Sota — Blatt 16a

1Isi b. Jehuda sagte: Dies schließt die Fußböden der [Offenbarungszelte] zu Šilo, Nobh und Gibeo͑n und des stetigen Tempelsein.

2Isi b. Menaḥem sagte: Dies ist nicht nötig; wenn die Schrift bei einer leichten Unreinheitnicht unterschiedenhat, um wieviel weniger bei der schweren Verunreinigung einer Ehefrau. Wenn es aber dennoch heißt: am Fußboden des Zeltes, [so lehrt dies,] daß er keine Erde vom Haufen hole.

3Sie fragten: Darf man, wenn da keine Erde vorhanden ist, Asche hineintun? Nach der Schule Šammajs ist dies nicht fraglich, denn diese sagt, wir finden nicht, daß Asche Erde genannt werde,

4fraglich ist es nur nach der Schule Hillels, welche sagt, wir finden, daß Asche Erde genanntwerde. Wie ist es nun: obgleich auch diese Erde genannt wird, so heißt es hierbei dennoch: am Fußboden des Zeltes, oder aber deuten [die Worte] am Fußboden des Zeltes auf die Lehren des Isi b. Jehuda und des Isi b. Menaḥem? —

5Komm und höre: R. Joḥanan sagte im Namen R. Jišma͑éls: An drei Stellen verdrängt die Halakha das Schriftwort.

6Die Tora sagt: mit Erde, die Halakha aber lautet: mit jedem Gegenstande; die Tora sagt Schermesser, die Halakha aber lautet: mit jedem Geräte; die Tora sagt Brief, die Halakha aber lautet: jeder Gegenstand.

7Wenn dem nun sowäre, so sollte er auch dies mitzählen. —

8Manches lehrt er und manches läßt er fort. — Was läßt er noch außerdem fort? — Er läßt [das Scheren] des Aussätzigen fort. Es wird nämlich gelehrt:Und am siebenten Tage schere er sein ganzes Haar, generell; seinen Kopf, seinen Bart und seine Augenbrauen, speziell; sein ganzes Haar soll er scheren, wiederum generell; und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung und wiederum eine Generalisierung folgt, so richte man sich nach dem Speziellen: wie das Spezielle eine Stelle ist, auf der Haare sich ansammeln und gesehen wird, ebenso auch jede andere Stelle, auf der Haare sich ansammeln und gesehen wird.

9Dies schließt das Haar [zwischen] den Füßen ein und schließt das Haar unter den Achselhöhlen und am ganzen Körper aus.

10Die Halakha aber ist, daß er sich wie ein Kürbisschere, denn wir haben gelernt: Wenn er den Aussätzigen scheren geht, so lasse er das Schermesser über seinen ganzen Körper gehen, denn es heißt: und am siebenten Tage schere er, das zweite Scheren gleicht dem ersten.

11R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Er zählt nur Fälle auf, wobei die Halakha einen Schriftvers verdrängt, hierbei aber verdrängt sie ja nur eine rabbanitische Auslegung.

12R. Papa erwiderte: Er zählt nur Fälle auf, wobei die Halakha verdrängt und aufhebt, hierbei aber verdrängt sie und fügthinzu.

13R. Aši erwiderte: Diese Lehreist nach R. Jišma͑él, der [die Regel von der] Generalisierung und Spezialisierung anwendet,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.