Sota — Blatt 10a

1Der Schwur Abimelekhs wurde dann entweiht, denn es heißt:daß du nicht trüglich handelst gegen mich, mein Kind und meinen Enkel.

2Der Knabe wuchs heran und der Herr segnete ihn. Womit segnete er ihn? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Er segnete ihn mit seinem Gliede; sein Glied glich dem aller anderen Menschen und sein Same war wie ein reißender Bach.

3Da rief Šimšon den Herrn an und sprach: Herr, Gott, gedenke doch meiner und verleih mir nur noch das eine Mal Kraft, damit ich, o Gott, für meine beiden Augen eine einmalige Rache an den Pelištim nehme. Rabh sagte: Šimšon sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, gedenke mir der zwanzigJahre, die ich in Jisraél Recht gesprochen habe, während welcher ich nie zu jemand sagte, daß er mir meinen Stock aus einer Stelle nach einer anderen bringe.

4Da ging Šimšon und fing dreihundert Füchse. Weshalb gerade Füchse? R. Ajbu b. Nagari erwiderte im Namen des R. Ḥija b. Abba: Šimšon sagte: Möge der kommen, der sich rückwärts dreht, und Vergeltung üben an den Pelištim, die von ihrem Schwurezurückgetreten sind.

5Es wird gelehrt: R. Šimo͑n der Fromme sagte: Die Schulterbreite Šimšons betrug sechzig Ellen, denn es heißt: Šimšon blieb bis Mitternacht liegen &c. und er erfaßte die Flügel &c. und es ist überliefert, daß die Torflügel von A͑za nicht weniger als sechzig Ellen maßen.

6Und er mußte im Gefängnisse mahlen. R. Joḥanan sagte: Unter ‘mahlen’ ist die [fleischliche] Sünde zu verstehen, denn so heißt es: so möge meine Frau einem anderen mahlen. Dies lehrt, daß jeder seine Frau zu ihm ins Gefängnis brachte, damit sie von ihm geschwängert werde. R. Papa sagte: Das ist es, was die Leute sagen: dem Weintrinker [setzt man] Wein vor, dem Ackergräber einen KorbGrünkraut.

7Ferner sagte R. Joḥanan: Wer die Ehe bricht, dem bricht seine Frau die Ehe, denn es heißt:wenn sich mein Herz nach einer Frau betören ließ &c. und darauf folgt: so möge meine Frau einem anderen mahlen &c. Das ist es, was die Leute sagen: er mit Kürbissen und seine Frau mit Gurken.

8Ferner sagte R. Joḥanan: Šimšon richtete Jisraél wie ihr Vater im Himmel, denn es heißt:Dan wird sein Volk richten wie einer &c.Ferner sagte R. Joḥanan: Šimšon wurde nach dem Namen des Heiligen, gepriesen sei er, benannt, denn es heißt:denn Sonne [šemeš] und Schutz ist Gott der Herr &c. — Demnach sollte er nicht ausradiertwerden dürfen!? — Vielmehr, ähnlich dem Namen des Heiligen, gepriesen sei er; wie der Heilige, gepriesen sei er, die ganze Welt beschützt, ebenso beschützte Šimšon während seines Zeitalters die Jisraéliten.

9Ferner sagte R. Joḥanan: Bilea͑m war lahm an einem Beine, denn es heißt:und er ging allein [šephi], Šimšon war lahm an beiden Beinen, denn es heißt:eine Viper [šephiphon]am Wege.

10Die Rabbanan lehrten: Fünf wurden nach dem Ebenbilde des Höchsten erschaffen, und sie alle sind darangeschlagen worden. Šimšon an seiner Kraft, Šaúlan seinem Halse, Abšaloman seinem Haare, Çidqijahuan seinen Augen und Asaan seinen Füßen.

11Šimšon an seiner Kraft, wie es heißt:da wich seine Kraft von ihm.

12Šaúl an seinem Halse, wie es heißt:da ergriff Šaúl das Schwert und stürzte sich darauf.

13Abšalom an seinem Haare, wie wir weiter erklären werden. Çidqijahu an seinen Augen, wie es heißt:und Çidqijahu ließ er die Augen blenden.

14Asa an seinen Füßen, wie es heißt:nur zur Zeit seines Alters krankte er an seinen Füßen. Hierzu sagte R. Jehuda im Namen Rabhs: Er war vom Podagra befallen worden. Mar Zuṭra, Sohn des R. Naḥman, fragte R. Naḥman: Wie ist das Podagra? Dieser erwiderte: Wie eine Nadel im lebenden Fleische. — Woher wußte er es? Manche sagen, er litt daran, manche sagen, er hatte es von seinem Lehrergehört, und manche sagen:das Geheimnis des Herrn denen, die ihn fürchten, und seinen Bund tut er ihnen kund.

15Raba trug vor: Asa wurde deshalb bestraft, weil er den Schriftgelehrten Frondienst auferlegte, denn es heißt:der König Asa bot das ganze Land Jehuda auf, niemand war frei. Was heißt: niemand war frei? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Selbst ein Bräutigam aus seinem Gemache und eine Braut aus ihrem Baldachin.

16Es heißt:Šimšon ging nach Timna hinab, und es heißt:siehe dein Schwiegervater geht nach Timna hinauf!? R. Elea͑zar erwiderte: Šimšon wurde dadurch herabgesetzt, daher heißt es bei ihm ‘hinabgehen’. Jehuda wurde dadurch erhöht, daher heißt es bei ihm ‘hinaufgehen’.

17R. Šemuél b. Naḥmani erwiderte: Es gab zwei [Orte namens] Timna, einer hinabsteigend und der andere hinaufsteigend [zu erreichen].

18R. Papa erwiderte: Es gab nur ein Timna; wer aus der einen Seite kam, mußte hinabsteigen, und wer aus der anderen Seite kam, mußte hinaufsteigen, wie dies beispielsweise bei Vardina, Be Bari und dem Marktplatze von Nereš der Fall ist.

19Sie setzte sich vor das Tor von E͑najim. R. Alexandra sagte: Dies lehrt, daß sie hinging und sich vor das Tor unseres Vaters Abraham setzte, ein Ort, den zu sehen alle Augen [e͑najim] ausschauten. R. Ḥanin erklärte im Namen Rabhs: Es gab einen Ort, der E͑najim hieß, wie es heißt:Tapuaḥ und E͑najim.

20R. Šemuél b. Naḥmani erklärte: Sie gab ihren Worten Augen. Sie sprach zu ihm: Ich bin Proselytin, unverheiratet, Waise, und rein.

21Er pflanzte eine Tamariske in Beér Šeba͑. Reš Laqiš sagte: Dies lehrt, daß er einen Obstgarten baute und darin allerhand köstliche Früchte pflanzte.

22R. Jehuda und R. Neḥemja [streiten hierüber]; einer sagt, einen Obstgarten, und einer sagt, eine Herberge. — Erklärlich ist der Ausdruck pflanzte nach demjenigen, der einen Obstgarten sagt, wieso aber heißt es pflanzte nach demjenigen, der eine Herberge sagt!? — So heißt es auch:er wird seine Palastzelte pflanzen &c.

23Er nannte dort den Namen des Herrn, des ewigen Gottes. Reš Laqiš sagte: Man lese nicht er nannte, sondern er machte nennen.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.