Sota — Blatt 48a
1während man ihn an die Priesterentrichtete. –
2Man kann es ja über die übrigen Zehntesprechen!? Reš Laqiš erwiderte: Wenn in einem Hause das Bekenntnis nicht über den ersten Zehnten gesprochen worden ist, so spricht man es auch nicht über die übrigen. – Aus weichem Grunde? Abajje erwiderte: Weil die Schrift mit diesem begonnen hat. –
3Demnach entrichtete man ihn, und dem widersprechend wird gelehrt: Er schaffte ferner das Bekenntnis ab und er erließ eine Verfügung über das Demaj. Er ließ nämlich im ganzen jisraélitischen Gebiete inspizieren und stellte fest, daß man nur die große Hebeentrichtete, während den ersten Zehnten und den zweiten Zehnten manche entrichteten und manche nicht entrichteten.
4Da sprach er zu ihnen: Meine Kinder, kommt, ich will euch sagen: wie an der großen Hebe eine mit dem Tode bedrohte Sündehaftet, ebenso haftet an der Zehnthebe und [am Genüsse] von Unverzehntetem eine mit dem Tode bedrohte Sünde.
5Hierauf ordnete er an, daß, wenn jemand Früchte von einem Menschen aus dem gemeinen Volke kauft, er von diesen den ersten Zehnten und den zweiten Zehnten entrichte. Vom ersten Zehnten ist die Zehnthebe abzusondern und dem Priester zu geben, und den zweiten Zehnten bringe man nach Jerušalemund esse ihn da. Bezüglich des ersten Zehnten und des Armenzehntenaber hat derjenige, der vom anderen fordert, den Beweis anzutreten. –
6Er erließ zwei Verordnungen; er hob das Bekenntnis auf für Genossenund verbot das Demaj der Leute aus dem gemeinen Volke.
7DIESEIR SCHAFFTE AUCH DIE WECKENDEN AB. Wer waren die Weckenden? Reḥaba erwiderte: Die Leviten betraten täglich die Estrade und sprachen:Erwache, warum schläfst du, o Herr! Er sprach zu ihnen: Gibt es denn bei Gott ein Schlafen, es heißt ja:siehe, nicht schlummert und nicht schläft der Hüter Jisraéls. Vielmehr bezieht sich [der Schriftvers:] wache auf, warum schläfst du, o Herr, auf die Zeit, wo Jisraél in Not ist, die weltlichen Völker aber in Wonne und Frieden.
8DIE BETÄUBENDEN. Wer waren die Betäubenden? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Sie ritzten dem [Opfer]kalbezwischen die Hörner, damit ihm das Blut in die Augen fließe. Er trat auf und schaffte es ab, weil dies den Anschein eines Gebrechens hat.
9In einer Barajtha wurde gelehrt: Sie schlugen es mit Stöcken, wie dies beim Götzendienste zu erfolgen pflegt. Da sprach er zu ihnen: Wie lange noch werdet ihr den Altar Aas verzehren lassen. – Wieso Aas, es wurde ja geschlachtet!? – Vielmehr Totverletztes, denn die Hirnhaut kann verletzt worden sein. Er trat dann auf und ließ Ringe in den Boden einlassen.
10BIS ZU SEINEN TAGEN WAR DER HAMMER IN JERUŠALEM IN TÄTIGKEIT. Am Halbfeste.
11AUCH BRAUCHTE MAN IN SEINEN TAGEN NICHT WEGEN DES DEMAJ ZU FRAGEN. Wie wir bereits gesagt haben.
12MIT DEM AUFHÖREN DES SYNEDRIUMS HÖRTE DER GESANG BEI DEN FESTMÄHLERN AUF, WIE ES HEISST:nicht mehr wird bei Gesang Wein getrunken &c.
13MIT DEM TODE DER ERSTEN PROPHETEN HÖRTEN URIM UND TUMMIMAUF. MIT DER ZERSTÖRUNG DES [ZWEITEN]TEMPELS VERSCHWAND DER ŠAMIR, AUCH DER SÜSSE SEIM, UND MÄNNER DES VERTRAUENS HABEN AUFGEHÖRT, WIE ES HEISST :hilf, Herr, denn es gibt keinen Frommen mehr &c.
