Sota — Blatt 21a

1vielleicht wird dein Frieden von Dauer sein, darauf heißt es:all dies erfüllte sich am König Nebukhadneçar, ferner:nach Ablauf von zwölf Monaten. –

2Tatsächlich die des R. Jišma͑él, denn wir finden einen Schriftvers, der [diese Dauer] nennt und verdoppelt. Es heißt:so spricht der Herr: wegen der drei Schandtaten Edoms.

3Wieso sagt er: wenn es auch dafür keinen Beweis gibt, so gibt es eine Andeutung!? – Vielleicht ist es bei Nichtjuden anders, da über sie das Gericht nicht wacht.

4UND MANCHES DREI JAHRE &C. Welches Verdienst, wollte man sagen, das Verdienst der Tora, so ist sie ja, wenn sie sich damit befaßt, dazu nicht verpflichtet!? –

5Vielmehr, das Verdienst einer gottgefälligen Handlung. – Gewährt denn eine gottgefällige Handlung einen solchen Schutz!? Es wird nämlich gelehrt: Folgendes trug R. Jose b. Menaḥem vor:Denn eine Leuchte ist das Gebot und das Gesetz das Licht; die Schrift vergleicht das Gebot mit einer Leuchte und das Gesetz mit dem Lichte. Das Gebot mit einer Leuchte, um dir zu sagen, wie die Leuchte nur für die Stunde [leuchtet], ebenso schützt das Gebot nur für die Stunde;

6das Gesetz mit dem Lichte, um dir zu sagen, wie das Licht ewig leuchtet, ebenso schützt das Gesetz ewig. Ferner heißt es:wenn du gehst, wird sie dich geleiten &c. Wenn du gehst, wird sie dich geleiten, auf dieser Welt; wenn du dich legst, wird sie über dich wachen, nach dem Tode; wenn du aufwachst, wird sie dich unterhalten, in der zukünftigen Welt.

7Ein Gleichnis. Wenn ein Mensch in Nacht und Finsternis wandert, so fürchtet er sich vor Dornen, Gruben, Brennesseln, wilden Tieren und Räubern, auch weiß er nicht, welchen Weg er gehe. Gelangt er zu einer Feuerfackel, so ist er vor Dornen, Gruben und Brennesseln gerettet, aber immerhin fürchtet er sich noch vor wilden Tieren und Räubern, auch weiß er nicht, welchen Weg er gehe.

8Ist die Morgenröte aufgegangen, so ist er auch vor wilden Tieren und Räubern gerettet, aber immerhin weiß er nicht, welchen Weg er gehe. Erreicht er einen Scheideweg, so ist er vor allem gerettet.

9Eine andere Erklärung; Eine Sünde löscht [das Verdienst] eines Gebotes aus, nicht aber löscht eine Sünde das der Tora aus, wie es heißt:viele Wasser können nicht die Liebe auslöschen.

10R. Joseph erwiderte: Während man sich mit dem Gebote befaßt, schütztund rettetes, und während man sich damit nicht befaßt, schützt es wohl, rettet aber nicht, die Tora aber schützt und rettet sowohl zur Zeit, in der man sich mit ihr befaßt, als auch zur Zeit, in der man sich mit ihr nicht befaßt.

11Rabba wandte ein: Auch Doég und Aḥitophel befaßten sich ja mit der Tora, weshalb beschütztesie sie nicht!? Vielmehr, sagte Raba, die Tora schützt und rettet zur Zeit, in der man sich mit ihr befaßt, und zur Zeit, in der man sich mit ihr nicht befaßt, schützt sie nur, rettet aber nicht; das Gebot aber schützt nur und rettet nicht, sowohl zur Zeit, in der man sich damit befaßt, als auch zur Zeit, in der man sich damit nicht befaßt.

12Rabina erklärte: Tatsächlich das Verdienst der Tora, wenn du aber einwendest, sie ist ja, wenn sie sich damit befaßt, dazu nicht verpflichtet, [so ist zu erwidern:] zugegeben, daß [die Tora den Frauen] nicht geboten ist, aber sollten sie denn als Belohnung dafür, daß sie ihre Kinder die Schrift und die Mišna lernen lassen und auf ihre Männer warten, bis sie aus dem Lehrhause kommen, nicht [das Verdienst] mit ihnen teilen!? –

13Was ist dies für ein Scheideweg? R. Ḥisda erwiderte: Das ist der Todestag für einen Schriftgelehrten. R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Das ist die Sündenscheu für einen Schriftgelehrten. Mar Zuṭra erwiderte: Das ist der Fall, wenn einem Schriftgelehrten eine Lehre nach der Halakha gelingt.

14Eine andere Auslegung: Eine Sünde löscht [das Verdienst] eines Gebotes aus, nicht aber löscht eine Sünde das der Tora aus. R. Joseph sagte: R. Menaḥem b. R. Jose gab zum folgenden Schriftverse eine Auslegung, wie vom Berge Sinaj, und wenn Doég und Aḥitophel ihn ebenso ausgelegt hätten, würden sie David nicht verfolgt haben, wie es heißt:sie sprechen: Gott hat ihn verlassen &c.

15Sie bezogen sich auf den Schriftvers:es soll nichts Schändliches an dir gesehen werden &c., wußten aber nicht, daß eine Sünde [das Verdienst] eines Gebotes auslösche, nicht aber das der Tora. –

16Was heißt:man würde ihn verachten? U͑la erwiderte: Nicht wie Šimo͑nund sein Bruder A͑zarja, nicht wie R. Joḥananund das Haus des Fürsten,

17sondern wie Hillelund Šebhna. Als R. Dimi kam, erzählte er: Hillel und Šebhna waren Brüder, Hillel befaßte sich mit der Tora und Šebhna trieb Handel. Einst sprach er zu ihm: Wollen wir Gemeinschaft machen und teilen. Da ertönte eine Hallstimme und sprach: Wenn einer allen Reichtum seines Hauses hingeben wollte &c.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.