Sota — Blatt 46b
1fest[ethan] ist dein Wohnsitz und auf Felsen gestellt deinNest. Ferner heißt es:Höret, ihr Berge, den Rechtsstreit des Herrn, ihr Mächtige [ethanim], Grundvesten der Erde. Manche sagen: Woher, daß ethan die Bedeutung alt hat? Es heißt:ein altes [ethan] Volk, ein Volk von Ewigkeit her.
2DA BRICHT MAN IHM VON HINTEN DAS GENICK MIT EINEM HACKEMESSER. Weshalb? – Er folgert dies durch [den Ausdruck] ‘Genickbrechen’, das auch beim Geflügelsündopfergebraucht wird.
3DIESE STELLE DARF NICHT MEHR BESÄT UND BEARBEITET WERDEN. Die Rabbanan lehrten :Das nicht bearbeitet und nicht besät sein darf, bisher – so R. Jošija; R. Jonathan sagt, künftig.
4Raba sagte: Niemand streitet, ob künftig, denn es heißt: und nicht besät sein darf, sie streiten nur, ob früher. R. Jošija ist der Ansicht, es heißt ja nicht: es sollnicht bearbeitet werden, und R. Jonathan ist der Ansicht, es heißt ja nicht: das nicht bearbeitet worden ist. – Und R. Jošija!? – [Das Wort] das bezieht sich auf die Vergangenheit. – Und R. Jonathan!? – [Das Wort] das ist eine Einschließung.
5WOHL ABER DARF MAN DA FLACHS HECHELN UND STEINE MEISSELN. Die Rabbanan lehrten: Das nicht bearbeitet und nicht besät sein darf; ich weiß dies nur vom Säen, woher dies von anderen Arbeiten? Es heißt: nicht bearbeitet, alles mögliche.
6Weshalb heißt es demnach nicht besät? Um dir zu sagen, wie das Säen sich auszeichnet., indem es mit dem Boden selbst erfolgt, ebenso alles andere, was mit dem Boden selbst erfolgt, ausgenommen ist das Hecheln von Flachs und das Hauen von Steinen, die nicht mit dem Boden selbst erfolgen. –
7Vielleicht aber wie folgt: nicht bearbeitet, generell, nicht besät, speziell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, so umfaßt die Generalisierung nur das Spezielle, nur das Säen, anderes aber nicht!? – [Das Wort] das ist einschließend.
8DIE ÄLTESTEN DIESER STADT WASCHEN DIE HÄNDE &C. Die Rabbanan lehrten :Und alle Ältesten jener Stadt, die dem Erschlagenen die Nächsten sind, sollen ihre Hände waschen über dem Kalbe, dem im Tale das Genick gebrochen worden ist; die Worte dem das Genick gebrochen sind ja nicht nötig, und wenn sie dennoch stehen, so heißt dies: auf der Stelle, da das Genickbrechen des Kalbes erfolgt ist.
9Sie sollen sprechen: Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen und unsere Augen haben nichts gesehen. Könnte es uns denn in den Sinn kommen, daß das Gericht Blut vergieße!? Vielmehr: nicht ist er an uns herangetreten und haben wir ihn ohne Nahrung abgewiesen, nicht haben wir ihn gesehen und ohne Geleit gelassen.
10Es wird gelehrt: M. Meír sagte: Man kann zur Begleitung zwingen, denn die Belohnung für die Begleitung hat keine Grenze. So heißt es: als die Wächter einen Mann aus der Stadt kommen sahen, sprachen sie zu ihm: Zeige uns doch den Eingang zur Stadt, und wir werden dir Güte erweisen. Hierauf heißt es:da zeigte er ihnen den Eingang zur Stadt. Welche Güte erwiesen sie ihm? –Sie erschlugen die ganze Stadt mit dem Schwerte, diesen Mann aber und seine Familie ließen sie ziehen.
11Und der Mann ging in das Land der Ḥittim und baute eine Stadt und nannte sie Luz; das ist ihr Name bis auf den heutigen Tag. Es wird gelehrt: Das ist das Luz, da man die purpurblaue Wollefärbt. Das ist das Luz, das Sanḥerib, als er da hinkam, nicht verwirrt und Nebukhadneçar nicht zerstört hat. Selbst der Todesengel hat keine Gewalt, durch diese zu ziehen, vielmehr gehen die Greise, wenn ihnen das Leben zuwider ist, außerhalb der Stadtmauer und sterben da.
12Nun ist [ein Schluß] vom Unwichtigen auf das Wichtige zu folgern: wenn jener Kenaa͑nite, der weder mit dem Mund geredet noch mit den Füßen gegangen ist, eine Rettung für sich und für seine Nachkommen bis ans Ende aller Geschlechter erwirkt hat, um wieviel mehr derjenige, der bei der Begleitung mit den Füßen tätig ist. –
13Womit zeigte er ihnen [den Weg]? Ḥizqija erwiderte: Er verzog den Mund. R. Joḥanan erwiderte: Er zeigte ihn ihnen mit dem Finger. Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Joḥanan: Der Kenaa͑nite erwirkte dafür, daß er ihnen mit dem Finger zeigte, eine Errettung für sich und für seine Nachkommen bis ans Ende aller Geschlechter.