14R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGTE IM NAMEN R. JEHOŠUA͑S: SEIT DEM TAGE, AN DEM DER TEMPEL ZERSTÖRT WORDEN IST, GIBT ES KEINEN TAG OHNE FLUCH, DER TAU FÄLLT NICHT ZUM SEGEN UND DEN FRÜCHTEN IST DER GESCHMACK GENOMMEN. R. JOSE SAGTE: AUCH DAS MARK DER FRÜCHTE IST DAHIN. R. ŠIMO͑N B. ELEA͑ZAR SAGTE: MIT DER REINHEIT VERSCHWANDEN AUCH GESCHMACK UND GERUCH, UND MIT DEM ZEHNTEN DAS MARK DES GETREIDES. DIE WEISEN SAGEN: HUREREI UND ZAUBEREI HABEN ALLES ZUGRUNDE GERICHTET.
15GEMARA. Woher, daß dieser Schriftvers sich auf das Aufhören des Synedriums bezieht? R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, erwiderte: Es heißt: verscheucht sind die Ältesten aus den Toren, Jünglinge von ihren Liedern.
16Rabh sagte: Das Ohr, das Gesang hört, möge ausgerissen werden. Raba sagte: Gesang im Hause, Zerstörung an der Schwelle, denn es heißt: ertönt die Stimme im Fenster, so ist Zerstörung an der Schwelle, das Zedergetäfel ist bloßgelegt.
17Was heißt: das Zedergetäfel ist bloßgelegt? R. Jiçḥaq erwiderte: Ist etwa ein mit Zedern überbälktes Haus eine Stadl!? Vielmehr, selbst ein mit Zedern überbälktes Haus wird zerstört. R. Aši sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß die Zerstörung eines Hauses mit der Schwelle beginne, denn es heißt: Zerstörung an der Schwelle. Wenn du aber willst, entnehme ich es hieraus.Verwüstung zertrümmert das Tor. Mar b. R. Aši sagte: Ich habe ihngesehen, er stößt wie ein Ochs.
18R. Hona sagte: Der Gesang der Schiff erund Pflüger ist erlaubt, der der Weber ist verboten. Einst verbot R. Hona das Singen, da [fiel der Preisvon] hundert Gänsen auf einen Zuz und von hundert Seá Weizen auf einen Zuz, und doch wurde danach nicht verlangt. Als aber hierauf R. Ḥisda [das Verbot] vernachlässigte, war eine Gans auch nicht für einen Zuz zu haben.
19R. Joseph sagte: Wenn Männer singen und Frauen einstimmen, so ist dies schon eine Ausgelassenheit, wenn aber Frauen singen und Männer einstimmen, so ist dies wie Feuer im Werg. – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Daß das eine eher als das andere zu vermeiden sei.
20R. Joḥanan sagte: Wer bei den vier Musikinstrumententrinkt, bringt fünf Heimsuchungen über die Welt, denn es heißt:wehe denen, die früh am Morgen aufstehen und nach Rauschtrank jagen, die spät am Abend sitzen und der Wein sie erhitzt. Zither und Harfe, Pauke und Flöte und Wein macht ihr Zechgelage, aber auf das Werk des Herrn blicken sie nicht.
21Hierauf folgt:Darum wandert mein Volk unversehens in Verbannung, sie bringen Verbannung über die Welt; seine Vornehmen werden Hungerleider, sie bringen Hunger über die Welt; seine Menge verschmachtet vor Durst, sie bewirken, daß die Tora bei ihren Studierenden in Vergessenheit gerät.Gebeugt ist der Mensch und niedrig der Mann, sie bewirken Erniedrigung für den Feinddes Heiligen, gepriesen sei er, denn unter Mann ist der Heilige, gepriesen sei er, zu verstehen, wie es heißt:der Herr ist ein Mann des Krieges.Die Augen der Stolzen werden erniedrigt, sie bewirken die Erniedrigung Jisraéls.
22Hierauf heißt es:Darum
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.