Sota — Blatt 5a
1er bleibt, selbst wenn er heimlich Wohltätigkeit, wovon es heißt: eine heimliche Gabe besänftigt den Zorn &c., vom Gerichte des Fegefeuers nicht verschont.
2Wo ist das Verbot des Hochmutes zu finden? Raba erwiderte im Namen Zee͑ris: Höret und merkt auf, seid nicht hochmütig. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Hieraus: und dein Herz hochmütig wird und du vergißt, und daneben heißt es: achte darauf, daß du nicht vergißt den Herrn, deinen Gott.
3Dies nach R. Abin im Namen R. Ilea͑s, denn R. Abin sagte im Namen R. Ilea͑s, daß überall, wo es achte, daß nicht und nicht heißt, ein Verbot ausgedrückt sei.
4R. E͑zra trug vor, manchmal im Namen R. Asis und manchmal im Namen R. Amis: Jeder Mensch, dem Hochmut innewohnt, wird am Ende herabgesetzt, denn es heißt: hoch sind sie, ein wenig. Vielleicht glaubst du, er bleibe auf der Welt, so heißt es: und er ist nicht mehr.
5Wenn er umkehrt, so wird er hochbetagt hingerafft, gleich unserem Vater Abraham, denn es heißt: gebeugt, wie alle eingerafft, wie Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob, bei denen es mit allem, von allem und alles heißt. Wenn aber nicht: wie die Ährenspitze abgeschnitten. —
6Was heißt Ährenspitze? R. Hona und R. Ḥisda [erklärten es]; einer erklärt, die Fasern der Ähre, und einer erklärt, die Ähre selbst. — Erklärlich ist es nach demjenigen, der die Fasern der Ähre erklärt, daß es heißt: wie die Ährenspitze, wieso aber heißt es Ährenspitze nach demjenigen, der die Ähre selbst erklärt!? R. Asi erwiderte, und ebenso wurde in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt: Wie wenn jemand in sein Feld kommt und nach und nach das Höherragende abliest.
7Dem Niedrigen und dem, der demütigen Geistes ist. R. Hona und R. Ḥisda [erklärten es]; einer erklärte, bei mir ist der Niedrige, und einer erklärte, ich bin beim Niedrigen.
8Einleuchtender aber ist die Ansicht desjenigen, der ich bin beim Niedrigen erklärt, denn der Heilige, gepriesen sei er, überging alle Berge und Hügel und ließ seine Göttlichkeit auf dem Berge Sinaj ruhen, nicht aber hob er den Berg Sinaj in die Höhe.
9R. Joseph sagte: Stets lerne der Mensch von der Handlungsweise seines Schöpfers; der Heilige, gepriesen sei er, überging alle Berge und Hügel und ließ seine Göttlichkeit auf dem Berge Sinaj ruhen. Ferner überging er alle schönen Bäume und ließ seine Göttlichkeit im Dornbusche ruhen.
10R. Elea͑zar sagte: Jeder Mensch, dem Hochmut innewohnt, verdient, daß man ihn wie einen Götzenbaum niederhaue. Von jenem heißt es: die Hochragenden niedergehauen, und von diesem heißt es: ihre Götzenbäume sollt ihr niederhauen.
11Ferner sagte R. Elea͑zar: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so wird sein Staub nicht aufgewirbelt, denn es heißt: erwachet und jauchzet, ihr Staubruhenden; es heißt nicht: die ihr im Staube liegt, sondern Staubruhende [šokhne], die sich bei Lebzeiten dem Staube benachbart [šakhen] haben.
12Fernei sagte R. Elea͑zar: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so klagt die Göttlichkeit über ihn, denn es heißt: er erkennt den Stolzen aus der Ferne.
13R. E͑zra, nach anderen R. Elea͑zar trug vor: Komm und sieh, wie verschieden die Handlungsweise des Heiligen, gepriesen sei er, von der Handlungsweise eines [Menschen aus] Fleisch und Blut ist. Die Handlungsweise eines [Menschen aus] Fleisch und Blut ist, daß der Hohe den Hohen beachtet, nicht aber beachtet der Hohe den Niedrigen, anders aber ist die Handlungsweise des Heiligen, gepriesen sei er, er ist hoch und beachtet den Niedrigen, denn es heißt: denn erhaben ist der Herr und sieht auf den Niedrigen.
14R. Ḥisda, nach anderen Mar U͑qaba, sagte: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so spricht der Heilige, gepriesen sei er: Ich und er können nicht zusammen auf der Welt wohnen. Es heißt: wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den vernichte ich, wer stolzen Blickes und aufgeblasenen Sinnes ist, den mag ich nicht, und man lese nicht: den mag ich nicht, sondern: mit demmag ich nicht. Manche beziehen dies auf die Verleumder, denn es heißt: wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den vernichte ich.
15R. Alexandri sagte: Wenn einem Menschen Hochmut innewohnt, so trübt ihn sogar der geringste Wind, denn es heißt:die Gottlosen sind wie das aufgewühlte Meer. Wenn das Meer, das viele Viertel[log] enthält, von einem kleinen Wind getrübt wird, um wieviel mehr ein Mensch, der nur ein Viertel[log] hat.
16R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Ein Schriftgelehrter muß davon ein Achtel eines Achtels haben. R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sagte: Das ziert ihn, wie die Fasern die Ähre. Raba sagte: Im Banne sei, wer ihn hat, und im Banne sei, wer davon nichts hat.
17R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Nichts davon und auch nicht einen Teil davon. Nicht gering ist das, was geschrieben steht: ein Gräuel ist dem Herrn ein stolzes Herz.
18R. Ḥizqija sagte: Das Gebet eines Menschen wird nur dann erhört, wenn er sein Herz zu Fleisch macht, denn es heißt: und je von Neumond zu Neumond &c. wird alles Fleisch kommen, um sich niederzuwerfen &c.
19R. Zera sagte: Vom Fleische heißt es und heilt, vom Menschen aber heißt es nicht und heilt.
20R. Joḥanan sagte: Mensch [bedeutet] Staub, Blut, Galle, Fleisch [bedeutet] Scham, Gestank, Gewürm. Manche sagen: Unterwelt, denn es wird mit einem Sin geschrieben.
21R. Aši sagte: Jeder Mensch, dem Hochmut innewohnt, wird am Ende entwürdigt, denn es heißt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.