Sota — Blatt 46a
1DIE PRIESTER SPRECHEN DANN:Vergib deinem Volke Jisraél, das du erlöst hast, o Herr, und gib nicht unschuldiges Blut in die Mitte deines Volkes Jisraél. [DIE WORTE :]das Blut soll ihnen vergeben werden, BRAUCHEN SIE NICHT ZU SPRECHEN, VIELMEHR VERKÜNDET ES IHNEN DER HEILIGE GEIST: WENN IHR DIES TUT, SO WIRD EUCH DAS BLUT VERGEBEN.
2GEMARA. Sollte doch [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert werden, daß ein Gebrechen das Kalb untauglich mache: wenn die [rote] Kuh, die durch das Alter nicht untauglich wird, durch ein Gebrechen untauglich wird, um wieviel mehr wird das Kalb, das durch das Alteruntauglich wird, durch ein Gebrechen untauglich!? – Anders ist es bei jener; die Schrift sagt:an der kein Gebrechen ist, ein Gebrechen macht nur diese untauglich, nicht aber macht es das Kalb untauglich. –
3Demnachsollte sie auch durch andere Arbeiten nicht untauglich werden,
4während doch R. Jehuda im Namen Rabhs sagte, daß, wenn man auf sie ein Bündel Säcke gelegt hat, sie untauglich sei, und das Kalb erst dann, wenn es [an der Last] gezogen hat!? – Anders verhält es sich bei der [roten] Kuh, da bezüglich dieser dies durch [das Wort] Joch vom Kalbe zu folgern ist. –
5Sollte auch hinsichtlich des Kalbes durch [das Wort] Joch von der [roten] Kuh gefolgertwerden!? – Der Allbarmherzige hat es durch [das Wort] an der ausgeschlossen. –
6Auch beim Kalbe heißt es ja an dem!? – Dies ist dazu nötig, um Opfertiere auszuschließen, daß sie durch [Verwendung zur] Arbeit nicht untauglich werden. Man könnte nämlich glauben, es sei vom Kalbe [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn das Kalb, das durch ein Gebrechen nicht untauglich wird, durch [Verwendung zur] Arbeit untauglich wird, um wieviel mehr werden Opfertiere, die durch ein Gebrechen untauglich werden, durch [Verwendung zur] Arbeit untauglich. –
7Man könnte dies ja aber widerlegen: wohl gilt dies vom Kalbe, das auch durch das Alter untauglich wird, während Opfertiere durch das Alter nicht untauglich werden!? – Gibt es denn unter den Opfertieren nicht solche, die durch das Alter untauglich werden!? – Der Schriftvers ist wegen solcher Opfertiere nötig, die durch das Alter untauglich werden. –
8Braucht denn hieraus gefolgert zu werden, daß Opfertiere durch [Verwendung zur] Arbeit nicht untauglich werden, dies geht ja aus folgendem hervor!? Blindes, Gebrochenes, Verstümmeltes, mit Geschwür, Krätze oder Flechten behaftetes, diese alle sollt ihr dem Herrn nicht darbringen; diese darfst du nicht darbringen, wohl aber darfst du Opfertiere darbringen, die zur Arbeit verwandt worden sind. – Dies ist nötig. Man könnte glauben, dies gelte nur von dem Falle, wenn sie zu erlaubten Arbeiten verwandt worden sind, wenn aber zu verbotenen, seien sie untauglich, so lehrt er uns. –
9Aber auch dies geht ja aus folgendem hervor!?Auch aus der Hand eines Fremdlings sollt ihr das Brot eures Gottes von all diesem nicht darbringen; diese darfst du nicht darbringen, wohl aber darfst du Opfertiere darbringen, die zur Arbeit verwandt worden sind. –
10Dies ist nötig. Man könnte glauben, dies gelte nur dann, wenn sie zur Arbeit verwandt worden sind, als sie noch profan waren, wenn aber nachdem sie geheiligt worden sind, seien sie untauglich, so lehrt er uns.
11Der Text. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Hat man auf sie ein Bündel Säcke gelegt, so ist sie untauglich, das Kalb aber erst dann, wenn es [an der Last] gezogen hat. Man wandte ein:Joch; ich weiß dies nur vom Joche, woher dies von anderen Arbeiten? Ich will dir sagen, es ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn das Kalb, das durch ein Gebrechen nicht untauglich wird, durch [Verwendung zur] Arbeit untauglich wird, um wieviel mehr wird die [rote] Kuh, die durch ein Gebrechen untauglich wird, durch andere Arbeiten untauglich.
