Sota — Blatt 13a

1und sprach: Meine Mutter wird einen Sohn bekommen, der Jisraél erlösen wird. Als Moše geboren ward, füllte sich das ganze Haus mit Licht, da stand ihr Vater auf, küßte sie aufs Haupt und sprach zu ihr: Meine Tochter, deine Weissagung ist in Erfüllung gegangen. Als man ihn aber in den Fluß warf, stand ihr Vater auf, schlug sie aufs Haupt und sprach zu ihr: Meine Tochter, wo ist nun deine Weissagung!? Das ist es, was geschrieben steht: Seine Schwester stellte sich von ferne, um zu erfahren, was mit ihm geschehen wird; um zu erfahren, was endlich aus ihrer Weissagung geschehen wird.

2JOSEPH WAR ES BESCHIEDEN &C. Weshalb heißt es zuerst:und Joseph ging hinauf, um seinen Vater zu begraben, und alle Diener des Pareo͑ zogen mit ihm hinauf &c., sodann:das ganze Haus Josephs und seine Brüder und das Haus seines Vaters, später aber:und Joseph kehrte nach Miçrajim zurück, er und seine Brüder, sodann:und alle, die mit ihm hinaufgezogen waren, um seinen Vater zu begraben?

3R. Joḥanan erwiderte: Anfangs, bevor sie die Ehrung der Jisraélitengesehen hatten, erwiesen sie ihnen keine Hochachtung, später aber, nachdem sie ihre Ehrung gesehen hatten, erwiesen sie ihnen Hochachtung.

4Es heißt:und sie kamen bis zur Dornentenne; gibt es denn eine Tenne für Dornen? R. Abahu erwiderte: Dies lehrt, daß sie die Bahre Ja͑qobs mit Kronen umringten, wie man eine Tenne mit Dornen umringt, denn auch die Söhne E͑savs, Jišma͑éls und Qeṭuras waren da hingekommen.

5Es wird gelehrt: Sie kamen, um Kriegzu führen, als sie aber die Krone Josephs an der Bahre Ja͑qobs hängen sahen, nahmen sie alle ihre Kronen ab und hängten sie ebenfalls an die Bahre Ja͑qobs. Es wird gelehrt: Sechsunddreißig Kronen hingen an der Bahre Ja͑qobs.

6Sie hielten da eine große und sehr schwere Trauer. Es wird gelehrt: Selbst Pferde und sogar Esel.

7Als sie zur , Doppelhöhleherankamen, trat E͑sav vor und hinderte sie, indem er zu ihnen sprach:Mamre, Vierstadt, das ist Ḥebron. R. Jiçḥaq sagte nämlich: Vierstadt, da waren vier Paare [begraben:] Adam und Ḥava, Abraham und Sara, Jiçḥaq und Ribqa, Ja͑qob und Lea. Er begrub Lea auf seinem Platze, und was zurückbleibt, gehörtmir. Sie sprachen zu ihm: Du hast ihnihm verkauft.

8Er erwiderte ihnen: Zugegeben, daß ich ihm meinen Erstgeburtsanteil verkauft habe, aber habe ich ihm etwa auch meinen einfachen Anteil verkauft!? Sie entgegneten ihm: Freilich. Es heißt:in meinem Grabe, daß ich mir gekauft [karithi] habe. R. Joḥanan sagte nämlich im Namen des R. Šimo͑n b. Jehoçadaq, ‘kira’ heißt Verkauf, denn in den überseeischen Ländern sagt man ‘kira’ für Verkauf.

9Hierauf sprach er zu ihnen: Zeigt mir den Kaufbrief. Sie erwiderten ihm: Der Kaufbrief befindet sich im Lande Miçrajim. Wer geht nun hin? — Es gehe Naphtali, da er behend wie eine Hinde ist. Es heißt:Naphtali ist eine freischweifende Hinde, schöne Worte bringend, und R. Abahu sagte, man lese nicht imre šepher [schöne Worte] sondern imre sepher [Worte des Briefes].

