Sota — Blatt 11a
1denn es heißt:siehe, ich lasse über dich Unheil aus deinem Hause erstehen.Desgleichen heißt es:er sandte ihn aus dem Tale Ḥebron. R. Ḥanina b. Papa sagte: Infolge des tiefen Beschlusses jenes Frommen, der in Ḥebron begrabenist, denn es heißt:wissen sollst du, daß Fremdlinge sein werden deine Kinder.
2Denn er sprach: Ich habe keinen Sohn. Hatte er denn keine Söhne, es heißt ja:und Abšalom wurden drei Söhne und eine Tochter geboren!? R. Jiçḥaq b. Evdämi erwiderte: Er hatte keinen für die Königswürde geeigneten Sohn. R. Ḥisda sagte: Es ist uns überliefert, daß, wenn jemand das Getreide eines anderen verbrennt, er keinen Sohn hinterlasse, der ihn beerbt, und er hatte das des Joab verbrannt, wie es heißt:da sprach Abšalom zu seinen Knappen: Sehet den Acker Joabs an meiner Seite; er hat daselbst Gerste, gehet und zündet ihn mit Feuer an. Da zündeten die Knechte Abšaloms den Acker mit Feuer an.
3EBENSO HINSICHTLICH DES GUTEN. MIRJAM &C. Ist es denn gleich, da war es nur eine Weile und dortsieben Tage!? Abajje erwiderte: Lies: anders ist es aber hinsichtlich des Guten.
4Raba sprach zu ihm: Es heißt ja aber: ebenso hinsichtlich des Guten!? Vielmehr, erklärte Raba, meint er es wie folgt: ebenso hinsichtlich des Guten, daß mit gleichem Maße gemessen wird, jedoch ist das Maß des Guten größer als das Maß der Vergeltung.
5Und seine Schwester stellte sich von fern. R. Jiçḥaq sagte: Dieser ganze Schriftvers bezieht sich auf die Göttlichkeit. Stellte sich, denn es heißt:da kam der Herr und stellte sich hin &c. Seine Schwester, denn es heißt:sprich zur Weisheit: du bist meine Schwester. Von fern, denn es heißt:aus der Ferne erschien mir der Herr. Um zu wissen, denn es heißt:denn ein Gott des Wissens ist der Herr. Was, denn es heißt:was der Herr, dein Gott, von dir verlangt. Geschehen, denn es heißt:denn Gott, der Herr, wird nichts geschehen lassen. Mit ihm, denn es heißt:und er nannte ihn: der Herr ist Frieden.
6Und es trat ein neuer König auf &c. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, ein wirklich neuer, und einer sagt, dessen Verordnungen neu waren. Einer sagt, ein wirklich neuer, denn es heißt neuer; einer sagt, dessen Verordnungen neu waren, denn es heißt nicht: er starb und es regierte. — Wieso heißt es:der Joseph nicht kannte!? — Er tat so, als kannte er ihn nicht.
7Und er sprach zu seinem Volke: Siehe, das Volk der Kinder Jisraél. Es wird gelehrt: Er begann mit dem Ratschlag, daher wurde er auch zuerst geschlagen. Er begann mit dem Ratschlag, wie es heißt: und er sprach zu seinem Volke; daher wurde er zuerst geschlagen, wie es heißt: über dich, über dein Volk und über all deine Diener.
8Wohlan, wir wollen klug gegen ihn verfahren. Es sollte ja ‘gegen sie’ heißen!? R. Ḥama b. R. Ḥanina erwiderte: [Er sprach:] Kommt, wir wollen den Retter Jisraéls überlisten.
9Womit richten wir sie? Richten wir sie mit Feuer, so heißt es:siehe, der Herr kommt im Feuer daher; ferner heißt es:denn mit Feuer rechtet der Herr &c. Wenn mit dem Schwerte, so heißt es:und ein gezücktes Schwert in seiner Hand.
10Wollen wir sie vielmehr mit Wasser richten, denn der Heilige, gepriesen sei er, hat bereits geschworen, daß er keine Sintflut mehr über die Welt bringen werde, wie es heißt:denn eine Noaḥflut ist mir dies &c. Sie wußten aber nicht, daß er nur über die ganze Welt eine solche nicht bringen werde, wohl aber bringt er eine über eine einzelne Nation.
11Oder auch: er wird nicht [die Flut über sie] bringen, sondern sie kommen und stürzen in diese, wie es auch heißt:und die Miçrijim flohen ihm entgegen. Das ist es, was R. Elea͑zar gesagt hat: Es heißt:denn das, womit sie frevelten [zadu], kam über sie; in dem Topfe, in dem sie kochten, wurden sie gekocht. — Woher ist es erwiesen, daß zadu den Begriff ‘Topf’ hat? — Es heißt:da kochte Ja͑qob eine Topfspeise [nazid].
12R. Ḥija b. Abba sagte: Drei waren an diesem Ratschlage beteiligt. Bilea͑m, Ijob und Jithro.
13Bilea͑m, der den Rat erteilte, wurdeerschlagen; Ijob, der schwieg, wurde durch Züchtigungen bestraft; Jithro, der floh, war es beschieden, daß Enkelkinder von ihm in der Quaderhalle saßen, denn es heißt:und die Geschlechter der Schriftgelehrten, die Ja͑baç bewohnen, die Tirea͑tim, die Šimea͑tim und die Sukatim; das sind die Qinim, die von Ḥamath, dem Stammvater des Hauses Rekhabhs, abstammen, und ferner heißt es:und die Söhne des Qeni, des Schwiegervaters Mošes &c.
14Er wird gegen uns streiten und aus dem Lande ziehen. Es sollte ja heißen: und wir werdenziehen!? R. Abba b. Kahana erwiderte: Wie wenn jemand einen Fluch über sich selbst sprechen will, ihn aber einem anderen anhängt.
15Und sie setzten über ihn Fronvögte. Es sollte ja heißen: über sie!? In der Schule des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n wurde gelehrt: Dies lehrt, daß sie eine Ziegelform holten und sie dem Pareo͑ an den Hals hängten, und wenn jemand von Jisraél sagte, er seiempfindlich, erwiderten sie ihm: Bist du etwa empfindlicher als der Pareo͑!?
16Fronvögte [missim], etwas zum Fertigen[mesim].
17Um ihn mit Fronarbeiten zu drücken; um den Pareo͑ wegen der Fronarbeiten Jisraéls zu drücken.
18Und sie bauten Vorratsstädte [miskenoth] für den Pareo͑. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer erklärt, die die Besitzer in Gefahr bringen[mesaknoth], und einer erklärt, die die Besitzer zur Armut bringen [memaskenoth]. Der Meister sagte nämlich: wer sich mit Bauerei abgibt, verarmt.
19Pithom und Ramses. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, sein eigentlicher Name war Pithom, und Ramses wird es deshalb genannt, weil es nach und nach abbröckelte[mithroses], und einer sagt, sein eigentlicher Name war Ramses, und Pithom wird es deshalb genannt, weil es nach und nach von der Mündung des Abgrundes [pi tehom] verschlungen wurde.
20Je mehr sie ihn aber drücken, desto mehr nimmt er zu und breitet sich aus. Es sollte ja heißen: nahmen sie zu und breiteten sich aus!? Reš Laqiš erwiderte: Der heilige Geist verkündete ihnen: desto mehr wird er zunehmen, desto mehr wird er sich ausbreiten.
21Und es graute ihnen [vajaquçu] vor den Kindern Jisraél. Dies lehrt, daß sie ihnen wie Dornen [qoçim] in den Augen waren.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.