Sota — Blatt 40a

1Was spricht es beim Schlußgebete am Versöhnungstage? Mar Zuṭra erwiderte, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt :Siehe, also ist der Mann gesegnet, der den Herrn fürchtet. Es segne dich der Herr von Çijon aus; schaue das Glück Jerušalems all deine Lebenstage, und siehe Kinder von deinen Kindern. Friede über Jisraél. –

2Wo spricht man diese [Verse]? R. Joseph erwiderte: Zwischen dem einen Segen und dem anderen. R. Šešeth erwiderte: Bei der Nennungdes Gottesnamens.

3Hierüber streiten R. Mari und R. Zebid; einer sagt, einen Verszu einem Verse, und einer sagt, sie sind alle zu jedem Verse zu sprechen.

4R. Ḥija b. Abba sagte: Wer sie in der Provinz spricht, befindet sich in einem Irrtum. R. Ḥanina b. Papa sagte: Es ist einleuchtend, daß man sie auch im Tempel nicht spreche; gibt es denn einen Diener, den man segnet und er darauf nicht hinhört!?

5R. Aḥa b. Ḥanina sagte: Es ist einleuchtend, daß man sie auch in der Provinz spreche; gibt es denn einen Diener, den man segnet und er dazu kein anerkennendes Gesicht macht!? R. Abahu sagte: Früher sprach ich sie, seitdem ich aber gesehen habe, daß R. Abba aus A͑kko sie nicht spricht, spreche ich sie ebenfalls nicht.

6Ferner sagte R. Abahu: Früher glaubte ich, ich sei demütig, als ich aber sah, wie R. Abba aus A͑kko eine Meinung sagte und sein Dolmetsch eine andere Meinung sagte und er es ihm nicht übel nahm, fand ich, daß ich nicht demütig bin. –

7Wie weit reichte die Demut R. Abahus? – Einst sagte die Frau des Dolmetschers R. Abahus zur Frau R. Abahus: Meiner braucht deinen nicht, und wenn er sich nach ihm bücktund sich aufrichtet, so will er ihm damit nur Ehrungerweisen. Hierauf ging seine Frau und erzählte es R. Abahu. Da sprach er zu ihr: Was liegt dir daran; durch mich und ihn wird der Allerhöchste verherrlicht.

8Einst beschlossen ferner die Rabbanan, R. Abahu als Oberhaupt einzusetzen; als er aber erfuhr, daß R. Abba aus A͑kko von Gläubigern bedrängt werde, sprach er zu ihnen: Es gibt einen Bedeutenderen.

9Einst kamen R. Abahu und R. Ḥija b. Abba in eine Ortschaft, wo R. Abahu Agada und R. Ḥija b. Abba Halakha vortrug, und alle Welt ließ R. Ḥija b. Abba unbeachtet und ging zu R. Abahu, worüber jener sich grämte. Da sprach er zu ihm: Ich will dir ein Gleichnis sagen, womit dies zu vergleichen ist; wenn von zwei Menschen einer Edelsteine und einer allerlei Nähgeräte verkauft, so hat doch wohl derjenige mehr Zulauf, der allerlei Nähgeräteverkauft.

10Jeden Tag pflegte R. Ḥija b. Abba den R. Abahu bis zu seinem Gasthause zu begleiten, wegen seines Ansehens bei der Regierung, an jenem Tage aber begleitete R. Abahu den R. Ḥija b. Abba bis zu seinem Gasthause, dennoch beruhigte ihn dies nicht.

11Was spricht das Publikum, während der Vorbeter [den Segen] ‘Wir danken’ spricht? Rabh sagte: Wir danken dir, o Herr, unser Gott, dafür, daß wir dir danken. Šemuél sagte: Gott allen Fleisches, dafür, daß wir dir danken. R. Simaj sagte: Unser Schöpfer, Schöpfer der Schöpfung, dafür, daß wir dir danken. Die Nehardee͑nser sagten im Namen R. Simajs: Preis und Dank deinem großen Namen, daß du uns hast leben und bestehen lassen, daß wir dir danken können. R. Aḥa b. Ja͑qob beendete noch wie folgt: So erhalte uns am Leben, sei uns gnädig, vereinige uns und sammle unsere Vertriebenen in die Höfe deines Heiligtums, damit wir deine Gesetze beobachten und deinen Willen mit ganzem Herzen ausführen; daß wir dir danken.

12R. Papa sagte: Daher spreche man sie alle.

13R. Jiçḥaq sagte: Stets sei die Ehrfurcht vor der Gemeinde über dir, denn die Priester wenden das Gesicht gegen das Publikum und den Rücken gegen die Göttlichkeit.

14R. Naḥman entnimmt dies hieraus:Da erhob sichder König David (auf seine Füße) und sprach: Hört mich an, meine Brüder und mein Volk. – Wenn meine ‘Brüder’, wozu ‘mein Volk’, und wenn ‘mein Volk’, wozu ‘meine Brüder’? R. Elea͑zar erwiderte: David sprach zu den Jisraéliten: wenn ihr mich anhört, so seid ihr meine Brüder, wenn aber nicht, so seid ihr mein Volk, und ich lenke euch mit dem Stocke. –

15Die Rabbanan entnehmen dies hieraus: Die Priester dürfen die Estrade nicht mit den Sandalen betreten. Dies ist eine von den neun Anordnungen, die R. Joḥanan b. Zakkaj getroffen hat. Doch wohl wegen der Ehrung der Gemeinde. R. Aši erwiderte: Nein, weil einem ein Riemen an der Sandale aufgehen und er umkehren könnte, um ihn zu verknoten; man würde dann sagen, er sei der Sohn einer Geschiedenen oder einer Ḥaluça.

16IM TEMPEL, ABER IN EINEM VERSE &C.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.