Sota — Blatt 11b
1Und die Miçrijim hielten die Kinder Jisraél zur harten Arbeit [perekh] an. R. Elea͑zar erklärte: Mit sanftem Munde[pe rakh]. R. Šemuél b. Naḥmani erklärte: mit aufreibender Arbeit [perikha].
2Und sie verbitterten ihnen das Leben mit schwerer Arbeit in Lehm und in Ziegeln &c. Raba sagte: Anfangs in Lehm und in Ziegeln, nachher aber: mit allerlei Arbeit auf dem Felde.
3Alle Arbeit, zu der sie sie anhielten, mit Härte. R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Sie gaben den Frauen Männerarbeit und den Männern Frauenarbeit. Und auch derjenige, der oben [das Wort perekh] erklärt: mit sanftem Munde, erklärt es hier: mit aufreibender Arbeit.
4R. E͑zra trug vor: Durch das Verdienst der frommen Frauen jenes Zeitalters wurden die Jisraéliten aus Miçrajim erlöst. Wenn sie Wasser schöpfen gingen, fügte der Heilige, gepriesen sei er, kleine Fische in ihre Krüge, und sie schöpften die Hälfte Wasser und die Hälfte Fische. Sie setzten dann zwei Töpfe auf, einen mit warmem Wasser und einen mit Fischen,
5und brachten sie ihren Männern aufs Feld. Sodann wuschen sie sie, salbten sie sie, gaben ihnen zu essen und zu trinken und begatteten sich mit ihnen zwischen den Hürden, wie es heißt:wenn ihr zwischen den Hürden lagert &c. Als Belohnung für das Lagern zwischen den Hürden war Jisraél die Beute von Miçrajim beschieden, denn darauf heißt es:Taubenflügelmit Silber bedeckt, die Schwingen mit grünlichem Golde.
6Nach ihrer Schwängerung kehrten sie heim, und als die Zeit ihrer Niederkunft heranreichte, gingen sie wiederum aufs Feld und gebaren unter den Apfelbäumen, wie es heißt:unter dem Apfelbaume weckte ich dich &c.
7Der Heilige, gepriesen sei er, sandte ihnen dann jemand aus den himmlischen Höhen, der sie reinigte und putzte, wie die Hebamme das Kind putzt, wie es heißt:und deine Geburt, am Tage, an dem du geboren wurdest &c. Er besorgte ihnen dann zwei Kugeln, eine aus Öl und eine aus Honig, wie es heißt:er ließ ihn Honig saugen aus einem Felsen und Öl &c.
8Sobald die Miçrijim sie bemerkten und sie töten wollten, geschah ihnen ein Wunder, und die Erde verschlang sie, worauf jene Rinder holten und [die Erde] über ihnen pflügten, wie es heißt:auf meinem Rücken haben die Pflüger gepflügt &c. Nachdem jene fortgegangen waren, schössen sie heraus und kamen hervor, wie das Kraut des Feldes, wie es heißt:zu Myriaden, wie die Sprößlinge des Feldes, machte ich dich.
9Waren sie herangewachsen, so kamen sie herdenweise nach Hause, denn es heißt:du vermehrtest dich und wurdest groß, und gingest umher in höchstem Reize, und man lese nicht a͑di a͑dajim [höchstem Reize], sondern e͑dre a͑darim [vielen Herden].
10Als der Heilige, gepriesen sei er, sich ihnen am Meere offenbarte, erkannten sie ihn zuerst, wie es heißt:dieser ist mein Gott, ich will ihn verherrlichen.
11Da sprach der König von Miçrajim zu den hebräischen Hebammen &c. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, es war eine Frau und ihre Tochter, und einer sagt, eine Schwiegertochter und ihre Schwiegermutter. Nach demjenigen, welcher sagt, eine Frau und ihre Tochter, waren es Jokhebed und Mirjam, und nach demjenigen, welcher sagt, eine Schwiegertochter und ihre Schwiegermutter, waren es Jokhebed und Elišeba͑.
12Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit demjenigen, der eine Frau und ihre Tochter sagt, denn es wird gelehrt: Šiphraist Jokhebed, und sie wird deshalb Šiphra genannt, weil sie das Kind putzte [mešapereth]. Eine andere Erklärung: Šiphra [hieß sie deshalb], weil in ihren Tagen die Kinder Jisraél sich fruchtbarten [šeparu] und mehrten.
13Pua͑ist Mirjam, und sie wird deshalb Pua͑ genannt, weil sie redete [poa͑] und das Kind hervorbrachte. Eine andere Erklärung: Pua͑ [hieß sie deshalb], weil sie durch den heiligen Geist redete und sprach: Meine Mutter wird ein Kind gebären, das Jisraél erlösen wird.
14Er sprach: Wenn ihr den Hebräerinnen Geburtshilfe leistet &c. Was ist abnajim? R. Ḥanin erwiderte: Er übergab ihnen ein wichtiges Zeichen und sprach zu ihnen: Wenn [die Frau] zum Gebären niederkniet, werden ihre Schenkel kalt wie Steine [abanim].
15Ein anderer erklärt: Wie geschrieben steht:Ich ging hinab in des Töpfers Haus, und siehe, er machte ein Werk auf den Steinen; wie der Töpfer einen Schenkel auf der einen Seite, einen Schenkel auf der anderen Seite und den Block in der Mitte hält, so auch die Frau: ein Schenkel auf der einen Seite, ein Schenkel auf der anderen Seite und das Kind in der Mitte.
16Wenn es ein Knabe ist, so tötet ihn. R. Ḥanina sagte: Er übergab ihnen ein wichtiges Zeichen: bei einem Knaben ist das Gesicht nach unten, bei einem Mädchen ist das Gesicht nach obengerichtet.
17Die Hebammen aber fürchteten Gott und taten nicht, wie zu ihnen [alehen] gesprochen &c. Es sollte ja lahenheißen!? R. Jose b. R. Ḥanina erklärte: Dies lehrt, daß er sie zur Sündeaufgefordert hatte, sie aber sich nicht erbitten ließen.
18Sie erhielten die Kinder am Leben. Es wird gelehrt: Nicht genug, daß sie sie nicht töteten, sondern sie versorgten sie auch mit Wasser und Nahrung.
19Da sprachen die Hebammen zum Pareo͑: Nicht wie die Frauen &c. Was heißt ḥajoth: wollte man sagen, dem Wortlaute gemäß, Hebammen, so benötigt ja auch eine Hebamme bei der Geburt einer anderen Hebamme!?
20Sie sprachen zu ihm: Diese Nation wird mit dem Wilde [ḥaja] verglichen. Jehuda:ein junger Löwe. Dan:eine Schlange wird Dan sein. Naphtali:er ist eine freischweifende Hinde. Jissakhar:ein knochiger Esel. Joseph:ein erstgeborener Stier. Binjamin:ein reißender Wolf.
21Bei denen dies geschrieben ist, ist es ja geschrieben, und von denen dies nicht geschrieben ist, heißt es:was war deine Matter für eine Löwin, zwischen jungen Löwen lagernd &c.
22Und weil die Hebammen Gott fürchteten, machte er ihnen Häuser. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer erklärt, Häuser des Priestertums und Levitentums, und einer erklärt, Häuser des Königtums. Einer erklärt, Häuser des Priestertums und Levitentums: Ahron und Moše; einer erklärt, Häuser des Königtums, denn auch David stammte von Mirjam ab, denn es heißt:und als A͑zuba, die Frau Kalebs, gestorben war, nahm Kaleb die Ephrath, die ihm den Ḥur gebar, und ferner heißt es:David war der Sohn eines Mannes von Ephrath &c.
23Kaleb, der Sohn Ḥeçrons, zeugte mit A͑zuba, seiner Frau, und mit Jerio͑th; und das sind deren Söhne: Ješer, Šobab und Ardon. Wieso der Sohn Ḥeçrons, er war ja der Sohn Jephunnes!? — Ein Sohn, der sich vom Ratschlage der Kundschafterabwandte [pana]. —
24Aber immerhin war er ja der Sohn des Qenaz, denn es heißt:und O͑thniél, der Sohn des Qenaz, der Bruder Kalebs, nahm es ein!? Raba erwiderte: Er war ein Stiefsohn des Qenaz.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.