Sota — Blatt 44a
1Ein Toter erfaßt vier Ellen hinsichtlich der Unreinheit. Und ein Tanna lehrt dasselbe: Wenn jemand sich im Vorraume eines [Familien]grabesbefindet, so ist errein, jedoch nur dann, wenn er vier Ellen hat – so die Schule Šammajs; die Schule Hillels sagt, vier Handbreiten. Dies nur in dem Falle, wenn der Eingang sich oben befindet, wenn aber an der Seite, so sind alle der Ansicht, daß es vier Ellen sein müssen. –
2Wohin dies, im Gegenteil, wenn an der Seite, so kann er kletterndhinausgehen, wenn aber oben, so ist ja die Bezeltung unvermeidlich!? – Vielmehr, dies gilt nur von dem Falle, wenn die Öffnung sich an der Seite befindet, wenn aber oben, so sind vier Ellen erforderlich. Dies gilt also nur von einem Gräbervorhofe, wo [das Grab] abgegrenzt ist, sonst ein Toter aber erfaßt wohl.
3Jeder Mann, der sich eine Frau verlobt hat &c. Die Rabbanan lehrten: Der sich verlobt hat; einerlei ob er sich eine Jungfrau oder eine Witwe verlobt hat, oder auch nur die Anwärterin der Schwagerehe; und selbst wenn von fünf Brüdern einer im Kriege gefallen ist, kehren alle um. Nicht heimgeführt, sienicht heimgeführt, ausgenommen der Fall, wenn der Hochpriester eine Witwe, ein gemeiner Priester eine Geschiedene oder eine Ḥaluça, ein Jisraélit ein Hurenkind oder eine Nethina, und ein Hurenkind oder ein Nathin eine Jisraélitin [geheiratet hat]. –
4Es wäre anzunehmen, daß hier nicht die Ansicht R. Jose des Galiläers vertreten ist, denn R. Jose der Galiläer sagt, unterder furchtsam und zaghaften Herzens ist sei der zu verstehen, der sich vor seinen Sünden fürchtet? –
5Du kannst auch sagen, R. Jose des Galiläers, und zwar nach Rabba, denn Rabba sagte, er sei nicht eher schuldig, als bis er sie beschlafen hat. Die Heirat ist deshalb verboten, damit man [die Nachkommen] nicht entweihe, somit erhält er Geißelhiebe nur dann, wenn er sie beschlafen hat.
6Die Rabbanan lehrten: Der gebaut hat, der gepflanzt hat, der verlobt hat. Die Tora lehrt damit eine Lebensregel, daß ein Mensch zuerst ein Haus baue, einen Weinberg pflanze und erst dann eine Frau nehme. Auch Šelomo sagte in seiner Weisheit:verrichte dein Werk draußen, bestelle es auf deinem Felde, darnach baue dein Haus. Verrichte dein Werk draußen, das ist das Wohnhaus; bestelle es auf deinem Felde, das ist der Weinberg; darnach baue dein Haus, das ist die Frau.
7Eine andere Auslegung: Verrichte dein Werk draußen, das ist die Schrift; bestelle es auf deinem Felde, das ist die Mišna; darnach baue dein Haus, das ist der Talmud. Eine andere Auslegung; Verrichte dein Werk draußen, das ist die Schrift und die Mišna; bestelle es auf deinem Felde, das ist der Talmud; darnach baue dein Haus, das sind die guten Werke. R. Eliézer, Sohn R. Jose des Galiläers, erklärte: Verrichte dein Werk draußen, das ist die Schrift, die Mišna und der Talmud; bestelle es auf deinem Felde, das sind die guten Werke; darnach baue dein Haus, forscheund erhalte den Lohn.
8FOLGENDEI KEHREN NICHT UM: WER EIN TORHÄUSCHEN &C. GEBAUT. Es wird gelehrt: Wenn er nur eine Schichthinzugefügt hat, kehre er um. R. ELIÉZER SAGT, AUCH WER EIN HAUS AUS ZIEGELSTEINEN IN ŠARON GEBAUT HAT, KEHRE NICHT UM. Es wird gelehrt: Weil man da ein solches zweimal im Septennium umbauen muß.
9FOLGENDE VERLASSEN IHREN PLATZ ÜBERHAUPT NICHT: WER EIN NEUES HAUS GEBAUT UND ES EINGEWEIHT &C. Die Rabbanan lehrten:Eine neue Frau; ich weiß dies nur von einer neuen Frau, woher dies von einer Witwe und einer Geschiedenen? Es heißt Frau, in jedem Falle. Weshalb heißt es demnach neue Frau? Nur wenn sie für ihn neu ist, ausgenommen derjenige, der seine Geschiedene wieder nimmt, die für ihn nicht neu ist.
10Die Rabbanan lehrten :Er ziehe nicht mit dem Heere aus; man könnte glauben, nur mit dem Heere ziehe er nicht aus, wohl aber müsse er Wasser und Proviant liefern und die Straßen bauen, so heißt es:und irgend eine Leistung soll ihm nicht obliegen. Man könnte glauben, daß auch der einbegriffen sei, der ein Haus gebaut und es nicht eingeweiht, einen Weinberg gepflanzt und ihn nicht ausgeweiht oder eine Frau verlobt und sie nicht geheiratet hat, so heißt es: ihm, ihm obliegt nichts, wohl aber anderen. – Wenn es schon heißt: nicht obliegen, wozu heißt es: er ziehe nicht mit dem Heere aus!? – Daß er dieserhalb zwei Verbote begehe.
11Die Beamten sollen fortfahren und zum Volke reden &c. R. A͑QIBA ERKLÄRTE:Der furchtsam und zaghaften Herzens ist, DEM WORTLAUTE GEMÄSS, DER NICHT IN DEN SCHLACHTREIHEN STEHEN UND EIN GEZÜCKTES SCHWERT SEHEN KANN. R. JOSE DER GALILÄER ERKLÄRTE : Der furchtsam und zaghaften Herzens ist, DER SICH VOR SEINEN SÜNDEN FÜRCHTET; DIE TORA HAT IHM DAMITEINEN VORWAND GEGEBEN, UMKEHREN ZU KÖNNEN.
12R. JOSE SAGTE : WENN EIN HOCHPRIESTER EINE WITWE, EIN GEMEINER PRIESTER EINE GESCHIEDENE ODER EINE HALUÇA, EIN JISRAÉLIT EIN HURENKIND ODER EINE NETHINA, ODER EIN HURENKIND ODER EIN NETHIN EINE JISRAÉLITIN [GEHEIRATET HAT,] SO HEISSTDIES : der furchtsam und zaghaften Herzens ist.
13Und wenn die Beamten fertig sind mit ihrer Ansprache an das Volk, so sollen die Truppenführer Musterung halten an der Spitze des Volkes. AM NACHTRABE DES VOLKES STELLT MAN VORN UND HINTEN TAPFERE LEUTE AUF MIT EISERNEN ÄXTEN IN IHREN HÄNDEN, UND WENN JEMAND UMKEHRENWILL, SO HABEN SIE DAS RECHT, IHM DIE SCHENKEL ZU ZERSCHLAGEN,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.