Sota — Blatt 12b
1In das Schilf, wie es heißt: Rohr und Schilfverwelken.
2Da stieg die Tochter des Pareo͑ hinab, um sich im Flusse zu waschen. R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Dies lehrt, daß sie hinabgestiegen war, um sich vom Götzenschmutze ihres Vaterhauses zu reinigen, denn es heißt:wenn der Herr den Unflat der Töchter Çijons gewaschen &c.
3Und ihre Mädchen gingen &c. R. Joḥanan sagte: Unter ‘gehen’ ist hier das Sterben zu verstehen, wie es heißt:siehe, ich gehe sterben.
4Da sah sie die Kiste im Schilfe. Als jene sahen, daß sie Moše retten wollte, sprachen sie: Herrin, in der Welt ist es üblich, daß, wenn ein König aus Fleisch und Blut einen Befehl erläßt, selbst wenn die ganze Welt ihn nicht befolgt, seine Kinder und seine Familienangehörigen ihn befolgen, du aber willst den Befehl deines Vaters übertreten. Da kam [der Engel] Gabriél und schlug sie zu Boden.
5Sie schickte ihre Magd und ließ sie holen. R. Jehuda und R. Neḥemja [streiten hierüber]; einer erklärt Arm, und einer erklärt Magd. Einer erklärt Arm, denn es heißt amatha; einer erklärt Magd, denn es heißt nicht Hand. —
6Nach demjenigen, der Magd erklärt, [ist ja einzuwenden,] du sagtest doch, Gabriél kam und schlug sie zu Boden!? — Er ließ ihr eine zurück, weil es für eine Königstochter nicht schicklich ist, allein zu sein. —
7Sollte es doch nach demjenigen, welcher Arm erklärt, Hand heißen!? — Damit lehrt er uns, daß [ihr Arm] sich ausgedehnt hatte. Der Meister sagte nämlich: Dies findest du auch beim Arme der Tochter des Pareo͑. Ferner findest du es auch bei den Zähnender Frevler, denn es heißt:die Zähne der Frevler hast du zerschmettert, und Reš Laqiš sagte, man lese nicht šibarta [zerschmettert], sondern širbabta [ausgedehnt].
8Da öffnete sie sie und sah es, das Kind. Es sollte ja nur heißen: und sah!? R. Jose b. R. Ḥanina erwiderte: Sie sah die Göttlichkeit bei ihm.
9Und siehe, es war ein weinender Knabe. Er nennt ihn Kind und er nennt ihn Knabe? — Es wird gelehrt: Es war ein Kind, dessen Stimme aber glich der eines Knaben — so R. Jehuda. R. Neḥemja sprach zu ihm: Demnach hast du ja unseren Meister Moše zu einem fehlerbehaftetengemacht!? Vielmehr lehrt dies, daß seine Mutter ihm in der Kiste einen Kinderbaldachin machte, denn sie sagte: vielleicht ist es mir nicht beschieden, seinen Hochzeitsbaldachin [zu sehen].
10Und sie erbarmte sich seiner und sprach: Eines von den Kindern der Hebräer ist dieses. Woher wußte sie es? R. Jose b. R. Ḥanina erwiderte: Sie sah, daß er beschnitten war. Dieses.
11R. Joḥanan sagte: Dies lehrt, daß sie, ohne es zu wissen, weissagte: dieses ist hineingefallen, aber kein anderes wirdhineinfallen.
12Das ist es, was R. Elea͑zar sagte: Es heißt:Und wenn sie zu euch sprechen: Befragt doch die Totenbeschwörer und die Wahrsager, die da flüstern und murmeln; sie flüsternund wissen nicht, was sie flüstern, sie murmeln und wissen nicht, was sie murmeln.
13Sie sahen, daß der Erlöser Jisraéls durch Wasser geschlagen werden werde, da standen sie auf und befahlen:jeden neugeborenen Sohn sollt ihr in den Fluß werfen. Nachdem Moše hineingeworfen worden war, sprachen sie: Wir sehen jenes Zeichen nicht mehr. Hierauf hoben sie diesen Befehl auf. Sie wußten aber nicht, daß er wegen des Haderwassersgeschlagen werden werde.
14Das ist es, was R. Ḥama b. R. Ḥanina gesagt hat: Es heißt:das ist das Haderwasser, wo sie haderten; das ist es, das die Sternkundigen des Pareo͑ gesehen und sich geirrt haben. Darauf bezugnehmend sagte Moše:sechshunderttausend Mann Fußvolk &c. Moše sprach zu den Jisraéliten: Durch mich seid ihr alle gerettet worden.
15R. Ḥanina b. Papa sagte: Jener Tag war der einundzwanzigste Nisan, und die Dienstengel sprachen vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, der dereinst an diesem Tage am Meere einen Lobgesang anstimmenwird, sollte an diesem Tage geschlagen werden!?
16R. Aḥa b. Ḥanina sagte: Es war der sechste Sivan, und die Dienstengel sprachen vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, der dereinst an diesem Tage das Gesetz am Berge Sinaj in Empfang nehmen wird, sollte an diesem Tage geschlagen werden!? —
17Allerdings waren es drei Monatenach demjenigen, welcher sagt, es war der sechste Sivan, denn der Meister sagte, Moše starb am siebenten Adar und ward am siebenten Adar geboren, und vom siebenten Adar bis zum sechsten Sivan sind es drei Monate, wieso aber stimmt dies nach demjenigen, welcher sagt, es war der einundzwanzigsteNisan!? —
18Jenes Jahr war ein Schaltjahr; die größere Hälfte des ersten, die größere Hälfte des letzten und der mittelstevollständig.
19Da sprach seine Schwester zu der Tochter des Pareo͑: Soll ich gehen und dir eine Amme von den Hebräerinnen rufen? Weshalb gerade von den Hebräerinnen? —
20Dies lehrt, daß man Moše allen miçrischen Frauen herumreichte, er aber nicht saugen wollte. Er sagte: Soll etwa der Mund, der dereinst mit der Göttlichkeit reden wird, Unreines saugen!? Hierauf deutet der Schriftvers:Wen will er Erkenntnislehren, wen mit seiner Predigt unterrichten? Von der Milch Entwöhnte, von der Brust Genommene.
21Da sprach die Tochter des Pareo zu ihr: Geh &c. R. Elea͑zar erklärte: Dies lehrt, daß sie schnell wie eine Jungfrauging. R. Šemuél b. Naḥmani erklärte: Jungfrau, weil sie die Sacheverheimlichte.
22Da sprach die Tochter des Pareo͑ zu ihr: Da hast du das Kind. R. Ḥama b. R. Ḥanina sagte: Sie weissagte, ohne zu wissen, was sie weissagte: da hast du, da hast du deines.Und ich werde dir deinen Lohn geben. R. Ḥama b. R. Ḥanina sagte: Nicht genug, daß man den Frommen ihren Verlust zurückgibt, sondern man gibt ihnen noch einen Lohn.
23Da nahm Mirjam die Prophetin, die Schwester Ahrons &c. Die Schwester Ahrons und nicht die Schwester Mošes? R. A͑mram sagte im Namen Rabhs, und wie manche sagen, R. Naḥman im Namen Rabhs: Dies lehrt, daß sie, als sie noch nur die Schwester Ahronswar, weissagte
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.