Sevachim — Blatt 93b

1Wozu ist das folgendenötig!? – Dies ist eine Begründung: wenn es auf das Pflaster ausgeschüttet und auf gesammelt worden ist, ist das Waschen deshalb nicht erforderlich, weil das Waschen nur dann erforderlich ist, wenn das Blut in einem Gefäße aufgenommen und zur Sprengung tauglich ist.

2ZUR SPRENGUNG TAUGLICH. Was schließt dies aus? – Dies schließt den Fall aus, wenn ein zur Besprengung nicht ausreichendes Quantum in ein Gefäß und ein zur Besprengung nicht ausreichendes Quantum in ein anderes Gefäß aufgenommen wordenist.

3R. Ḥalaphta b. Šaúl lehrte nämlich: Wenn man ein zur Besprengung nicht ausreichendes Quantumin einem Gefäße und ein zur Besprengung nicht ausreichendes Quantum in einem anderen Gefäße geheiligt hat, so ist die Heiligung ungültig.

4Siefragten: Wie verhält es sich beim Blute: ist eseine überlieferte Halakha, und von einer überlieferten Halakha ist nichts zu folgern,

5oder aber erfolgt dies da, weil es heißt:er tauche in dasWasser, und auch hierbei heißt es:er tauche &c. in dasBlut? –

6Komm und höre: R. Zeriqa sagte im Namen R. Elea͑zars: Auch beim Blute ist die Heiligung ungültig.

7Raba erwiderte: Es wird gelehrt: Tauchen, nicht aber wischen; in das Blut,das Blut muß von vornherein das für das Eintauchen erforderliche Quantum haben; vom Blute, von dem im Abschnitte gesprochen wird.

8Und [die Worte tauchen und] Blut sind beide nötig. Würde der Allbarmherzige nur tauchen geschrieben haben, so könnte man glauben, auch wenn von vornherein das zum Eintauchen erforderliche Quantum nicht vorhandenist, daher heißt es in das Blut.

9Und würde der Allbarmherzige nur in das Blut geschrieben haben, so könnte man glauben, auch wischen, daher heißt es tauchen. –

10«Vom Blute, von dem im Abschnitte gesprochen wird.» Was schließt dies aus? Raba erwiderte: Dies schließt den am Finger zurückbleibenden Rest aus. Dies ist eine Stütze für R. Elie͑zer, denn R. Elie͑zer sagte: der am Finger zurückbleibende Rest ist untauglich.

11Rabin, Sohn des R. Ada, sprach zu Rabh: Deine Schüler erzählen, daß R. A͑mram [einen Einwand]aus folgender Lehre erhob: Wenn er beim Besprengen ist und etwas von seiner Hand vor der Besprengung verspritzt, so ist das Waschen erforderlich, wenn aber nach der Besprengung, so ist das Waschen nicht erforderlich.

12Dies ist ja wahrscheinlich wie folgt zu verstehen: wenn vor Beendigung der Besprengung, so ist das Waschen erforderlich, wenn nach Beendigung der Besprengung, so ist das Waschen nicht erforderlich. – Nein, er meint es wie folgt: wenn bevor die Sprengung aus seiner Hand gekommen ist, so ist das Waschen erforderlich, wenn aber nachdem die Sprengung aus seiner Hand gekommenist, so ist das Waschen nicht erforderlich.

13Abajje wandte gegen ihn ein: War er mit der Besprengung fertig, so wischte er die Hand am Körper der Kuh ab; also nur nachdem er fertig war, vorher abernicht!? Jener erwiderte: War er fertig, so wischte er die Hand am Körper der Kuh ab, war er nichtfertig, so wischte er nur den Finger ab. –

14Allerdings konnte er, als er fertig war, die Hand am Körper der Kuh abwischen, denn es heißt: man verbrenne die Kuh vor seinen Augen, woran aber wischte er den Fingerab? Aba]je erwiderte: An dem Rand des Sprengbeckens, wie es beißt:goldene Becken.

15VERSPRITZT ES AUF DIE NOCH NICHT ABGEZOGENE HAUT, SO IST DAS WASCHEN NICHT ERFORDERLICH, WENN AUF DIE ABGEZOGENE, SO IST DAS WASCHEN ERFORDERLICH – SO R. JEHUDA.

16R. ELIE͑ZER SAGT, AUCH WENN AUF DIE ABGEZOGENE, SEI DAS WASCHEN NICHT ERFORDERLICH. NUR DIE BLUTIGE STELLEBENÖTIGT DES WASCHENS, FERNER NUR EINE SACHE, DIE FÜR DIE EMPFÄNGLICHKEIT DER UNREINHEIT GEEIGNET ISTUND ZUM WASCHEN GEEIGNET IST.

17SOWOHL KLEIDER ALS AUCH SACKZEUG UND HAUT BENÖTIGEN DES WASCHENS. DAS WASCHEN MUSS AN HEILIGER STELLE ERFOLGEN, DAS ZERSCHLAGEN EINES TONGEFÄSSESMUSS AN HEILIGER STELLE ERFOLGEN, UND DAS SCHEUERN UND SPÜLEN EINES KUPFERNEN GEFÄSSESMUSS AN HEILIGER STELLE ERFOLGEN. IN DIESER HINSICHTIST ES BEIM SÜNDOPFER STRENGER ALS BEIM HOCHHEILIGEN.

18GEMARA. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:Kleid, ich weiß dies nur von Kleidern, woher daß auch die abgezogene Haut einbegriffen ist? Es heißt:worauf es spritzt, sollst du waschen.

19Man könnte nun glauben, auch die noch nicht abgezogene Haut sei einbegriffen, so heißt es Kleid, wie das Kleid für die Empfänglichkeit der Unreinheit geeignet ist, ebenso auch alles andere, was für die Empfänglichkeit der Unreinheit geeignet ist – so R. Jehuda.

20R. Elie͑zer sagte: Kleid, ich weiß dies nur von Kleidern, woher daß auch Sackzeug und alle anderen Kleiderstoffe einbegriffen sind?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.