Sota — Blatt 33a

1die ganze Tora dürfe in jeder Sprache vorgetragenwerden, denn, wenn man sagen wollte, nur in der Heiligensprache, so brauchte ja der Allbarmherzige [das Wort] sein nicht geschrieben zu haben. –

2Dieses ist nötig, da es höre heißt. –

3Es wäre anzunehmen, daß die Rabbanan der Ansicht sind, die ganze Tora dürfe nur in der Heiligensprache vorgetragen werden, denn, wenn man sagen wollte, in jeder Sprache, so brauchte ja der Allbarmherzige [das Wort] höre nicht geschrieben zu haben. –

4Dieses ist nötig, da es sie sollen sein heißt.

5DAS GEBET. Es ist nur ein Flehen, und man tue es in jeder beliebigen Sprache. –

6Darf das Gebet denn in jeder Sprache verrichtet werden, R. Jehuda sagte ja, daß man seine Wünsche nicht in aramäischer Sprache vortrage, denn R. Joḥanan sagte, daß, wenn man seine Wünsche in aramäischer Sprache vorträgt, die Dienstengelihm nicht zur Verfügung stehen, weil die Dienstengel die aramäische Sprache nicht verstehen!? –

7Das ist kein Einwand; das eine gilt von einem einzelnen und das andere von einer Gemeinschaft. –

8Verstehen denn die Dienstengel nicht die aramäische Sprache, es wird ja gelehrt: Joḥanan der Hochpriester hörte eine Hallstimme aus dem Allerheiligsten ertönen: Gesiegt haben die Jünglinge, die nach Antiochien in den Krieg gezogen sind. Ferner hörte einst Šimo͑n der Gerechte folgende Hallstimme aus dem Allerheiligsten ertönen: Aufgehoben worden ist die Götzenanbetung, die der Feind in den Tempel bringen wollte. Damals wurde Caius Caligulaerschlagen und seine Verordnungen wurden aufgehoben. Sie schrieben die Stunde auf, und es stimmte genau. Dies wurde in aramäischer Sprache gesprochen!? –

9Wenn du willst, sage ich, bei einer Hallstimme sei es anders, da man sie verstehensoll; wenn du aber willst, sage ich, es sei Gabriél gewesen, denn der Meister sagte: Gabriél kam und lehrte ihndie siebzig Sprachen.

10DER TISCHSEGEN. Denn es heißt:du wirst essen und satt sein, und sollst den Herrn, deinen Gott, preisen; in jeder Sprache, in der du preisest.

11DER ZEUGNISEID. Denn es heißt:wenn jemand gesündigt, indem er die Stimme einer Beeidigung gehört hat; in jeder Sprache, die er gehört hat.

12DER DEPOSITENEID. Dies ist durch [das Wort] vergehenvom Zeugniseide zu folgern.

13FOLGENDES MUSS IN DER HEILIGENSPRACHE GESPROCHEN WERDEN: DER ERSTLINGSABSCHNITT, DIE ḤALIÇA &C BIS: DER ABSCHNITT DER ERSTLINGE, [DENN ES HEISST:] du sollst anheben und vor dem Herrn, deinem Gott, sprechen, UND DORT HEISST ES: die Leviten sollen anheben und zum ganzen Volke Jisraél sprechen; WIE DORT DAS ANHEBEN IN DER HEILIGENSPRACHE ERFOLGT IST, EBENSO AUCH HIERBEI IN DER HEILIGENSPRACHE.

14Woher dies von den Leviten selbst? – Dies ist aus [dem Worte] Stimme zu folgern, das auch bei Moše gebraucht wird; hierbei heißt es:mit lauter Stimme, und dort heißtes: Moše redete und Gott antwortete ihm mit der Stimme; wie dort in der Heiligensprache, ebenso auch hierbei in der Heiligensprache.

15DIE ḤALIÇA, [DENN ES HEISST:] &C. Wofür verwenden die Rabbanan [das Wort] also? – Hieraus entnehmen sie, daß jede der Handlungen unerläßlich sei. –

16Und R. Jehuda!? – [Er folgert es] aus so, also. – Und die Rabbanan!? – Ihnen leuchtet [die Auslegung von] so, also nicht ein. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.