Sevachim — Blatt 69b
1UND WIE R. JEHUDA SAGT, VERUNREINIGEND.
2R. MEÎR SPRACH : ES IST [EIN SCHLUSS] VOM SCHWEREREN AUF DAS LEICHTERE ZU FOLGERN: WENN BEI EINEM VIEH, VON DEM DAS AAS DURCH BERÜHREN UND TRAGEN VERUNREINIGEND IST, DAS TOTVERLETZTE DURCH DAS SCHLACHTEN VON DER UNREINHEIT ENTHOBEN WIRD, UM WIEVIEL MEHR WIRD DAS TOTVERLETZTE GEFLÜGEL, VON DEM DAS AAS DURCH BERÜHREN UND TRAGEN NICHT VERUNREINIGEND IST, DURCH DAS SCHLACHTEN VON DER UNREINHEIT ENTHOBEN.
3UND WIE FERNER BEI JENEM DAS SCHLACHTEN, DAS ES ZUM ESSEN GEEIGNET MACHT, DAS TOTVERLETZTE VON DER UNREINHEIT ENTHEBT, EBENSO ENTHEBT BEI DIESEM DAS ABKNEIFEN [DES KOPFES], DAS ES ZUM ESSEN GEEIGNET MACHT, DAS TOTVERLETZTE VON DER UNREINHEIT.
4R. JOSE SAGT, ES GENÜGE, WENN ES DEM AAS VON EINEM VIEH GLEICHT, DAS NUR DURCH DAS SCHLACHTEN REIN BLEIBT UND NICHT DURCH DAS ABKNEIFEN [DES KOPFES].
5GEMARA. Hält denn R. Meír nichts von [der Regel] ‘es genügt’, diese Regel stammt ja aus der Tora,
6denn es wird gelehrt: Ein Beispiel für [den Schluß vom] Leichteren auf das Schwerere.Da sprach der Herr zu Moše: Hätte ihr Vater ihr ins Gesicht gespuckt &c. Man sollte vom Leichteren auf das Schwerere folgern, daß wegen [Beleidigung der] Göttlichkeit diesvierzehn Tage währen sollte, aber es genügt, wenn das Gefolgerte dem gleicht, wovon es gefolgert wird.
7R.Jose h. R. Abin erwiderte: R. Meír fand einen Schriftvers, und legte ihn aus :
8Dies ist das Gesetz über das Vieh und das Geflügel; bei welchem Gesetze gleicht das Vieh dem Geflügel und das Geflügel dem Vieh? Ein Vieh ist jadurch Berühren und Tragen verunreinigend und ein Geflügel ist durch Berühren und Tragen nicht verunreinigend, ein Geflügel macht ja im Schlunde die Kleider unrein und ein Vieh macht im Schlunde die Kleider nicht unrein.
9Vielmehr besagt dies: wie bei einem Vieh das, was es zum Essen geeignet macht, das totverletzte von der Unreinheit enthebt, ebenso enthebt auch bei allem anderen das, was es zum Essen geeignet macht, das totverletzte von der Unreinheit. –
10Was ist der Grund R. Jehudas? – Auch er fand einen Schriftvers und legte ihn aus.Aas und Totverletztes. R. Jehuda sagte: Wozu wird dies vom Totverletzten gelehrt: ist ein Totverletztes lebensfähig, so wird diesja vom Aasgelehrt, und ist ein Totverletztesnichtlebensfähig, so ist es ja im Aase einbegriffen? Vielmehr begreift dies das Totverletzte ein, daß es, wenn man es geschlachtet hat, verunreinigendist.
11R. Šezbi sprach zu ihm: Es heißt ja auch:und das Fetteines Aases und das Fett eines Totverletzten,
12demnach sollte man auch hierbei sagen: ist ein Totverletztes lebensfähig, so wird dies ja vom Aase gelehrt, und ist ein Totverletztes nicht lebensfähig, so ist es ja im Aase einbegriffen, vielmehr begreife dies das Totverletzte ein, daß, wenn man es geschlachtet hat, das Fett rein ist. Demnach ist dieses selbst unrein,
13und dem widersprechend sagte R. Jehuda im Namen Rabhs, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt:Wenn vom Vieh verendet, manches [verendete] Vieh ist verunreinigend und manches ist nicht verunreinigend, nämlich ein Totverletztes, das man geschlachtet hat!?
14Vielmehr schließt [das Wort] Totverletztes ein unreines [Vieh] aus, nur die Art, bei der es ein Totverletztesgibt, nicht aber die Art, bei der es kein Totverletztes gibt,
15ebenso schließt es auch hierbeieinen unreinen Vogel aus, bei dessen Art es kein Totverletztesgibt. –
16Hinsichtlich des unreinen Vogels entnimmt es R. Jehuda aus [dem Worte] Aas.
17Es wird nämlich gelehrt : R. Jehuda sagte : Man könnte glauben, das Aas eines unreinen Vogels verunreinige im Schlunde die Kleider, so heißt es: Aas und Totverletztes darf er nicht essen, nur was als Aas verbotenist, ausgenommen das, was nicht als Aas, sondern als Unreines verbotenist.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.