Sota — Blatt 45a

1Die Auslegung des und leuchtet ihm nicht ein; der Allbarmherzige sagt damit nur, daß sie von den auserwählten der Richter sein müssen. – Es heißt ja aber auch: es sollen hinausgehen, zwei, es sollen messen, zwei, demnach müßten es nach R. Jehuda neun und nach R. Šimo͑n sieben sein!? –

2Dies deutet auf folgende Lehre: Es sollen hinausgehen, sie selbst und nicht ihre Vertreter; und sollen messen, selbst wenn [der Erschlagene] direkt an derStadt gefunden wird, muß gemessen werden, denn es ist Gebot, sich mit dem Messen zu befassen.

3Unsere Mišna vertritt nicht die Ansicht des R. Elie͑zer b. Ja͑qob, denn es wird gelehrt: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: deine Ältesten, das ist das Synedrium; deine Richter, das sind der König und der Hochpriester. Der König, denn es heißt:ein König erhält das Land durch Recht, der Hochpriester, denn es heißt:du sollst zu den Priestern, den Leviten kommen,dem Richter, der sein wird &c. –

4Sie fragten: Streitet R. Elie͑zer b. Ja͑qob nur hinsichtlich des Königs und des Priesters, hinsichtlich des Synedriums aber ist er der Ansicht R. Jehudas oder der Ansicht R. Šimo͑ns, oder aber streitet er auch hinsichtlich des Synedriums, daß nämlich das ganze Synedrium anwesend sein müsse?

5R. Joseph erwiderte: Komm und höre: Man könnte glauben, daß, wenn der sich widersetzende Gelehrtesiein Beth Phage trifft und sich ihnen widersetzt, dies als Widersetzlichkeit gelte, so heißt es:du sollst dich aufmachen und nach der Stätte gehen; dies lehrt, daß die StätteBedingung sei.

6Wieviel sollen hinausgegangen sein: wenn ein Teil, so können ja die anderen, die sich innenbefinden, seiner Ansicht sein, doch wohl, wenn alle hinausgegangen sind.

7Wozu: wenn zu einer freigestellten Handlung, so dürfen sie ja nicht hinausgehen, denn es heißtdein Schoß ein gerundetes Becken, dem der Mischweinnicht fehlt, wenn einer hinausgehen will, so darf er es nur dann, wenn dreiundzwanzig zurückbleiben, entsprechend dem kleinen Synedrium, sonst aber nicht,

8doch wohl zur Ausübung eines Gebotes. Wahrscheinlich zur Messung beim [Genickbrechen des] Kalbes, und zwar nach R. Elie͑zer b. Ja͑qob!? Abajje erwiderte: Nein, vielleicht zur Erweiterung der Stadt oder der Tempelhöfe. Wir haben nämlich gelernt: Man darf die Stadt und die Tempelhöfe nur durch das Gericht von einundsiebzig [Mitgliedern] erweitern.

9Übereinstimmend mit R. Joseph wird gelehrt: Man könnte glauben, daß, wenn er sie in Beth Phage trifft, wenn sie beispielsweise zur Messung beim [Genickbrechen des] Kalbes oder zur Erweiterung der Stadt oder der Tempelhöfe hinausgegangen sind, und sich ihnen widersetzt, dies als Widersetzlichkeit gelte, so heißt es: du sollst dich aufmachen und gehen; dies lehrt, daß die Stätte Bedingung sei.

10WIRD ER IN EINEM STEINHAUFEN VERSTECKT ODER AN EINEM BAUME HANGEND GEFUNDEN. Es wäre anzunehmen, daß unsere Mišna die Ansicht R. Jehudas vertritt und nicht die der Rabbanan, denn es wird gelehrt: Und du eine Garbe auf dem Felde vergissest, ausgenommen die verborgene – so R. Jehuda; die Weisen erklären: auf dem Felde, einbegriffendie verborgene.

11Rabh erwiderte: Du kannst auch sagen, die der Rabbanan, denn hier ist der Zusammenhang des Schriftverses zu berücksichtigen und dort ist der Zusammenhang des Schriftverses zu berücksichtigen.

