Sota — Blatt 10b

1Dies lehrt, daß Abraham den Namen des Heiligen, gepriesen sei er, im Munde aller Hin- und Herreisenden nennen machte. Nachdem sie gegessen und getrunken hatten, erhoben sie sich, um ihn zu preisen, da sprach er zu ihnen: Ihr habt nicht meines gegessen, sondern des ewigen Gottes; danket, lobet und preiset den, durch dessen Wort die Welt erschaffen worden ist.

2Da sah sie Jehuda und hielt sie für eine Hure, denn sie hatte ihr Gesicht bedeckt. Mußte er sie deshalb für eine Hure halten, weil sie ihr Gesicht bedeckt hatte?

3R. Elea͑zar erwiderte: Sie hatte ihr Gesicht im Hause ihres Schwiegervatersbedeckt. R. Šemuél b. Naḥmani sagte nämlich im Namen R. Jonathans: Wenn eine Schwiegertochter keusch im Hause ihres Schwiegervaters ist, so ist es ihr beschieden, daß Könige und Propheten aus ihr hervorgehen. Dies ist von Tamar zu entnehmen. Propheten, denn es heißt:die Offenbarung Ješa͑jahus, des Sohnes des Amoç. Könige von David. R. Jehošua͑ b. Levi sagte nämlich: Es ist uns von unseren Vorfahren überliefert, daß Amoç und Amaçja Brüder waren.

4Sie ward hinausgeführt. Es sollte doch hinausgebrachtheißen!? R. Elea͑zar sagte: Nachdem ihre Beweisstückesich eingefunden hatten, kam Sammaélund entfernte sie; hierauf kam Gabriélund brachte sie zurück.

5Hierauf bezieht sich der Schriftvers:Dem Sangmeister, von der stummen Taube in der Ferne, ein Miktam Davids. R. Joḥanan sagte: Zur Stunde, wo ihre Beweisstücke entfernt worden waren, war sie wie eine stumme Taube. Ein Miktam Davids, ihr entstammte David, der jedem gegenüber geduldig [makh] und fromm [tam] war, Eine andere Auslegung: Miktam, seine Wunde [maka] war heil [tam], denn er ward beschnittengeboren. Eine andere Auslegung: Miktam, wie er sich in seiner Kleinheit einem größeren gegenüber klein machte, um die Tora zu lernen, so tat er dies auch in seiner Größe.

6Da schickte sie zu ihrem Schwiegervater und ließ ihm sagen: Von dem Manne, dem diese Sachen gehören, bin ich schwanger. Sollte sie es ihm ausdrücklich gesagt zu haben!? R. Zuṭra b. Tobija sagte im Namen Rabhs, wie manche sagen, R. Ḥana b. Bizna im Namen R. Šimo͑n des Frommen, und wie manche sagen, R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Lieber lasse sich ein Mensch in einen Schmelzofen werfen, als das Gesicht seines Nächsten öffentlich zu beschämen. Dies ist von Tamar zu entnehmen.

7Erkenne doch. R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Mit ‘erkenne’ berichtete er(seinem Vater) und mit ‘erkenne’ berichtete manihm. Mit ‘erkenne’ berichtete er, [wie es heißt:]erkenne doch, ob es der Rock deines Sohnes ist. Mit ‘erkenne’ berichtete man ihm: erkenne doch, wem.

8Doch. Doch ist nichts anderes als ein Ausdruck der Bitte; sie sprach zu ihm: Ich bitte dich, erkenne das Antlitz deines Schöpfers und verbirg dein Auge nicht vor mir.

9Und Jehuda erkannte sie und sprach: Sie ist in ihrem Rechte gegen mich. Das ist es, was R. Ḥanin b. Bizna im Namen R. Šimo͑n des Frommen gesagt hat: Joseph heiligte den Namen des Himmelsim Verborgenen, und es war ihm beschieden, daß man ihm einen Buchstaben vom Namen des Heiligen, gepriesen sei er, hinzugefügt hat, denn es heißt: als Zeugnis in Jehosephsetzte er es ein.

10Jehuda heiligte den Namen des Himmels öffentlich, und es war ihm beschieden, daß er ganz nach dem Namen des Heiligen, gepriesen sei er, benanntwurde. Als er bekannte und sprach: sie ist in ihrem Rechte gegen mich, ertönte eine Hallstimme und rief: Du hast Tamar und ihre beiden Kinder vor dem Feuer gerettet, bei deinem Leben, daß ich durch dein Verdienst drei deiner Kinder vor dem Feuer retten werde. — Wer sind es? — Ḥananja, Mišaél und A͑zarja.

11Sie ist in ihrem Rechte gegen mich. Woher wußte eres? — Eine Hallstimme ertönte und sprach: von mir gehen die Geheimnisse aus.

12Aber er setzte nicht fort, ihr fernerhin beizuwohnen. Šemuél der Greise, der Schwiegervater des R. Šemuél b. Ami, sagte im Namen des R. Šemuél b. Ami: Nachdem er ihr einmal beigewohnt hatte, trennte er sich nicht mehr von ihr. Hierbei heißt es: aber er setzte nicht fort, ihr fernerhin beizuwohnen, und dortheißt es: eine gewaltige Stimme ohne Aufhör.

13ABŠALOM WAR STOLZ AUF SEIN HAAR &C. Die Rabbanan lehrten: Abšalom widersetzte sich mit seinem Haare, denn es heißt:wie Abšalom schön war kein Mann &c. und wenn er sein Haupthaar schor, und es geschah je nach Ablauf eines Jahres, daß er sich schor, weil es ihm lästig war, so schor er es ab, so wog sein Haupthaar zweihundert Šeqel nach königlichem [Gewicht]steine. Es wird gelehrt: Der [Gewicht]stein, mit dem die Leute von Tiberjas und die Leute von Sepphoris wiegen.

14Daher blieb er an seinem Haare hängen, wie es heißt:Abšalom begegnete den Knechten Davids, Abšalom ritt auf einem Maultiere, und das Maultier kam unter das Zweiggeflecht einer großen Terebinthe, da blieb er mit dem Kopfe an der Terebinthe hängen, so daß er zwischen Himmel und Erde schwebte, während das Maultier unter ihm davonlief. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: In jener Stunde spaltete sich die Unterwelt unter ihm.

15Da erbebte der König und ging auf den Söller des Tores hinauf und weinte und im Gehen sprach er also: Mein Sohn Abšalom, o mein Sohn, mein Sohn Abšalom, daß ich an deiner Stelle gestorben wäre, Abšalom mein Sohn, mein Sohn. Und der König verhüllte sein Angesicht und der König schrie mit lauter Stimme: Mein Sohn Abšalom, Abšalom mein Sohn, mein Sohn. Weshalb heißt es achtmal mein Sohn? — Siebenmal, wodurch er ihn aus den sieben Abteilungen des Fegefeuersbrachte, und einmal, wie manche erklären, wodurch er seinen Kopf mit seinem Rumpfe zusammenbrachte, und wie manche erklären, wodurch er ihn in die zukünftige Welt brachte.

16Abšalom aber hatte genommen und bei Lebzeiten aufgestellt. Was hatte er genommen? Reš Laqiš erwiderte: Er hatte einen schlechten Kauf für sich genommen.Die Standsäule im Königstale &c. R. Ḥanina b. Papa sagte: Infolge des tiefenBeschlusses des Königs der Welt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.