohlgefällig, das Sühne zu schaffen hat.
12[Entgegnet man:] wohl das Brandopfer, weil es vollständig verbrannt wird,
13so ist vom Heilsopfer[das Entgegengesetzte] zu beweisen.
14[Entgegnet man:] wohl das Heilsopfer, weil bei diesem Libation und Schwingen von Brust und Schenkel erforderlich ist,
15so ist vom Brandopfer [das Entgegengesetzte] zu beweisen. Die Replikation wiederholt sich nun : die Eigenheit des einen gleicht nicht der Eigenheit des anderen und die Eigenheit des anderen gleicht nicht der Eigenheit des einen; das Gemeinsame bei ihnen ist, daß sie heilige Opfer sind, und wenn man sie auf einen anderen Namen geschlachtet hat, sind sie tauglich und machen nicht wohlgefällig, somit schließe man auch das Schuldopfer ein: es ist ebenfalls ein heiliges Opfer, und wenn man es auf einen anderen Namen geschlachtet hat, ist es tauglich und macht nicht wohlgefällig. –
16Aber das Gemeinsame bei ihnen ist ja auch, daß sie von einer Gemeinde dargebracht werden!? –
17Vom Dankopfer ist [das Entgegengesetzte] zu beweisen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.