Sota — Blatt 4b

1Aus Weizen oder aus Gerste? Ein weiches oder ein hartes? — Dies bleibt unentschieden.

2R. Jiçḥaq b. Joseph sagte im Namen R. Joḥanans: Jeder von ihnen hat esaus eigener Erfahrung bemessen. — Unter ihnen ist ja auch Ben A͑zaj, der unverheiratet war!? —

3Wenn du willst, sage ich: er hatte geheiratet und ließ sich scheiden; wenn du willst, sage ich; er hörte es von seinem Lehrer; und wenn du willst, sage ich: das Geheimnis des Herrn denen, die ihn fürchten.

4R. A͑vira trug vor, manchmal im Namen R. Amis und manchmal im Namen R. Asis: Wenn jemand Brot ißt ohne die Hände gewaschen zu haben, so ist dies ebenso, als würde er ein Hurenweib beschlafen, denn es heißt: denn durch ein Hurenweib [kommt man herunter] bis auf einen Laib Brot.

5Raba sprach: Wieso heißt es demnach: denn durch ein Hurenweib [kommt man herunter] bis auf einen Laib Brot, es müßte ja heißen: durch ein Laib Brot bis auf ein Hurenweib!? Vielmehr, sagte Raba, wer ein Hurenweib beschläft, endet damit, daß er nach einem Laibe Brot sucht.

6R. Zeriqa sagte im Namen R. Elea͑zars: Wer das Händewaschen vernachlässigt, wird aus der Welt gerissen. R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Beim vorangehenden Waschen hebe man die Hände nach oben, beim nachfolgenden Waschen senke man die Hände nach unten. Ebenso wird gelehrt: Wer die Hände wäscht, hebe sie nach oben, weil das Wasser über das Gelenk zurücklaufen und die Hände unrein machen könnte.

7R. Abahu sagte: Wenn jemand Brot mit ungereinigten Händen ißt, so ist es ebenso, als würde er unreines Brot essen, denn es beißt: und der Herr sprach: so essen die Kinder Jisraél ihr Brot unrein &c.

8Was heißt:und ein Eheweib erjagt eine edle Seele? R. Ḥija b. Abba erwiderte im Namen R. Joḥanans: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so endet er damit, daß er durch ein Eheweib zu Falle kommt, denn es heißt: und ein Eheweib erjagt eine edle Seele.

9Raba sprach: Wieso heißt es demnach edle Seele, es sollte ja ‘hochmütige Seele’ heißen!? Ferner sollte es heißen: sie erjagt!? Vielmehr, erklärte Raba, wenn jemand ein Eheweib beschläft, so erjagt es ihn, selbst wenn er die Tora gelernt hat, von dem es heißt: kostbarer ist es als Korallen [peninim], als der Hochpriester, der in das Allerinnerste [penim] eintritt, für das Gericht des Fegefeuers.

10R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so ist es ebenso, als würde er Götzendienst treiben, denn von jenem heißt es: ein Gräuel ist dem Herrn ein stolzes Herz, und von diesem heißt es: du sollst keinen Gräuel in dein Haus bringen.

11In seinem eigenen Namen sagte R. Joḥanan: Es ist ebenso, als würde er Gott verleugnet haben, denn es heißt: und dein Herz hochmütig wird, und du den Herrn, deinen Gott, vergißt &c.

12R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Es ist ebenso, als würde er alle Inzestverbrechen begangen haben; von jenem heißt es: ein Gräuel ist dem Herrn ein stolzes Herz, und von diesen heißt es: denn alle diese Gräuel &c.

13Ula sagte: Es ist ebenso, als würde er eine Opferhöhe errichtet haben, denn es heißt: lasset ab vom Menschen, der Odem in der Nase hat, denn wofür ist er geachtet, und man lese nicht bamme [wofür], sondern bama [Opferhöhe].

14Was heißt:Hand zu Hand bleibt nicht verschont? Rabh erklärte: Wenn jemand eine Ehefrau beschläft, so bleibt er, selbst wenn er dem Heiligen, gepriesen sei er, Himmel und Erde zugeeignet hat, gleich unserem Vater Abraham, von dem es heißt:ich erhebe meine Hand zum Herrn, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, vom Gerichte des Fegefeuers nicht verschont.

15Die Jünger der Schule R. Šilas wandten ein: Wieso heißt es demnach: Hand zu Hand bleibt nicht verschont, es sollte ja heißen: meineHand!?

16Vielmehr, erklärten sie in der Schule R. Šilas, er bleibt, selbst wenn er die Tora in Empfang genommen hatte, gleich unserem Meister Moše, von dem es heißt: in seiner Rechten das Feuergesetz für sie, vom Gerichte des Fegefeuers nicht verschont.

17R. Joḥanan wandte ein: Wieso heißt es demnach: Hand zu Hand, es sollte ja heißen: Hand von Hand!?

18Vielmehr, erklärte R. Joḥanan,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.