Sota — Blatt 47a

1Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, [dies war] ein Wunder, und einer sagt, ein Wunder in einem Wunder. Einer sagt, ein Wunder, denn da war ein Wald, jedoch keine Bären; einer sagt, ein Wunder in einem Wunder, denn vorher waren da weder Wald noch Bären. – Sollten doch nur die Bären [gekommen] sein, wozu der Wald!? – Sie wären scheu.

2R. Ḥanina sagte: Wegen der zwei und vierzig Opfer, die Balaq, der König von Moab, darbrachte, wurden zweiundvierzig Kinder von Jisraél zerrissen. – Dem ist ja aber nicht so,

3R. Jehuda sagte doch im Namen Rabhs, daß man sich stets mit der Tora und guten Handlungen befasse, auch nicht um ihrer selbst willen, weil man dadurch veranlaßt wird, es um ihrer selbst willen zu tun, denn als Belohnung für die zweiundvierzig Opfer, die Balaq, der König von Moab, darbrachte, war es ihm beschieden, daß ihm Ruth entstammte, der Šelomo entstammte, von dem es heißt:tausend Opfer brachte Šelomo dar!? Ferner sagte R. Jose b. Ḥoni, daß Ruth die Tochter E͑glons, des Sohnes Balaqs, war!? – Immerhin war es seine Absicht, sie zu verfluchen.

4Da sprachen die Männer der Stadt zu Eliša: Siehe doch, die Lage der Stadt ist gut, wie der Herr sieht &c. Worin bestand, wenn das Wasser schlecht und das Land verheerend war, ihre Güte!? R. Ḥanina erwiderte: Es war der Liebreiz des Ortes bei seinen Bewohnern. R. Joḥanan sagte nämlich: Es gibt drei Liebreize: der Liebreiz des Ortes bei seinen Bewohnern, der Liebreiz einer Frau bei ihrem Manne und der Liebreiz der Ware bei ihrem Käufer.

5Die Rabbanan lehrten: An drei Krankheiten erkrankte Eliša; an einer, weil er Bären auf Kinder hetzte, an einer, weil er Gehzi mit beiden Händen fortstieß, und an einer, an der er starb, wie es heißt:und Eliša͑ erkrankte an einer Krankheit, an der er starb.

6Die Rabbanan lehrten: Stets stoße man fort mit der Linken und ziehe man heran mit der Rechten. Nicht wie Eliša͑, der Geḥzi mit beiden Händen fortstieß, und nicht wie Jehošua͑ b. Peraḥja, der Jesus den Nazarener mit beiden Händen fortstieß. –

7Welches Bewenden hat es mit Eliša͑? – Es heißt:Da sprach Nadman: Beliebe doch zwei Talente zu nehmen. Ferner heißt es:Er aber sprach: Wandelte nicht mein Herz, als sich jemand auf seinem Wagen nach dir umdrehte? War es an der Zeit, Silber zu nehmen oder Kleider zu nehmen oder Ölgarten, Weinberge, Schafe, Rinder, Sklaven und Sklavinnen? –

8Hatte er denn dies alles erhalten, er hatte ja nur Silber und Kleider erhalten!? – R. Jiçḥaq erwiderte: Eliša͑ befaßte sich dann mit [der Lehre von] den achtKriechtieren, und er sprach zu ihm: Bösewicht, es ist die Zeit herangereicht, daß du die Belohnung für die acht Kriechtiereerhältst.Der Aussatz Naa͑mans soll dir und deinen Nachkommen anhaften in Ewigkeit. Es waren vier aussätzige Männer. R. Joḥanan sagte: Es waren Geḥzi und seine drei Söhne.

9Da ging Eliša͑ nach Damešeq. Wozu ging er dahin? R. Joḥanan erwiderte: Um Geḥzi zur Buße zu veranlassen; dieser tat es aber nicht. Er sprach zu ihm: Kehre um! Dieser erwiderte: Es ist mir von dir überliefert, daß, wenn jemand gesündigt und das Publikum zur Sünde verleitet hat, man ihm nicht gelingen lasse, Buße zu tun. –

10Was tat er? – Manche sagen, er errichtete einen Magnetstein für das Sündenbild Jerobea͑msund ließ es zwischen Himmel und Erde schweben. Manche sagen, er grub ihm den Gottesnamen in den Mund ein, und es sprach: ichbin [dein Gott], und: du sollst keinen anderen haben.

11Und manche sagen, er stieß die Jünger von ihm fort. Es heißt: da sprachen die Prophetenjünger zu Eliša͑: Siehe, der Ort, auf dem wir weilen, ist uns zu eng. Demnach war er bis dahin nicht eng.

