Sota — Blatt 9b
1Dies finden wir auch bei der Urschlange, die ihr Auge warf auf das, was nicht ihrzukam; was sie wünschte, wurde ihr nicht gewährt, und auch das, was siehatte, ward ihr genommen. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Ich hatte gesagt, daß sie König sei über alles Vieh und Getier, nun aber soll sie verflucht sein vor allem Vieh und vor allem Getiere des Feldes.
2Ich hatte gesagt, daß sie mit aufgerichteter Statur einhergehe, nun aber soll sie auf ihrem Bauche gehen. Ich hatte gesagt, daß ihre Nahrung Menschenspeise sei, nun aber soll sie Erde essen. Sie sagte, sie werde Adam töten und Ḥava nehmen, nun aber will ich Feindschaft stiften zwischen ihr und der Frau, zwischen ihren Nachkommen und den Nachkommen jener.
3Dasselbe finden wir bei Qajin, Qoraḥ, Bilea͑m, Doég, Aḥitophel, Geḥzi, Abšalom, Adonijahu, U͑zijahu und Haman; sie richteten ihre Augen auf das, was nicht ihnen gebührte; das, was sie begehrten, wurde ihnen nicht gewährt, und auch das, was sie hatten, wurde ihnen genommen.
4SIE HAT DIE SÜNDE MIT DER HÜFTE BEGONNEN &C. Wieso dies, wollte man sagen, weil es heißt:indem der Herr deine Hüfte zusammenfallen und deinen Bauch anschwellen läßt, so heißt es ja auch:ihr Bauch wird anschwellen und ihre Hüfte zusammenfallen!?
5Abajje erwiderte: Bei der Verfluchung nennt er zuerst die Hüfte und nachher den Bauch, die Wirkung des Wassers aber erfolgt auf gewöhnliche Weise, zuerst beim Bauche und nachher bei der Hüfte. — Auch bei der Verfluchung heißt es ja:zur Anschwellung des Bauches und zum Zusammenfallen der Hüfte!? — Dies teilt ihr der Priester mit, daß es zuerst auf den Bauch und nachher auf die Hüfte [wirken werde], um nicht das Fluchwasser in Verdacht zu bringen.
6ŠIMŠON FOLGTE SEINEN AUGEN, DAHER STACHEN IHM DIE PELIŠTIM DIE AUGEN AUS, WIE ES HEISST:da ergriffen ihn die Pelištim und stachen ihm die Augen aus.
7ABŠALOM WAR STOLZ AUF SEIN HAAR, DAHER BLIEB ER AN SEINEM HAARE HÄNGEN. UND WEIL ER DIE ZEHN KEBSWEIBER SEINES VATERS BESCHLIEF, STIESS MAN IHM ZEHN LANZEN [IN DEN LEIB], WIE ES HEISST:da umgaben ihn zehn Männer, Waffenträger Joabs. UND WEIL ER DREI HERZEN STAHL, DAS HERZ SEINES VATERS, DAS HERZ DES GERICHTES UND DAS HERZ JISRAÉLS, WIE ES HEISST:da stahl Abšalom das Herz der Männer Jisraéls, WURDEN IHM DREI SPIESSE [INS HERZ] GESTOSSEN, WIE ES HEISST:er nahm drei Spieße in die Hand und stieß sie Abšalom ins Herz.
8EBENSO HINSICHTLICH DES GUTEN. MIRJAM WARTETE EINE WEILE FÜR Moše, WIE ES HEISST:seine Schwester stellte sich von fern, DAHER WARTETEN DIE JISRAÉLITEN IN DER WÜSTE SIEBEN TAGE AUF SIE, WIE ES HEISST:das Volk aber zog nicht weiter, bis Mirjam wieder aufgenommen war.
9JOSEPH WAR ES BESCHIEDEN, SEINEN VATER ZU BEGRABEN, UND UNTER SEINEN BRÜDERN GAB ES KEINEN BEDEUTENDEREN ALS IHN, WIE ES HEISST:da zog Joseph hin, um seinen Vater zu begraben, und es zogen mit ihm Wagen und Reiter, UND AUCH DARIN GAB ES KEINEN BEDEUTENDEREN ALS JOSEPH, INDEM KEIN ANDERER ALS MOŠE SELBST SICH MIT IHMBEFASSTE.
