Sota — Blatt 16b
1während die Lehre ‘wie ein Kürbis’nach R. A͑qiba ist, der[die Regel von der] Einschließung und Ausschließung anwendet. Es wird nämlich gelehrt: Und am siebenten Tage schere er sein ganzes Haar, einschließend; seinen Kopf, seinen Bart und seine Augenbrauen, ausschließend; sein ganzes Haar soll er scheren, wiederum einschließend; und wenn auf eine Einschließung eine Ausschließung und wiederum eine Einschließung folgt, so ist alles einbegriffen.
2Einbegriffen ist [das Haar] am ganzen Körper und ausgeschlossen ist das Haar in der Nase.
3Wie bleibt es damit? – Komm und höre: R. Hona b. Aši sagte im Namen Rabhs: Ist da keine Erde vorhanden, so hole er Moder von Kräutern und heilige ihn.
4Dies ist aber nichts; Moder von Kräutern ist Erde, Asche aber ist keine Erde.
5DASS SIE AUF DEM WASSER ZU SEHEN IST. Die Rabbanan lehrten: Drei Dinge müssen zu sehen sein: die Erde der Ehebruchsverdächtigten, die Asche von der [roten] Kuhund der Speichel der Eheschwägerin.
6Im Namen R. Jišma͑éls sagten sie, auch das Blut des Vogels. Was ist der Grund R. Jišma͑éls? – Es heißt:er tauche sie &c. in das Blut des Vogels &c. Und hierzu wird gelehrt: In das Blut; man könnte glauben, in das Blut, und nicht in das Wasser, so heißt es Wasser; aus [dem Worte] Wasser könnte man entnehmen, in das Wasser und nicht in das Blut, so heißt es in das Blut. Wie ist dies zu erklären? Er hole soviel Wasser, daß das Blut des Vogels darin zu merken sei. – Wieviel ist dies? – Ein Viertel[log]. –
7Und die Rabbanan!? – Dies ist an sich nötig; der Allbarmherzige sagt damit, daß er sie in das Blut und in das Wasser tauche. –
8Und R. Jišma͑él!? – Demnach sollte der Allbarmherzige geschrieben haben: er tauche sie in diese, wenn er aber das Blut und das Wasser nennt, [so lehrt dies,] daß es kenntlich sein müsse. –
9Und die Rabbanan!? – Würde der Allbarmherzige geschrieben haben: er tauche sie in diese, so könnte man glauben, in das eine besonders und in das andere besonders, daher nennt er das Blut und das Wasser, daß man sie mische. –
10Und R. Jišma͑él!? – Daß man sie mische, lehrt ein anderer Schriftvers:er schlachte den einen Vogel &c. – Und die Rabbanan!? –
11Aus diesem Schriftverse könnte man entnehmen, man schlachte ihn in der Nähe des Gefäßes, halte die Schlagadern fest und nehme das Blut in ein anderes Gefäß auf, so lehrt er uns.
12R. Jirmeja fragte R. Zera: Wie ist es, wenn er groß ist und [sein Blut] das Wasser verdrängt, oder klein ist und es vom Wasser verdrängt wird?
13Dieser erwiderte: Sagte ich dir etwa nicht, daß du nicht über die Halakha hinaus grübeln sollst!? Die Rabbanan berechneten dies bei einer Schwalbe, und diese ist weder so groß, das Wasser zu verdrängen, noch so klein, vom Wasser verdrängt zu werden.
14Die Rabbanan lehrten: Hat er die Erde früher als das Wasser hineingetan, so ist es untauglich, nach R. Šimo͑n aber tauglich. Was ist der Grund R. Šimo͑ns? –
15Es heißt:man nehme für den Unreinen von der Erde des verbrannten Sündopfers, und hierzu wird gelehrt: R. Šimo͑n sagte: Ist es denn Erde, es ist ja Asche!? Die Schrift hat deshalb einen unrichtigen Ausdruck gewählt, damit man [einen Schluß durch] Wortanalogie folgere: hierbei heißt es Erde und dortheißt es Erde, wie dort die Erde auf das Wasser, ebenso hierbei die Erde auf das Wasser;
16und wie es ferner hierbei tauglich ist, wenn er die Erde früher als das Wasser [hineingeschüttet hat], ebenso ist es auch dort tauglich, wenn er die Erde früher als das Wasser [hineingeschüttet hat]. –
17Woher dies hierbei? – Es sind da zwei Schriftverse vorhanden; es heißt:darauf, wonach die Asche zuerst hineinkommt, und es heißt:lebendiges Wasser in ein Gefäß, wonachdas Wasser zuerst hineinkommt; wie ist dies nun zu erklären? Er kann nach Belieben das eine oder das andere [zuerst] hineintun. –
18Und die Rabbanan!? – In ein Gefäß, nurso; darauf, daß man sie mische. –
19Vielleicht aber: darauf, nurso; in ein Gefäß, daß es im Gefäße lebendigsein müsse!? –
20Wie wir sonst überall finden, daß das Tauglichmachende sich oben befindet, ebenso auch hierbei das Tauglichmachendeoben.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.