Sota — Blatt 20b
1nur nicht zum Abschnitte der Ehebruchsverdächtigten. R. Jáqob sagt in dessen Namen, nur nicht zum Abschnitte der Ehebruchsverdächtigten im Tempel. – Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? R. Jirmeja erwiderte: Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen, ob man ihn aus einer Torarolle verwischendarf.
2Diese Tannaím führen denselben Streit wie die Tannaím der folgenden Lehre: Ihre Rolleist zum Trinkenlassen einer anderen Ehebruchsverdächtigten nicht brauchbar. R. Aḥi b. Jošija sagt, ihre Rolle sei zum Trinkenlassen einer anderen Ehebruchsverdächtigten wohl brauchbar.
3R. Papa erwiderte: Vielleicht ist dem nicht so; der erste Autorist dieser Ansicht nur in diesem Falle, denn da [die Rolle] für Raḥel [geschrieben] worden ist, ist sie für Lea nicht brauchbar, [der Abschnitt] aus der Tora aber, der ohne Bestimmung geschrieben worden ist, darf wohl verwischtwerden.
4R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Vielleicht ist dem nicht so; R. Aḥi b. Jošija ist dieser Ansicht nur in diesem Falle, wo die Rolle immerhin zur Verfluchung geschrieben wordenist, der Abschnitt aus der Tora aber, der nur zum Studium geschrieben worden ist, ist zum Verwischen nicht brauchbar. –
5Hält denn R. Aḥi b. Jošija nichts von folgender Lehre? Wenn jemand einen Scheidebrief für seine Frau geschrieben hat und [von der Scheidung] abgekommen ist, und darauf ein Mitbürger ihn trifft und zu ihm spricht: du heißt wie ich und deine Frau heißt wie meineFrau, so ist der Scheidebrief für diesen unbrauchbar. –
6Ich will dir sagen, da sagt der Allbarmherzige:er schreibe ihr, wonach das Schreiben auf ihren Namen erfolgen muß, hierbei aber heißt es:er tue mit ihr, und unter tun ist das Verwischenzu verstehen.
7KAUM IST SIE MIT DEM TRINKEN FERTIG, SO WIRD IHR GESICHT &C. Der Autor dieser Lehre ist wohl R. Šimo͑n, welcher sagt, zuerst bringe er ihr Speisopfer dar und nachher lasse er sie trinken, da bevor ihr Speisopfer dargebracht worden ist, das Wasser sie nicht prüft, denn es heißt: ein Speisopfer der Erinnerung, eine Erinnerung der Sünde.
8Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: hat sie ein Verdienst, so hält es [die Wirkung] zurück; dies vertritt ja die Ansicht der Rabbanan, denn R. Šimo͑n sagt, das Verdienst halte [die Wirkung] des Fluchwassers nicht zurück!?
9R. Ḥisda erwiderte: Hier ist die Ansicht R. A͑qibas vertreten, welcher ebenfalls sagt, zuerst bringe er ihr Speisopfer dar und nachher lasse er sie trinken, und hinsichtlich des Verdienstes ist er der Ansicht der Rabbanan.
10MAN LÄSST SIE HINAUSBRINGEN &C. Wohl aus dem Grunde, weil sie sterben könnte, somit darf demnach eine Leiche nicht in das levitische Lagerkommen,
11und [dem widersprechend] wird gelehrt, daß der an einem Toten Verunreinigte in das levitische Lager kommen dürfe, und daß sie dies nicht nur von einem an einem Toten Verunreinigten gesagt haben, sondern auch vom Toten selbst, denn es heißt:und Moše nahm die Gebeine Josephs mit sich, mit sich in sein Gebiet!?
12Abajie erwiderte: Sie könnte Menstruation bekommen. – Demnach schwächt der Schreck? – Freilich, denn es heißt:und die Königin wurde von einem heftigen Schreck befallen, und Rabh erklärte, sie bekam Menstruation. – Wir haben ja aber eine Lehre, daß die Angst das Blut zurückhalte!? – Die Angst hält es zurück, der [plötzliche] Schreck schwächt.
13HAT SIE EIN VERDIENST, SO &C. Wessen Ansicht vertritt unsere Mišna, weder die des Abba Jose b. Ḥanan noch die des R. Elea͑zar b. Jiçḥaq aus Kephar Darom noch die des R. Jišma͑él!?
14Es wird nämlich gelehrt: Wenn sie ein Verdienst hat, so hält es [die Wirkung] drei Monate zurück, bis die Schwangerschaft zu merken ist – so Abba Jose b. Ḥanan. R. Elea͑zar b. Jiçḥaq aus Kephar Darom sagt, neun Monate, denn es heißt:so wird sie ungestraft bleiben und Samen empfangen, und dort heißt es:Samen wird ihm dienen, erzählt wird &c.; wie es dort ein Samen ist, der zu erzählen geeignet ist, ebenso auch hierbei ein Samen, der zu erzählen geeignet ist.
15R. Jišma͑él sagt, zwölf Monate, und obgleich es keinen Beweis dafür gibt, so gibt es eine Andeutung, denn es heißt:darum, o König, lasse dir meinen Rat gefallen und mache deine Sünden gut durch Frömmigkeit und deine Missetaten durch Barmherzigkeit gegen die Armen;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.