Sota — Blatt 44b

1DENN DIE NIEDERLAGE IST DER BEGINN DER FLUCHT, WIE ES HEISST:Jisraél ist vor den Pelištim geflohen, und auch eine große Niederlage traf das Volk; FERNER HEISST ES:und die Männer Jisraéls flohen vor den Pelištim und Erschlagene fielen &

2c. DIES GILT NUR VON FREIWILLIGEN KRIEGEN, BEI KRIEGEN DES GEBOTES ABER MÜSSEN ALLE AUSZIEHEN, SELBST DER BRÄUTIGAM AUS SEINEM GEMACHE UND DIE BRAUT AUS IHREM BALDACHIN. R. JEHUDA SAGTE: DIES GILT NUR VON DEN KRIEGEN DES GEBOTES, BEI KRIEGEN DER PFLICHT ABER MÜSSEN ALLE AUSZIEHEN, SELBST DER BRÄUTIGAM AUS SEINEM GEMACHE UND DIE BRAUT AUS IHREM BALDACHIN.

3GEMARA. Welchen Unterschied gibt es zwischen R. Jose und R. Jose dem Galiläer? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen bei einer rabbanitischenÜbertretung.

4Die Lehre, daß, wenn jemand zwischen [dem Anlegen] der einen Tephilla und der anderen gesprochenhat, dies eine Sünde sei und er dieserhalb vom Kriegsplatze umkehre, vertritt somit die Ansicht R. Jose des Galiläers. –

5Es wäre anzunehmen, daß die Lehre der Rabbanan, daß, wenn er den Schall der Blashörner hört und erbebt, das Geklirr der Schilde und erbebt, das Blinken der Schwerter und [aus Angst] ihm das Wasser über die Schenkel rinnt, er umkehre, die Ansicht R. A͑qibas vertritt und nicht R. Josedes Galiläers? – In einem solchen Falle pflichtet auch R. Jose der Galiläer bei, denn es heißt :damit er nicht das Herz seiner Brüder so schmelzen mache wie sein Herz.

6Wenn die Beamten fertig sind &c. Wieso heißt es: denn die Niederlage ist der Beginn der Flucht, es sollte ja heißen: denn die Flucht ist der Beginn der Niederlage!? –

7Lies: denn die Flacht ist der Beginn der Niederlage. DIES GILT NUR VON DEN FREIWILLIGEN KRIEGEN &C. R. Joḥanan sagte: Die nach den Rabbanan freiwilligen entsprechen den nach R. Jehuda gebotenen, und die nach den Rabbanan gebotenen entsprechen den nach R. Jehuda pflichtigen.

8Raba sagte: Die Eroberungskriege Jehošua ͑s sind nach aller Ansicht pflichtige, die Erweiterungskriege des Davidischen Hauses sind nach aller Ansicht freiwillige, sie streiten nur über die [Kriege] gegen die Nichtjuden, damit sie sie nicht überfallen; einer nennt sie gebotene und einer nennt sie freiwillige. Dies ist insofern von Bedeutung, da, wer sich mit einem Gebote befaßt, von einem anderen Gebote befreit ist.

9DER ABSCHNITT VOM] GENICKBROCHENEN KALBE IN DER HEILIGENSPRACHE, DENN ES HEISST:wenn ein Erschlagener gefunden wird auf der Erde &c., so sollen deine Ältesten und deine Richter hinausgehen. Es GEHEN DREI VOM HOHEN GERICHTE IN JERUŠALEM HINAUS; R. JEHUDA SAGT, FÜNF, DENN ES HEISST: deine Ältesten, ZWEI, und deine Richter, ZWEI, UND DA DAS GERICHT NICHT AUS EINER GERADEN ZAHL [ZUSAMMENGESETZT] SEIN DARF, SO KOMMT NOCH EINER HINZU.

10WIRD ER IN EINEM STEINHAUFEN VERSTECKT, AN EINEM BAUME HÄNGEND ODER AUF DEM WASSER SCHWIMMEND GEFUNDEN, SO ERFOLGT DAS GENICKBRECHEN NICHT, DENN ES HEISST: auf der Erde, NICHT ABER IN EINEM STEINHAUFEN VERSTECKT; liegend, NICHT ABER AN EINEM BAUME HANGEND; auf dem Felde. NICHT ABER IM WASSER SCHWIMMEND.

11WIRD ER NAHE DER GRENZE, NEBEN EINER STADT, DEREN MEISTE [EINWOHNER] NICHTJUDEN SIND, ODER NEBEN EINER STADT, IN DER KEIN GERICHT VORHANDEN IST, GEFUNDEN, SO ERFOLGT DAS GENICKBRECHEN NICHT. MAN MESSE NUR NACH EINER STADT, IN DER EIN GERICHT VORHANDEN IST.

12GEMARA. Wie meint er es? R. Abahu erwiderte: Er meint es wie folgt: hierbei heißt es: sie sollen anheben und sprechen, und dort heißt es: die Priester sollen anheben &c.; wie dort das Anheben in der Heiligensprache erfolgt ist, ebenso auch hierbei in der Heiligensprache.

13Und dies ist die Reihenfolge beim genickbrochenen Kalbe: wenn ein Erschlagener gefunden wird auf der Erde, so sollen deine Ältesten und deine Richter hinausgehen. ES GEHEN DREI VOM HOHEN GERICHTE IN JERUŠALEM HINAUS; R. JEHUDA SAGT, FÜNF &C.

14Die Rabbanan lehrten: So sollen deine Ältesten und deine Richter hinausgehen. Deine Ältesten, zwei, und deine Richter, zwei, und da das Gericht nicht aus einer geraden Zahl [zusammengesetzt] sein darf, so kommt noch einer hinzu, das sind somit fünf – so R. Jehuda. R. Šimo͑n sagte: Deine Ältesten, zwei, und da das Gericht nicht aus einer geraden Zahl [zusammengesetzt] sein darf, so kommt noch einer hinzu, das sind somit drei. –

15Und R. Šimo͑n, es heißt ja und deine Richter!? – Dies deutet darauf, daß sie von den auserwählten der Richter sein müssen. – Und R. Jehuda!? – Dies geht aus [dem Worte] deine Ältesten hervor. –

16Und R. Šimo͑n!?.– Wenn der Allbarmherzige die Ältesten geschrieben hätte, könnte man glauben, auch Alte von der Straße, daher schrieb er: deine Ältesten. Und würde der Allbarmherzige nur deine Ältesten geschrieben haben, so könnte man glauben, auch vom kleinen Synedrium, daher schrieb er deine Richter, von den auserwählten deiner Richter. –

17Und R. Jehuda!? – Er folgert dies aus [dem Worte] Ältesten, das auch bei den Ältesten der Gemeindegebraucht wird; wie da von den auserwählten der Gemeinde, ebenso auch hierbei von den auserwählten der Gemeinde. –

18Wenn er hiervon folgert, so sollte er doch allesfolgern, wozu heißt es deine Ältesten und deine Richter!? – Vielmehr, deine Ältesten und deine Richter, diesdeutet auf die Anzahl. – Und R. Šimo͑n!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.