12Wenn du aber dagegen einwenden willst, so heißt es bei dieser Joch und bei jenemheißt es Joch, wie jenes auch durch andere Arbeiten untauglich wird, ebenso wird diese auch durch andere Arbeiten untauglich. –
13Was heißt: wenn du dagegen einwenden willst? – Man könnte einwenden, es sei zu erwidern: wohl gilt dies vom Kalbe, das auch durch das Alter untauglich wird. Oder auch: von den Opfertieren sei ein Gegenbeweis zu erbringen: diese werden durch ein Gebrechen untauglich, nicht aber werden sie durch [Verwendung zur] Arbeit untauglich.
14Daher: bei dieser heißt es Joch und bei jenem heißt es Joch, wie jenes auch durch andere Arbeiten [untauglich wird], ebenso diese auch durch andere Arbeiten. – Hiervon ausgehend: wie jenes nur dann [untauglich ist], wenn es [an der Last] gezogen hat, ebenso auch diese, nur wenn sie gezogen hat!? –
15Hierüber streiten Tannaím. Manche folgern es vom Kalbe, manche aber von der Kuh selbst.
16Es wird nämlich gelehrt: Joch; ich weiß dies nur vom Joche, woher dies von anderen Arbeiten? Es heißt: auf die kein Joch gekommen ist, nichts derartiges. Weshalb heißt es demnach Joch? Das Joch macht sie untauglich, einerlei ob sie damit Arbeit verrichtet hat oder damit keine Arbeit verrichtet hat, anderes aber macht sie nur dann untauglich, wenn sie damit Arbeit verrichtet hat. –
17Vielleicht aber: auf die gekommen ist, generell, ein Joch, speziell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, so umfaßt die Generalisierung nur das Spezielle, nur ein Joch, anderes aber nicht!? – [Das Wort] auf die ist einschließend.
18Desgleichen wird auch hinsichtlich des Kalbes gelehrt: Joch; ich weiß dies nur vom Joche, woher dies von anderen Arbeiten? Es heißt: mit dem nicht gearbeitet worden ist, nichts derartiges. Weshalb heißt es demnach Joch? Das Joch macht es untauglich, einerlei ob es damit Arbeit verrichtet hat oder damit keine Arbeit verrichtet hat, anderes aber macht es nur dann untauglich, wenn es damit Arbeit verrichtet hat. –
19Vielleicht aber: mit dem nicht gearbeitet worden ist, generell, Joch, speziell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung felgt, so umfaßt die Generalisierung nur das Spezielle, nur ein Joch, anderes aber nicht!? – [Das Wort] mit dem ist einschließend.
20R. Abahu sagte: Ich fragte R. Joḥanan, wieviel es am Joche gezogen habenmuß, und er erwiderte mir, den Umfang des Joches. Sie fragten: Die Länge oder die Breite? Einer von den Jüngern, namens R. Ja͑qob, erwiderte: Mir wurde von R. Joḥanan erklärt, das Anziehen des Joches in der Breite, eine Handbreite. – Sollte er doch gesagt haben: eine Handbreite!? –
21Folgendes lehrt er uns: [die Breite] des Joches beträgt eine Handbreite. – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Beim Kaufe und Verkaufe.
22R.Joḥanan b. Šaúl sagte: Weshalb sagt die Tora, daß man ein Kalb im Tale darbringe? Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: möge das kommen, das keine Früchte gebracht hat, genickbrochen werden an einer Stelle, die keine Früchte bringt, und den sühnen, den man Früchte zu bringen gehindert hat. – Was ist unter Früchte zu verstehen, wenn etwa die Fortpflanzung, so müßte demnach wegen eines Greisen oder eines Kastraten das Genickbrechen unterbleiben!? – Vielmehr, die [Ausübung der] Gebote.
23UND BRINGEN ES IN EIN FELSIGES TAL HINAB. ‘FELSIG’, SINNGEMÄSS: HART. Die Rabbanan lehrten: Woher, daß ethan die Bedeutung hart hat? Es heißt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.