12Welches Bewenden hat es mit R. Jehošua͑ b. Peraḥja? – Als der König Jannaj die Gelehrten tötete, wurde Šimo͑n b. Šaṭah von seiner Schwesterverborgen, und R. Jehošua͑ b. Peraḥja floh nach Alexandrien in Ägypten. Nachdem Friede eingetreten war, schrieb Šimo͑n b. Šaṭaḥ an ihn: Von mir Jerušalem, der heiligen Stadt, an dich Alexandrien in Ägypten. Meine Schwester, mein Mann weilt in deiner Mitte, und ich sitze verlassen da. Da sagte er: Es scheint also, daß Friede eingetreten ist.

13Auf der Reise kehrten sie in ein Gasthaus ein, wo ihm [die Wirtin] viel Ehrung erwies, und er lobte sie: Wie brav ist diese Gastwirtin! Jeneraber sprach: Meister, ihre Augen sind matt. Da sprach er zu ihm: Bösewicht, damit befassest du dich! Alsdann brachte er vierhundert Posaunenstöße hervor und tat ihn in den Bann. Hierauf kam er jeden Tag zu ihm, er empfing ihn aber nicht.

14Eines Tages kam er zu ihm, als er gerade beim Šema͑lesen war, und da er ihn nunmehr empfangen wollte, winkte er ihm mit der Hand; jener aber glaubte, er weise ihn wiederum ab. Da ging er fort, stellte einen Ziegelstein hin und betete ihn an. Hierauf sprach er zu ihm: Tu Buße! Jener erwiderte: Es ist mir von dir überliefert, daß, wenn jemand gesündigt und das Publikum zur Sünde verleitet hat, man ihm nicht gelingen lasse, Buße zu tun.

15Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Auch den [Geschlechts]trieb, ein Kind und ein Weib stoße man fort mit der Linken und ziehe heran mit der Rechten.

16WIRD DER TOTSCHLÄGER ENTDECKT, BEVOR MAN DEM KALBE DAS GENICK GEBROCHEN HAT, SO KOMME ES WIEDER IN DIE HERDE UND WEIDE, WENN ABER NACHDEM IHM DAS GENICK GEBROCHEN WORDEN IST, SO IST ES AN DER STELLE ZU BEGRABEN, DENN ES WURDE VON VORNHEREIN WEGEN DES ZWEIFELS DARGEBRACHT, UND DIE SÜHNE DES ZWEIFELS IST NUN VOLLZOGEN. WENN DEM KALBE DAS GENICK GEBROCHEN WORDEN IST UND DARAUF DER TOTSCHLÄGER ENTDECKT WIRD, SO IST ER HINZURICHTEN.

17WENN EIN ZEUGE SAGT: ICH HABE DEN TOTSCHLÄGER GESEHEN, UND EINER SAGT: DU HAST IHN NICHT GESEHEN, WENN EINE FRAU SAGT: ICH HABE IHN GESEHEN, UND EINE ANDERE SAGT: DU HAST IHN NICHT GESEHEN, SO ERFOLGT DAS GENICKBRECHEN. WENN EIN ZEUGE SAGT: ICH HABE IHN GESEHEN, UND ZWEI SAGEN: DU HAST IHN NICHT GESEHEN, SO ERFOLGT DAS GENICKBRECHEN.

18WENN ZWEI SAGEN: WIR HABEN IHN GESEHEN, UND EINER SAGT: IHR HABT IHN NICHT GESEHEN, SO ERFOLGT DAS GENICKBRECHENNICHT. ALS DIE MÖRDER SICH MEHRTEN, WURDE DAS GENICKBRECHEN DES KALBES ABGESCHAFFT. [DIES ERFOLGTE] ALS ELIE͑ZER, SOHN DINAJS, DER AUCH TEHINA, SOHN PERIŠAS GENANNT WURDE, AUFTRAT; SPÄTER ABER NANNTE MAN IHN DEN MÖRDERSOHN.

19ALS DIE EHEBRECHER SICH MEHRTEN, WURDE DAS FLUCHWASSER ABGESCHAFFT, UND ZWAR SCHAFFTE ES R. JOḤANAN B. ZAKKAJ AB, DENN ES HEISST :ich ahnde es nicht mehr an euren Töchtern, wenn sie huren, und nicht an euren jungen Weibern, wenn sie ehebrechen, denn &c.

20MIT DEM TODE DES JOSE B. JOE͑ZER AUS ÇEREDA UND DES JOSE B. JEHUDA AUS JERUŠALEM HÖRTEN DIE TRAUBENAUF, DENN ES HEISST :es ist keine Traube da zum Essen, nach einer reifen Frucht verlangt meine Seele. JOḤANAN DER HOCHPRIESTER SCHAFFTE DAS ZEHNTBEKENNTNISAB. DIESER SCHAFFTE AUCH DIE WECKENDEN UND DIE BETÄUBENDEN AB.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.