Sota — Blatt 19a

1denn es heißt dies; hinsichtlich zweier Ehemänner und zweier Ehebrecher stimmen alle überein, daß eine Frau trinke und es wiederhole, denn es heißt Gesetz;

2sie streiten nur über denselben Ehemann und zwei Ehebrecher, und über zwei Ehemänner und denselben Ehebrecher.

3Der erste Autor ist der Ansicht, [das Wort] Gesetz schließe alles ein und [das Wort] dies schließe den Fall von demselben Ehemanne und demselben Ehebrecher aus.

4Die Rabbanan der anderen Lehre sind der Ansicht, [das Wort] dies schließe alles aus und [das Wort] Gesetz schließe den Fall von zwei Ehemännern und zwei Ehebrechern ein.

5Und R. Jehuda ist der Ansicht, [das Wort] dies schließe zwei Fälle aus und [das Wort] Gesetz schließe zwei Fälle ein. [Das Wort] dies schließt zwei aus, den von demselben Ehemanne und demselben Ehebrecher und den von demselben Ehemanne und zwei Ehebrechern; [das Wort] Gesetz schließt zwei ein, den von zwei Ehemännern und demselben Ehebrecher und den von zwei Ehemännern und zwei Ehebrechern.

6ER NIMMT IHR SPEISOPFER AUS DEM WEIDENKORBE, LEGT ES IN EIN DIENSTGEFÄSS UND GIBT ES IHR IN DIE HAND, SODANN LEGT DER PRIESTER SEINE HÄNDE UNTER IHRE UND SCHWINGT ES. ER SCHWINGT ES, BRINGT ES HERAN, HEBT EINE HANDVOLL AB UND RÄUCHERT SIE AUF; DAS ZURÜCKBLEIBENDE WIRD VON DEN PRIESTERN GEGESSEN.

7ZUERST LÄSST ER SIE TRINKEN UND NACHHER BRINGT ER IHR SPEISOPFER DAR; R. ŠIMO͑N SAGT, ZUERST BRINGE ER IHR SPEISOPFER DAR, UND NACHHER LASSE ER SIE TRINKEN, DENN ES HEISST: und nachher lasse er die Frau das Wasser trinken, JEDOCH SEI ES TAUGLICH, WENN ER SIE ZUERST TRINKEN LIESS UND NACHHER IHR SPEISOPFER DARBRINGT.

8GEMARA. R. Elea͑zar sprach zu seinem Altersgenossen R. Jošija: Du setzt dich nicht hin, bis du mir folgendes erklärt hast. Woher, daß das Speisopfer der Ehebruchsverdächtigten des Schwingens benötigt? – Woher, es heißt ja: er schwinge!? – Woher, daß es durch die Eigentümerin erfolgen müsse? –

9Dies ist aus [dem Worte] Hand zu folgern, das auch beim Heilsopfer gebraucht wird; hierbei heißt es:der Priester nehme aus ihrer Hand, und dort heißt es: seine Hände sollen bringen;

10wie hierbei der Priester, ebenso auch dort der Priester, und wie dort der Eigentümer, ebenso auch hierbei die Eigentümerin. Wie erfolgt dies? Er lege seine Hände unter die Hände der Eigentümerin und schwinge.

11ER SCHWINGT ES, BRINGT ES HERAN, HEBT DEN HAUFEN AB &C. Zuerst läßt er sie trinken und nachher bringt er ihr Speisopfer dar. Er hat es ja bereits dargebracht!? –

12Er meint es wie folgt: welches ist die Reihenfolge bei der Darbringung des Speisopfers? Er schwingt es, bringt es heran, hebt eine Handvoll ab und räuchert sie auf; das Zurückbleibende wird von den Priestern gegessen.

13Hinsichtlich des Trinkenlassens selbst streiten R. Šimo͑n und die Rabbanan; die Rabbanan sind der Ansicht, er lasse sie zuerst trinken und bringe nachher ihr Speisopfer dar, und R. Šimo͑n ist der Ansicht, er bringe zuerst ihr Speisopfer dar und lasse sie nachher trinken, denn es heißt: und nachher lasse er trinken.

14JEDOCH SEI ES TAUGLICH, WENN ER SIE ZUERST TRINKEN LIESS UND NACHHER IHR SPEISOPFER DARBRINGT.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.