Sevachim — Blatt 93a

1Rami b. Ḥama fragte R. Ḥisda: Wie ist es, wenn es auf ein unreines Gewand verspritzt ist? R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sprach: Ist aus dieser seiner Frage zu entnehmen, daß nach ihm die Lehre, wenn das Blut tauglich war und untauglich geworden ist, sei das Waschen nicht erforderlich,

2nur von dem Fall gilt, wenn es nacheinander erfolgtist, nicht aber, wenn gleichzeitig, oder gibt es hierbei keinen Unterschied? Jener erwiderte: Nach Rabba, gemäß der Auslegung Abajjes, besteht hierüber ein Streit zwischen R. Elea͑zarund den Rabbanan.

3Es wird nämlich gelehrt: R. Elea͑zar sagte: Ist das Entsündigungswasser unrein geworden, so ist es dennoch reinigend, denn auch eine Menstruierendewird damit besprengt.

4Hierzu sagte Rabba: R. Elea͑zar sagte es nach der Ansicht seines Lehrers R. A͑qiba, welcher sagt, das Hinüberlangen des Gefäßesüber eine unreine Stelle gleiche dem Hinstellen.

5Wir haben nämlich gelernt: Wenn jemand außerhalb des Ofens, in dem ein Kriechtier sich befindet, steht und die Hand zum Fenster hinauslangt, den Krugnimmt und ihn über die Mündung des Ofensführt, so ist er nach R. A͑qiba unrein und nach den Weisen rein. Ihr Streit besteht in folgendem. R. A͑qiba ist der Ansicht, es gelteals hingestellt, und die Rabbanan sind der Ansicht, es gelte nicht als hingestellt.

6Dagegen wandte Abajje ein: R. A͑qiba pflichtet bei, daß, wenn die Besprengungüber ein unreines Tongefäß oder ein unreines Lager oder Polster erfolgt ist, sie rein sei, denn du hast nichts was nach oben wie nach unten verunreinigend ist, sondern ein olivengroßes Stück von einer Leiche und die übrigen durch Bezeltung verunreinigendenDinge, dies schließt männliche und weibliche Flußbehafteteein.

7Vielmehr, erklärte Abajje, sind alle der Ansicht, es gelte nicht als hingestellt und ihr Streit besteht in folgendem. R. A͑qiba ist der Ansicht, man berücksichtige, er könnte ihnhinstellen, und die Rabbanan sind der Ansicht, man berücksichtige dies nicht; hinsichtlich der Besprengung aber pflichtet R. A͑qiba bei, da es sich bereits im Flugebefindet. –

8Worin besteht der Streit zwischen R. Elea͑zar und den Rabbanan? Abajje erwiderte: Sie streiten, ob hinsichtlich einer früheren Unreinheit von einer jetzt erfolgendenzu folgern sei;

9nach der einen Ansicht ist es zu folgern, nach der anderen Ansicht aber nicht.

10Raba erklärte: Alle sind der Ansicht, es sei nicht zu folgern,

11und ihr Streit besteht in folgendem: R. Elea͑zar ist der Ansicht, zur Besprengung sei ein bestimmtes Quantum erforderlich und es gebe hierbei eine Vereinigung, und die Rabbanan sind der Ansicht, zur Besprengung sei kein bestimmtes Quantum erforderlich.

12WEGEN &C. EINES UNTAUGLICHEN SÜNDOPFERS &C. Die Rabbanan lehrten:Von seinem Blute, vom Blut eines tauglichen, nicht aber vom Blute eines untauglichen. R. Ja͑qobsagt, wenn das Blut tauglich war und untauglich geworden ist, sei das Waschen erforderlich, wenn es niemals tauglich war, sei das Waschen nicht erforderlich.

13R. Šimo͑n sagt, sowohl in dem einen Falle, als auch im anderen Falle sei das Waschen nicht erforderlich. Was ist der Grund R. Šimo͑ns? – Es heißtes und es heißt von seinem Blute, und das eine deutet auf den Fall, wenn es vorher tauglich war. –

14Und R. Ja͑qob!? – Das es schließt die Hebe aus. R. Šimo͑n aber vertritt hierbei seine Ansicht, daß bei Minderheiligem Scheuern und Spülennicht erforderlich sei und um so weniger bei der Hebe.

15VERSPRITZT ES VOM HALSEAUF EIN GEWAND, SO BENÖTIGT DIESES NICHT DES WASCHENS, WENN VOM HORNODER VOM FUNDAMENTE, SO BENÖTIGT ES NICHT DES WASCHENS. IST ES AUF DAS PFLASTER AUSGESCHÜTTET UND AUFGESAMMELT WORDEN, SO BENÖTIGT ES NICHT DES WASCHENS. NUR BLUT, DAS IN EINEM GEFÄSSE AUFGENOMMEN UND ZUR SPRENGUNG TAUGLICH IST, BENÖTIGT DES WASCHENS.

16GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Man könnte glauben, wenn es vom Halse auf das Gewand verspritzt, sei das Waschen erforderlich, so heißt es: worauf es spritzt, ich spreche nur von dem, das zum Sprengengeeignet ist. Ein Anderes lehrt: Man könnte glauben, wenn es vom Horn oder vom Fundamente verspritzt, sei das Waschen erforderlich, so heißt es: worauf es spritzt, ausgenommen dieses, das bereits gespritzt worden ist.

17IST ES AUF DAS PFLASTER AUSGESCHÜTTET WORDEN &C.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.