14R.Jehošua͑ b. Levi sagte: Wenn jemand sich auf der Reise befindet und keine Begleitung hat, so befasse er sich mit der Tora, denn es heißt: denn eine angenehme Begleitungsind sie für dein Haupt und Geschmeide für deinen Hals.Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Für die vier Schritte, die der Pareo͑ den Abraham begleitete, wie es heißt :und der Pareo͑ entbot Männer &c., knechtete er seine. Kinder vierhundert Jahre, wie es heißt :und sie werden sie knechten und drücken vierhundert Jahre. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Wenn jemand seinen Nächsten vier Ellen in der Stadt begleitet, so kommt er nicht zu Schaden. Rabina begleitete Raba b. Jiçḥaq vier Ellen in der Stadt, und als ihm später eine Gefahr drohte, wurde er gerettet.
15Die Rabbanan lehrten: Der Lehrer [begleite] den Schüler bis an die Grenze der Stadt, ein Kollege den Kollegen bis zu einem Šabbathgebiete, der Schüler den Lehrer ohne Begrenzung. – Wieviel? – R. Šešeth erwiderte: Bis zu einer Parasange. Dies gilt jedoch nur von einem, der nicht sein Hauptlehrer ist, seinen Hauptlehrer aber drei Parasangen.
16Einst begleitete R. Kahana den R. Šimi b. Aši von Pum Nahara bis Be Çinjatain Babylonien. Als sie da angelangt waren, sprach er zu ihm: Ist es wahr, was ihr sagt, daß diese Steinpalmen Babyloniens seit der Zeit Adams des Urmenschen bestehen?
17Dieser erwiderte: Du hast mich an etwas erinnert, was R. Jose b. R. Ḥanina gesagt hat: Es heißt:in einem Lande, das niemand durchzogen, darin kein Mensch gewohnt hat; wenn niemand es durchzogen hat, wie sollte jemand da gewohnt haben, und wenn niemand da gewohnt hat, wie sollte jemand es durchzogen haben!? Vielmehr, das Land, über das Adam der Urmensch bestimmt hat, daß es bewohnt werde, wurde bewohnt, und das Land, über das Adam der Urmensch dies nicht bestimmt hat, wurde nicht bewohnt.
18R. Mordekhaj begleitete R. Aši von Hagronja bis Be Kephe, und wie manche sagen, bis Be Dura.
19R. Joḥanan sagte im Namen R. Meírs: Wenn jemand andere nicht begleitet und sich nicht begleiten läßt, so ist es ebenso, als würde er Blut vergießen, denn hätten die Leute von Jeriho Eliša͑ begleitet, so würde er nicht Bären auf die Kinder gehetzt haben, denn es heißt :er ging von dort nach Bethel hinauf, und als er den Weg hinaufstieg, kamen kleine Knaben aus der Stadt und verhöhnten ihn, indem sie zu ihm sprachen: komm herauf, Kahlkopf, komm herauf, Kahlkopf!
20Sie sprachen nämlich zu ihm: Komm herauf, der du uns den Ort kahl gemacht hast. – Was heißt kleine Knaben? R. Elea͑zar erwiderte: Leute, die bar warenvon guten Werken; kleine, weil sie kleingläubigwaren. Es wird gelehrt, es waren Knabenund gebärdeten sich wie Kinder.
21R. Joseph wandte ein: Vielleicht werden sie sonach ihrer Ortschaft benannt!? Es heißt auch :die Aramäer gingen auf Streifzüge aus und nahmen ein kleines Mädchen aus dem Lande Jisraél gefangen; und auf unsere Frage, wieso er es Kleines und Mädchennennt, erwiderte R. Pedath, sie war aus der Ortschaft Naa͑ran [Mädchen]!? – Da ist die Ortschaft nicht angegeben, hier aber ist die Ortschaft angegeben.
22Als er sich umwandte, sah er sie an und fluchte ihnen im Namen des Herrn. Was sah er? Rabh erwiderte: Er sah sie an, wörtlich, wie gelehrt wird: R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Alles, worauf die Weisen ihre Augen richten, wird von Tod oder Armut [befallen]. Šemuél erwiderte: Er sah, daß die Mütter von diesen allen mit ihnen am Versöhnungstage geschwängert worden waren.
23R. Jiçḥaq der Schmied erwiderte: Er sah, daß sie Haarschöpfewie Nichtjuden hatten. R. Joḥanan erwiderte: Er sah, daß in ihnen auch nicht der Saft einer guten Handlung war. – Vielleicht würde eine solche in ihren Nachkommen gewesen sein!? R. Elea͑zar erwiderte: Weder in ihnen noch in ihren Nachkommen bis ans Ende aller Geschlechter.
24Da kamen zwei Bären aus dem Walde und zerrissen von ihnen zweiundvierzig Kinder.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.