Sevachim — Blatt 94a
1Es heißt: worauf es spritzt, sollst du waschen. Man könnte nun glauben, auch die nichtabgezogene Haut sei einbegriffen, so heißt es Kleid; wie das Kleid eine Sache ist, die für die Unreinheit empfänglich ist, ebenso auch jede andere Sache, die für die Unreinheit empfänglich ist. –
2Welchen Unterschiedgibt es zwischen ihnen? Abajje erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich eines weniger als drei [Fingerbreiten] großen Flickens; nach demjenigen, welcher sagt: was geeignet ist, ist auch dieser geeignet, wenn man ihn zur Verwendungbestimmt, und nach demjenigen, welcher sagt, was für die Unreinheit empfänglich ist, ist dieser es nicht.
3Raba erklärte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich eines Gewandes, das zu besticken man beabsichtigthat; nach demjenigen, welcher sagt, was geeignet ist, ist auch dieses geeignet, wenn man die Absicht auf gibt, und nach demjenigen, welcher sagt, was für die Unreinheit empfänglich ist, ist dieses vorläufig für die Unreinheit nicht empfänglich.
4Rabaerklärte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich einer Decke, die zu bestoßenman beabsichtigt hat; nach demjenigen, welcher sagt, was geeignet ist, ist auch diesegeeignet, und nach demjenigen, welcher sagt, was für die Unreinheit empfänglich ist, ist diese nicht eher für die Unreinheit empfänglich als bis man sie bestoßen hat. Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n b. Menasja sagte: Eine Decke, die zu bestoßen man beabsichtigt hat, bleibt so lange rein, bis man sie bestoßen hat.
5NUR &C. BENÖTIGT DES WASCHENS. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten: Man könnte glauben, wenn es auf einen Teil des Gewandes spritzt, benötige das ganze Gewand des Waschens, so heißt es:worauf es spritzt, ich habe es dir nur von der blutigen Stelle gesagt.
6FÜR DIE EMPFÄNGLICHKEIT DER UNREINHEIT. Eine anonyme Lehre nach R. Jehuda.
7UND ZUM WASCHEN GEEIGNET IST. Dies schließt Dinge aus, die man abzukratzen pflegt.
8SOWOHL KLEIDER ALS AUCH SACKZEUG &C. Demnach ist Haut zum Waschen geeignet; ich will auf einen Widerspruch hin weisen: Befindet sich daraufSchmutz, so wische man ihn mit einem Lappen fort, ist es aus Leder, so gieße man darauf Wasser bis er fortist!?
9Abajje erwiderte: Das ist kein Widerspruch; eines nach den Rabbanan und eines nach den anderen. Es wird nämlich gelehrt: Kleider oder Sackzeug wascheman, Geräte oder Haut kratze man ab; andere sagen, Kleider, Sackzeug oder Haut wasche man, Geräte kratze man ab.
10Demnach vertrat R. Ḥija b. Aši, der erzählte, daß er oft vor Rabh stand und ihm die Schuhe mit Wasser abspülte, die Ansicht der Rabbanan.
11Raba sprach: Gibt es denn jemand, welcher sagt, Leder werde nicht gewaschen, es heißt ja:das Kleid, das Gewebe, das Gewirke oder irgend ein Gerät aus Leder, das gewaschen wird!? Vielmehr, erklärte Raba, spricht die Schrift und unsere Mišna von weichem und ihr Streitbesteht über hartes. –
12R. Ḥija erzählte ja aber, daß er oft vor Rabh gestanden und ihm die Schuhe mit Wasser abgespült habe!? – Sie waren aus hartem, nach den Rabbanan.
13Später sagte Raba: Das, was ich gesagt habe, ist nichts; ist denn anzunehmen, daß die Schrift nur von weichem spricht und nicht etwa auch von überseeischen Ledergeräten, und dennoch sagt der Allbarmherzige, daß sie zu waschen sind!?
14Vielmehr, erklärte Raba, da der Aussatzaus diesem selbst kommt, so löst er esund macht es weich. Hierauf sprach Raba: Wenn ich einen Einwand erheben wollte, so würde ich folgenden Einwand erheben:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.