Sota — Blatt 32b
1UND ÜBERNACHTETEN AUF IHREM PLATZE.
2GEMARA. Woher dies vom Abschnitte der Ehebruchsverdächtigten? – Es heißt:der Priester spreche zum Weibe, in jeder Sprache, die er spricht.
3Die Rabbanan lehrten: Man erkläre ihr in irgend einer Sprache, die sie versteht, weshalb sie trinken muß, woraus sie trinken muß, wodurch sie sich verunreinigt hat und wieso sie sich verunreinigt hat.
4Weshalb sie trinken muß: wegen der Verwarnung und des Sichverbergens; woraus sie trinken muß: aus einem irdenen Becher;
5wodurch sie sich verunreinigt hat: durch Scherz und Kinderei; wieso sie sich verunreinigt hat: ob fahrlässig oder vorsätzlich, ob gezwungen oder willig. – Weshalb dies alles? – Um nicht das Fluchwasser in Verdacht zu bringen.
6DAS BEKENNTNIS DES ZEHNTEN. Woher dies? – Es heißt:du sollst vor dem Herrn, deinem Gott, sprechen: ich habe das Geheiligte aus dem Hause geräumt, und [durch das Wort] sprechenist von der Ehebruchsverdächtigten zu folgern, daß es ebenfalls in jeder beliebigen Sprache erfolgen dürfe.
7R. Zebid sprach zu Abajje: Soll doch [durch das Wort] sprechen, das bei den Levitengebraucht wird, gefolgert werden: wie bei diesen in der Heiligensprache, ebenso auch hierbei in der Heiligensprache!? –
8Man folgere von [den Worten] anheben und sprechenhinsichtlich [der Worte] anheben und sprechen, nicht aber folgere man von [den Worten] anheben und sprechen hinsichtlich [des Wortes] sprechen allein.
9Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Joḥaj sagte: Ein Mensch spreche sein Lob mit leiser Stimme und seinen Tadel mit lauter Stimme.
10Sein Lob mit leiser Stimme, wie dies beim Bekenntnisse des Zehnten der Fallist; seinen Tadel mit lauter Stimme, wie dies beim Lesen des Erstlingsabschnittes der Fallist. –
11Wieso seinen Tadel mit lauter Stimme, R. Joḥanan sagte ja im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj, daß sie deshalb angeordnet haben, das Gebet leise zu sprechen, um die Sündernicht zu beschämen, denn die Schrift hat auch zwischen einem Sündopfer und einem Brandopfer nicht unterschieden!? –
12Lies nicht: seinen Tadel, sondern: sein Leid. So wird auch gelehrt:Unrein! unrein! rufe er, [der Aussätzige] muß sein Leid dem Publikum kund tun, damit das Publikum für ihn um Erbarmen flehe. Ebenso soll jeder, dem etwas passiert ist, sein Leid dem Publikum kund tun, damit das Publikum für ihn um Erbarmen flehe.
13Der Text. R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Man ordnete deshalb an, das Gebet leise zu sprechen, um die Sünder nicht zu beschämen, denn die Schrift hat auch zwischen einem Sündopfer und einem Brandopfer nicht unterschieden.
14Etwa nicht, [ein Unterschied] erfolgt ja beim Blut[sprengen]: das Blut des Sündopfers wird obenund das Blut des Brandopfers wird unten[gesprengt]!? – Da weiß es nur der Priester. –
15Es gibt ja noch folgenden: als Sündopfer wird ein Weibchen und als Brandopfer wird ein Männchen dargebracht!? – Siewerden mit dem Fettschwanz bedeckt. –
16Allerdings bei einem Lamme, wieso aber bei einer Ziege!? – Er selber ist es, der sich beschämt; er könnte ein Lamm darbringen, und bringt eine Ziege dar. –
17Wie ist es aber hinsichtlich des Sündopfers wegen Götzendienstes zu erklären, als welches er nichts anderes als eine Ziege darbringen kann!? – In diesem Falle soll er auch beschämt werden, damit ihm vergeben werde.
18DAS ŠEMA͑. Woher dies? – Es heißt:höre Jisraél, in jeder Sprache, die du verstehst.
19Die Rabbanan lehrten: Das Šema͑lesen hat in der Urschrift[zu erfolgen] – so Rabbi; die Weisen sagen, in jeder Sprache.
20Was ist der Grund Rabbis? – Die Schrift sagt:sie sollen sein, sie müssen bei ihrem Sein verbleiben. –
21Und der der Rabbanan? – Die Schrift sagt: höre, in jeder Sprache, die du verstehst. –
22Und die Rabbanan, es heißt ja auch: sie sollen sein!? – Dies besagt, daß man es nicht rückwärts lese. –
23Woher entnimmt Rabbi, daß man es nicht rückwärts lese? – Er folgert es aus diese Worte. – Und die Rabbanan!? – Sie folgern nichts aus diese Worte. –
24Und Rabbi, es heißt ja auch höre!? – Dies besagt, daß man seine Ohren hören lasse, was der Mund spricht. – Und die Rabbanan!? – Sie sind der Ansicht desjenigen, welcher sagt, daß, wenn man das Šema gelesen und es seine Ohren nicht hat hören lassen, man seiner Pflicht genügt habe. –
25Es wäre anzunehmen, daß Rabbi der Ansicht ist,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.