10Unter ihnen befand sich Ḥušim, der Sohn Dans, der schwerhörigwar, und er fragte: Was ist los? Man erwiderte ihm: Dieser hindert uns solange, bis Naphtali aus dem Lande Miçrajim zurückgekehrt ist. Da sprach er zu ihnen: Und bis Naphtali aus dem Lande Miçrajim zurückgekommen ist, soll der Großvater mißächtlich daliegen!? Hierauf nahm er eine Keule und schlug ihm auf den Kopf, sodaß ihm die Augen ausfielen und zu den Füßen Ja͑qobs rollten. Da öffnete Ja͑qob die Augen und lächelte. Hierauf bezieht sich der Schriftvers:es freue sich der Fromme, wenn er Rache sieht.

11An jener Stunde ging in Erfüllung die Weissagung Ribqas:weshalb soll ich eurer beider an einem Tage beraubt werden. Und obgleich beide nicht an einem Tage gestorben sind, so erfolgte ihr Begräbnis an einem Tage. —

12Würden denn, wenn Joseph sich mit ihm nicht befaßt hätte, seine Brüder sich mit ihm nicht befaßthaben, es heißt ja:seine Söhne trugen ihn nach dem Lande Kenaa͑n!? — Sie sprachen: Laßt ihn gewähren, es ist für ihn mehr Ehrung, wenn es durch Könige erfolgt, als wenn durch Gemeine.

13UND AUCH DARIN GAB ES KEINEN BEDEUTENDEREN ALS JOSEPH &C. Die Rabbanan lehrten: Komm und sieh, wie beliebt die Gebote unserem Meister Moše waren. Während ganz Jisraél sich mit Beutemachenbefaßte, befaßte er sich mit [der Ausübung]der Gebote, wie es heißt:wer weisen Herzens ist, nimmt Gebote an &c.

14Woher wußte Moše, wo Joseph begraben war? — Man erzählt, daß Serah, die Tochter Ašers, aus jener Generation zurückgeblieben war, und Moše wandte sich an sie und fragte sie, ob sie nicht wisse, wo Joseph begraben liege. Sie erwiderte ihm: Die Miçrijim fertigten für ihn einen Sarg aus Metall und versenkten ihn in den Nilfluß, damit sein Wasser gesegnet werde. Hierauf ging Moše hin, stellte sich an das Ufer des Nils und sprach: Joseph, Joseph, es ist die Zeit herangereicht, hinsichtlich welcher der Heilige, gepriesen sei er, geschworen hat: ich werde euch erlösen, und es ist die Zeit herangereicht, hinsichtlich welcher du Jisraél beschworenhast; wenn du jetzt erscheinest, so ist es recht, wenn aber nicht, so sind wir von deinem Schwure entbunden. Da schwamm der Sarg Josephs sofort herauf.

15Es darf dich aber nicht wundern, wieso Eisen obenauf schwimmen kann. Es heißt:Und es geschah, als einer einen Balken fällte, da fiel das Eisen ins Wasser &c. Da sprach der Mann Gottes: Wohin ist es gefallen? Und als er ihm die Stelle zeigte, hieb er ein Holz ab und warf es hinein; da schwamm das Eisen herauf. Nun ist ein Schluß von einem Kleineren auf einen Größeren zu folgern: wenn für Eliša͑, der ein Schüler Elijahus und Elijahu wiederum ein Schüler Mošes war, das Eisen heraufgeschwommen ist, um wieviel mehr für unseren Meister Moše selbst.

16R. Nathan sagte: Er war in der Königsgruft begraben, und Mošeging hin, stellte sich an die Königsgruft und sprach: Joseph, es ist die Zeit herangereicht, hinsichtlich welcher der Heilige, gepriesen sei er, geschworen hat: ich werde euch erlösen, und es ist die Zeit herangereicht, hinsichtlich welcher du Jisraél beschworen hast; wenn du jetzt erscheinest, so ist es recht, wenn aber nicht, so sind wir von deinem Schwure entbunden. In dieser Stunde erbebte der Sarg Josephs und Moše nahm ihn und führte ihn mit.

17Während aller Jahre, wo die Jisraéliten in der Wüste wanderten, zogen beide Laden, die des Toten und die der Göttlichkeit, neben einander, und die Wanderer fragten nach der Bedeutung dieser beiden Laden. Man erwiderte ihnen, die eine ist die eines Toten und die andere ist die der Göttlichkeit. — Ist es denn schicklich, daß ein Toter neben der Göttlichkeit ziehe? Man erwiderte ihnen:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.