Sota — Blatt 35a
1und gingen und kamen. R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Er vergleicht das Gehen mit dem Kommen; wie das Kommen mit bösem Ratschlage erfolgt war, ebenso war auch das Gehen mit bösem Ratschlage erfolgt.
2Sie erzählten ihm und sprachen: Wir kamen &c. Ferner heißt es: nur ist das Volk stark. R. Joḥanan sagte im Namen R. Meírs: Eine Verleumdung, der nicht eine Wahrheit zugrunde liegt, bleibt nicht für die Dauer bestehen.
3Kaleb beschwichtigte das Volk gegen Moše. Rabba sagte: Er verleitetesie durch Worte.
4Als nämlich Jehošua͑ zu sprechen angefangen hatte, riefen sie: Auch dieser Kastratenhäuptlingwill reden!?
5Da dachte er: Wenn ich sie zurechtweise, antworten sie mir ebenso und bringen mich zum Schweigen. Daher sprach er: Hat uns der Sohn A͑mrams etwa nur dies angetan!? Sie glaubten dann, er wolle zu seiner Beschimpfung sprechen, und schwiegen.
6Hierauf sprach er zu ihnen: Er führte uns aus Miçrajim, spaltete uns das Meer und speiste uns mit dem Manna. Sollten wir etwa auf ihn nicht hören, selbst wenn er zu uns sagen würde, daß wir Leitern machen und in den Himmel steigen!?Wir wollen hinaufziehen und es erobern &c.
7Aber die Männer, die mit ihm hinaufgezogen waren, sprachen: Wir können nicht &c. R. Ḥanina b. Papa sagte: Ein starkes Wort sprachen die Kundschafter in jener Stunde:er ist stärker als wir, und man lese nicht als wir, sondern als er; selbst der Hausherr kann, als ob dies denkbar wäre, seine Geräte von dort nicht holen.
8Es ist ein Land, das seine Bewohner verzehrt. Raba trug vor: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Ich habe Gutes beabsichtigt, sie aber legten es zum Bösen aus. Ich habe Gutes beabsichtigt, denn wo sie hinkamen, starb das Oberhaupt, damit jene in der Verwirrung nicht nach ihnenfragen. Manche sagen: Ijob starb dann und alle Welt war mit der Trauer beschäftigt. Sie aber legten es zum Bösen aus: es ist ein Land, das seine Bewohner verzehrt.
9Und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken und so waren wir &c. R. Mešaršeja sagte: Die Kundschafter waren Lügner. Allerdings konnten sie in ihren eigenen Augen wie Heuschrecken sein, wieso aber wußten sie, daß sie es in den Augen jener waren!?
10Dies ist aber nichts. Jene hielten ein Trauermahl unter den Zedern ab, und als diese sie sahen, kletterten sie auf die Bäume und ließen sich da nieder. Da hörten sie, wie jene sagten: Auf den Bäumen sind Menschen wie Heuschrecken zu sehen.
11Da erhob die ganze Gemeinde ein lautes Geschrei und jammerte. Rabba sagte im Namen R. Joḥanans: Es war der Neunte Ab, und der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Sie haben ohne Anlaß gejammert, ich aber werde ihn ihnen zum dauernden Jammer[tage] machen.
12Und die ganze Gemeinde dachte daran, sie mit Steinen zu bewerfen, und hierauf folgt: und die Herrlichkeit des Herrn erschien im Offenbarungszelte. R. Ḥija b. Abba sagte: Dies lehrt, daß sie Steine nahmen und sie nach dem Höchsten warfen.
13Und es starben die Männer, die üble Nachrede über das Land ausgebracht hatten, durch die Plage. R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Sie starben eines unnatürlichen Todes. R. Ḥanina b. Papa sagte: R. Šila aus Kephar Temarta trug vor, dieslehre, daß ihre Zunge sich dehnte und ihnen über den Nabel hing, und Würmer krochen ihnen aus der Zunge in den Nabel und aus dem Nabel in die Zunge. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Sie starben an der Bräune.
14Als der letzte der Jisraéliten aus dem Jarden gestiegen war, kehrte das Wasser an seinen Platz zurück, wie es heißt:und als die Priester, die die Bundeslade des Herrn trugen, aus dem Jarden heraufkamen and die Fußballen der Priester auf das Trockene entrückt waren, da kehrte das Wasser an seinen Platz zurück und floß wie gestern und vorgestern über all seine Ufer.
15Es ergibt sich somit, daß die Lade mit ihren Trägern und die Priester auf der einen Seite und die Jisraéliten auf der anderen Seitesich befanden. Die Lade trug ihre Träger und zoghinüber, wie es heißt:und als das ganze Volk vollends hinübergezogen war, da zog die Lade des Herrn und die Priester vor dem Volke.
16Dieserhalb wurde U͑za bestraft, denn es heißt:und als sie zur Tenne Kidon kamen, da streckte U͑za seine Hand aus, um die Lade Gottes zu erfassen. Der Heilige gepriesen sei er, sprach zu ihm: U͑za, sie hat ihre Träger getragen, um wieviel mehr sich selbst.
17Und der Zorn des Herrn entbrannte gegen U͑za und er schlug ihn daselbst um das Vergehen &c. R. Joḥanan und R. Elie͑zer [streiten hierüber]; einer erklärt, wegen des Vergehens, und einer erklärt, weil er ein Bedürfnisin ihrer Gegenwart verrichtet hatte.
18Und er starb daselbst neben der Lade Gottes. R. Joḥanan sagte: U͑za kam in die zukünftige Welt, denn es heißt: neben der Lade Gottes; wie die Lade ewig besteht, so kam auch U͑za in die zukünftige Welt.
19Und David erglühte wegen des Risses, den der Herr an U͑za gerissen hat. R. Elea͑zar sagte: Sein Gesicht veränderte sich und glich einem Kohlenkuchen. –
20Demnach ist überall, wo es erglühen heißt, ebenso zu verstehen!? – Sonst heißt es auch Zorn, hierbei aber heißt es nicht Zorn.
21Raba trug vor: David wurde deshalb bestraft, weil er die Worte der Tora Gesänge nannte, wie es heißt:Gesänge sind mir deine Satzungen im Hause meiner Pilgerschaft.
22Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu ihm: Von den Worten der Tora heißt es:laß deine Augen darüber hinfliegen, und es ist nicht mehr da, und du nennst sie Gesänge!? Ich will dich bei einer Sache straucheln lassen, die sogar Schulkinder wissen. Es heißt:aber den Söhnen Qehaths gab er nichts, denn der Dienst des Heiligtums &c., er aber ließ [die Lade] auf einem Wagen bringen.
23Und er schlug die Leute von Beth-Šemeš, weil sie die Lade besahen. Sollte sie Gott deshalb geschlagen haben, weil sie sie besahen!? R. Abahu und R. Elea͑zar [erklärten es]; einer erklärt, sie mähtenund warfen sich nieder, und einer erklärt, sie gebrauchten auch [despektierliche] Worte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.