10MOŠE WAREN DIE GEBEINE JOSEPHS BESCHIEDEN, UND IN JISRAÉL GAB ES KEINEN BEDEUTENDEREN ALS IHN, WIE ES HEISST:da nahm Moše die Gebeine Josephs mit, UND AUCH DARIN GAB ES KEINEN BEDEUTENDEREN ALS MOŠE, INDEM GOTT SELBST SICH MIT IHMBEFASSTE, WIE ES HEISST:und er begrub ihn im Tal. UND NICHT VON MOŠE ALLEIN SAGTEN SIE ES, SONDERN AUCH VON ALLEN ANDEREN FROMMEN, DENN ES HEISST:deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, die Herrlichkeit des Herrn deinen Zug beschließen.
11GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Šimšon widersetzte sich mit den Augen, denn es heißt:da sprach Šimšon zu seinem Vater: diese nimm mir, denn sie ist recht in meinen Augen, daher stachen die Pelištim ihm die Augen aus, wie es heißt:da ergriffen ihn die Pelištim und stachen ihm die Augen aus. —
12Dem ist ja aber nicht so, es heißt ja:sein Vater und seine Mutter wußten aber nicht, daß dies vom Herrn ausging!? — Immerhin folgte er bei seiner Wahl seinem eigenen Triebe.
13Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Der Beginn seiner Entartung erfolgte in A͑za, daher wurde er in A͑za geschlagen. Der Beginn seiner Entartung erfolgte in A͑za, wie es heißt:da ging Šimšon nach A͑za und sah dort ein Hurenweib &c. Daher wurde er in A͑za geschlagen, wie es heißt: sie brachten ihn nach A͑za. —
14Es heißt ja aber:Šimšon ging nach Timna hinab!? — Seine Entartung begann jedoch in A͑za.
15Darauf liebte er ein Weib im Tale Šoreq namens Delila. Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Wenn sie nicht wirklich Delila hieße, müßte sie Delilabenamst werden; sie schwächte seine Kraft, sie schwächte sein Herz, sie schwächte seine Handlungen. Sie schwächte seine Kraft, wie es heißt:da wich seine Kraft von ihm.
16Sie schwächte sein Herz, wie es heißt:und Delila merkte, daß er ihr sein ganzes Herz offenbart hat. Sie schwächte seine Handlungen, denn die Göttlichkeit wich von ihm, wie es heißt:und er wußte nicht, daß der Herr von ihm gewichen war.
17Und Delila merkte, daß er ihr sein ganzes Herz offenbart hat. Woher wußte sie es? R. Ḥanin erwiderte im Namen Rabhs: Worte der Wahrheit sind zu erkennen. Abajje erwiderte: Sie wußte, daß dieser Fromme den Namen Gottes nicht fälschlich ausspreche; als er zu ihr sagte:ich bin ein Geweihter Gottes, sagte sie: jetzt spricht er entschieden die Wahrheit.
18Als sie ihm aber tagtäglich mit ihren Reden zusetzte und quälte. Was heißt ‘quälte’? R. Jiçḥaq aus der Schule R. Amis erklärte: Bei Beendigung des Beischlafesentwand sie sich ihm.
19Und nun nimm dich in acht und trinke weder Wein noch Rauschtrank und iß nichts Unreines. Was heißt ‘nichts Unreines’, sollte sie denn bis dahin unreine Dinge gegessen haben!? R. Jiçḥaq aus der Schule R. Amis erklärte: Dinge, die einem Nazir verboten sind.
20Da spaltete Gott die Vertiefung im Kinnbacken. R. Jiçḥaq aus der Schule R. Amis sagte: Er hatte Verlangen nach Unreinen, daher hing sein Leben an Unreinem.
21Und der Geist Gottes begann &c. R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Die Prophezeiung unseres Vaters Ja͑qob begann [sich zu erfüllen], denn es heißt: Dan wird eine Schlange am Wege sein.
22Ihn zu treiben im Lager Dans. R. Jiçḥaq aus der Schule R. Amis sagte: Dies lehrt, daß die Göttlichkeit vor ihm wie mit einer Schelle klingelte. Hierbei heißt es lepaa͑mo [zu treiben], und dort heißt es:Paa͑mon [Schelle] und Granatapfel.
23Zwischen Çorea͑ und Eštaol. R. Asi sagte: Çorea͑ und Eštaol waren zwei große Berge, und Šimšon entwurzelte sie und zermalmte sie an einander.
24Er wird anfangen, Jisraél zu retten. R. Ḥama b. Ḥanina sagte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.