12Hierbei heißt es: wenn ein Erschlagener gefunden wird, wo er auch gefunden wird, auf der Erde, ausgenommenim Verborgenen. Dort ist der Zusammenhang des Schriftverses zu berücksichtigen, denn es heißt:wenn du deine Ernte auf deinem Felde mähest und eine Garbe auf dem Felde vergissest, das Vergessen gleich dem Mähen, wie das Mähen im Freien erfolgt, ebenso auch das Vergessen im Freien, und wenn der Allbarmherzige noch auf dem Felde schreibt, so schließt dies die verborgene ein. –

13Demnach sollte esauch R. Jehuda durch Vergleichung des Vergessenen mit dem Mähen folgern!? – Dem ist auch so. –

14Wozu heißt es demnach auf dem Felde!? – Dies ist dazu nötig, um das Vergessene des Halmgetreideseinzuschließen. – Woher wissen es die Rabbanan vom Vergessenen des Halmgetreides? – Sie entnehmen es aus [dem Schriftverse:] wenn du deine Ernte auf deinem Felde mähest. –

15Und R. Jehuda!? – Dies ist wegen einer Lehre R. Abahus im Namen R. Elea͑zars nötig, denn R. Abahu sagte im Namen R. Elea͑zars, ausgenommen sei der Fall, wenn seine Garben in das Feld eines anderen hineingeweht worden waren. – Und die Rabbanan!? – Dies geht hervor aus [dem Worte] deinemFelde. – Und R. Jehuda!? – Ihm leuchtet [die Folgerung aus] deinem Felde nicht ein.

16R. Jirmeja fragte: Wie ist es, wenn auf seinem Felde Garben sich in der Schwebebefinden: gleicht der Luftraum des Feldes dem Felde, oder gleicht er ihm nicht?

17R. Kahana sprach zu R. Papi, und wie manche sagen, R. Kahana zu R. Zebid: Dies ist aus der Lehre R. Abahus im Namen R. Elea͑zars zu entscheiden: ausgenommen sei der Fall, wenn seine Garben in das Feld eines anderen hineingeweht worden waren; nur wenn in das Feld eines anderen, nicht aber, wenn in sein eigenes Feld. –

18Nach deiner Auffassung wäre zu folgern: auch auf dem Felde eines anderen nur dann, wenn sie sich schwebend befinden, nicht aber, wenn sie [am Boden] liegen, und dagegen heißt es ja: auf deinem Felde, nicht aber im Felde eines anderen!?

19Vielmehr: in das Feld eines anderen, selbst wenn sie [am Boden] liegen, nur gebraucht er deshalb [den Ausdruck] ‘hineingeweht’, weil es nur auf diese Weise Vorkommen kann. –

20Komm und höre: Wenn er eine Garbe angefaßt hat, um sie in die Stadt zu bringen, und sie auf eine andere gelegt und vergessen hat, so ist die untere Vergessenes und die obere kein Vergessenes. R. Šimo͑n b. Jehuda sagt im Namen R. Šimo͑ns, beide seien kein Vergessenes, die untere nicht, weil sie verborgen ist, die obere nicht, weil sie schwebend ist. Sie streiten nur über die untere, hinsichtlich der oberen aber stimmen alle überein, daß sie kein Vergessenes sei. –

21Anders ist es da, wo er sie bereits angefaßt hatte, denn dadurch hat er sie erworben. – Wieso heißt esdemnach: auf eine andere, dies sollte ja auch von dem Falle gelten, wenn er sie aufs Feld [gelegt hat]!? – Dem ist auch so, und nur wegen der unterenlehrt er: auf eine andere. –

22Er begründet ja aber: weil sie schwebend ist!? – Lies: weil sie wie schwebend ist.

23Einst sprach Abajje: Ich fühle michwie Ben A͑zaj in den Straßen von Tiberjas. Da sprach einer von den Jüngern zu Abajje: Von welchem ist, wenn zwei Erschlagene sich aufeinanderbefinden, zu messen:

24gibt es bei Dingen derselben Art ein Verbergen und kein Schweben, somitist vom oberen zu messen, oder gibt es bei Dingen derselben Art ein Schweben und kein Verbergen, somitist vom unteren zu messen,

25oder aber gibt es bei Dingen derselben Art ein Verbergen und ein Schweben, somitist weder vom unteren noch vom oberen zu messen?

26Dieser erwiderte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.