Sota — Blatt 4a

1Wieviel beträgt die Dauer des Sichverbergens? — Die Dauer der Verunreinigung, das ist die Dauer des Beischlafes, das ist die Dauer der Anschmiegung,

2das ist die Dauer der Umkreisung einer Dattelpalme — so R. Jišma͑él. R. Elie͑zer sagt, die Dauer des Einschenkens eines Bechers. R. Jehošua͑ sagt, als man ihn trinken kann.

3Ben A͑zaj sagt, als man ein Ei backen kann. R. A͑qiba sagt, als man ein solches schlürfen kann. R. Jehuda b. Bethera sagt, als man drei Eier hinter einander schlürfen kann. R. Elea͑zar b. Jirmeja sagt, als ein Weber einen Faden zusammenknotet.

4Ḥanin b. Pinḥas sagt, als sie die Hand in den Mund stecken und ein Spänchen entfernen kann. Pelemo sagt, als sie mit der Hand in den Korb langen und ein Brot nehmen kann. Und obgleich es keinen Beweis dafür gibt, so gibt es dennoch eine Andeutung: denn durch ein Hurenweib [kommt man herunter] bis auf einen Laib Brot.

5Wozu ist dies alles nötig? —

6Dies ist nötig. Würde er nur gelehrt haben: die Dauer der Verunreinigung, so könnte man glauben, die Dauer der Verunreinigung und der Liebkosung; daher lehrt er: die Dauer des Beischlafes.

7Und würde er nur gelehrt haben: die Dauer des Beischlafes, so könnte man glauben, die Dauer bis zur Beendigung des Beischlafes; daher lehrt er: die Dauer der Anschmiegung.

8Und würde er nur gelehrt haben: die Dauer der Anschmiegung, so könnte man glauben, der Anschmiegung und der Liebkosung, daher lehrt er: die Dauer der Verunreinigung. — Beträgt denn die Verunreinigung die Dauer der Umkreisung einer Dattelpalme,

9ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Und sie sich verborgen hat; wir würden die Dauer des Sichverbergens nicht gekannt haben, wenn es aber heißt: und sie sich verunreinigt hat, so sage man, es betrage die Dauer der Verunreinigung, das ist die Dauer des Beischlafes, das ist die Dauer der Anschmiegung, das ist die Dauer des Rückganges einer Dattelpalme — so R. Elie͑zer.

10R. Jehošua͑ sagt, die Dauer des Einschenkens eines Bechers. Ben A͑zaj sagt, als man ihn trinken kann. R. A͑qiba sagt, als man ein Ei backen kann. R. Jehuda b. Bethera sagt, als man ein solches schlürfen kann.

11Er glaubte, ‘Umkreisung einer Dattelpalme’ und ‘Rückgang einer Dattelpalme’ sei dasselbe, [somit ist einzuwenden:] dort sagt R. Jišma͑él, die Dauer der Umkreisung einer Dattelpalme, und R. Elie͑zer streitet gegen ihn, und hier sagt R. Elie͑zer, die Dauer des Rückganges einer Dattelpalme!?

12Abajje erwiderte: Umkreisung: mit den Füßen, Rückgang: durch den Wind.

13R. Aši fragte: Ist dies zu verstehen, wie sie durch den Wind hin und her bewegt wird, oder aber, wie sie hin und her bewegt wird und zurück in ihre frühere Stellung gelangt? — Dies bleibt unentschieden. —

14Dort sagt R. Elie͑zer, die Dauer des Einschenkens eines Bechers, und hier sagt er, die Dauer des Rückganges einer Dattelpalme!? — Beides ist von gleicher Dauer. —

15Dort sagt R. Jehošua͑, als man ihn trinken kann, und hier sagt er, die Dauer des Einschenkens eines Bechers!? — Lies: als man einen einschenken und trinken kann. — Sollte er doch erwidert haben. beides sei von gleicher Dauer!? — Demnach wäre dies identisch mit [der Ansicht] R. Elie͑zers. —

16Dort sagt Ben A͑zaj, als man ein Ei backen kann, und hier sagt er, als man [einen Becher] trinken kann!? — Beides ist von gleicher Dauer. —

17Dort sagt R. A͑qiba, als man [ein Ei] schlürfen kann, und hier sagt er, als man ein Ei backen kann!? — Lies: als man ein Ei backen und schlürfen kann. — Sollte er doch erwidert haben, beides sei von gleicher Dauer!? — Demnach wäre dies identisch mit [der Ansicht] Ben A͑zajs. —

18Dort sagt R. Jehuda b. Bethera, als man drei Eier hinter einander schlürfen kann, und hier sagt er, als man [ein Ei] schlürfen kann!? — Er sagt es nach der Ansicht R. A͑qibas; dieser sagt: die Dauer des Backens und Schlürfens, und hierzu sagt er: wenn nur schlürfen, als man drei Eier hinter einander schlürfen kann; es ist dies die Dauer von Backen und Schlürfen.

19«R. Elie͑zer b. Jirmeja sagt, als ein Weber einen Faden zusammenknotet.» R. Aši fragte: Entfernt oder nahe? — Dies bleibt unentschieden.

20«Ḥanin b. Pinḥas sagt, als sie die Hand in den Mund stecken und ein Spänchen entfernen kann.» R. Aši fragte: Ein eingepreßtes oder ein loses? — Dies bleibt unentschieden.

21«Pelemo sagt, als sie mit der Hand in den Korb langen und ein Brot nehmen kann.» R. Aši fragte: Ein eingepreßtes oder ein loses? Ein neuer oder ein alter? Ein warmes oder ein kaltes?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.