Sota — Blatt 5b

1Hochfleck und Ansatzfleck; unter seéth [Hochfleck] ist eine Erhöhung zu verstehen, wie es heißt: über all die hohen Berge und über all die hochragenden [nisoath] Hügel, und unter sapaḥath [Ansatzfleck] ist etwas Angeschlossenes zu verstehen, wie es heißt: füge mich doch [sapḥeni] einem deiner Priesterämter hinzu, daß ich ein Stück Brot zu essen habe.

2R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Komm und sieh, wie angesehen die Demütigen beim Heiligen, gepriesen sei er, sind. Wenn zur Zeit, wo der Tempel noch bestand, jemand ein Brandopfer darbrachte, so hatte er das Verdienst eines Brandopfers, wenn ein Speisopfer, so hatte er das Verdienst eines Speisopfers; wenn jemand aber seinen Sinn demütigt, so rechnet es ihm die Schrift an, als hätte er alle Opfer zusammen dargebracht, denn es heißt: die Schlachtopfer Gottes sind ein gebrochenes Gemüt. Und noch mehr, sein Gebet wird nicht mißachtet, denn es heißt: ein gebrochenes und zerdrücktes Herz, Gott, verschmähst du nicht.

3Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Wer seine Handlungen auf dieser Welt schätzt, dem ist es beschieden, das Heil des Heiligen, gepriesen sei er, zu sehen, denn es heißt: wer seine Wege richtet, den will ich das Heil Gottes sehen lassen, und man lese nicht, vesam [richtet], sondern vešam [schätzt].

4WIE VERWARNT ER SIE &C. Dies widerspricht sich ja selbst, zuerst heißt es: wenn er ihr vor zwei [Zeugen] gesagt hat, daß sie mit jenem Manne nicht spreche, demnach gilt das Sprechen als Sichverbergen,

5und darauf heißt es, daß, wenn sie mit ihm gesprochen hat, sie ihrem noch Manne erlaubt sei und Hebe essen dürfe, wonach das Sprechen bedeutungslos ist!?

6Abajje erwiderte: Er meint es wie folgt: [wenn er ihr gesagt hat,] daß sie mit ihm nicht spreche, und sie gesprochen hat, daß sie mit ihm nicht spreche, und sie sich mit ihm verborgen hat, so ist dies bedeutungslos; wenn aber, daß sie sich mit ihm nicht verberge, und sie mit ihm gesprochen hat, so ist sie noch ihrem Manne erlaubt und darf Hebe essen, war sie aber mit ihm in einem verborgenen Räume und verweilte sie da die Dauer der Verunreinigung, so ist sie ihrem Manne verboten und darf keine Hebe essen.

7STIRBT ER, SO IST AN IHR DIE ḤALIÇA ZU VOLLZIEHEN. Weshalb denn, sollte an ihr auch die Schwagerehe vollzogen werden!?

8R. Joseph erwiderte: Die Schrift sagt: sie verlasse sein Haus und gehe und werde eines anderen Mannes [Frau]; eines anderen Mannes, nicht aber des Schwagers.

9Abajje sprach zu ihm: Demnach sollte sie auch der Haliça nicht benötigen!? Dieser erwiderte: Würde sie denn, wenn ihr Mann da wäre, nicht der Scheidung benötigt haben!? Somit benötigt sie auch jetzt der Ḥaliça.

10Manche lesen: R. Joseph erwiderte: Der Allbarmherzige sagt: sie verlasse sein Haus und gehe und werde eines anderen Mannes [Frau], damit sie sein Haus nicht zerstöre, und du sagst, daß an ihr die Schwagerehe vollzogen werde!?

11Abajje sprach zu ihm: Demnach sollte sie auch ein anderer nicht heiraten dürfen, damit sie sein Haus nicht zerstöre!?

12Dieser erwiderte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.