Sota — Blatt 6a
1Zwingt ihn denn jemand dazu!?
2Manche lesen: R. Joseph erwiderte: Die Schrift nennt ihn einen anderen, weil er nicht jenem gleicht, denn jener hat das Böse aus seinem Hause entfernt, er aber hat das Böse in sein Haus gebracht, und du sagst, daß an ihr die Schwagerehe vollzogen werde!?
3Abajje sprach zu ihm: Demnach sollte an ihr, wenn ein anderer sie geheiratet hat und kinderlos gestorben ist, die Schwagerehe nicht vollzogen werden, denn die Schrift nennt ihn einen anderen!? — Bei diesem hat sie immerhin einen guten Namen geführt.
4Raba erwiderte: Es ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn sie dem, dem sie erlaubt war, verboten wird, um wieviel mehr dem, dem sie verbotenwar.
5Abajje sprach zu ihm: Demnach sollte doch, wenn ein Hochpriester sich eine Witwe angetraut hat und gestorben ist, sein Bruder, ein gemeiner Priester, an ihr die Schwagerehe nicht vollziehen, denn wenn sie dem, dem sie erlaubt war, verboten wird, um wieviel mehr dem, dem sie verboten war. —
6Wieso verboten wird, sie ist ihm ja verboten, erlaubt ist, sie ist ihm ja verboten!? —
7Vielmehr, wenn die Frau eines Priesters genotzüchtigt worden ist und er gestorben ist und einen entweihtenBruder hinterläßt, so sollte an ihr die Schwagerehe vollzogen werden, denn wenn sie dem, dem sie erlaubt war, verbotenwird, um so mehr dem, dem sie verbotenwar!?
8— Einem Jisraéliten ist die Genotzüchtigte erlaubt und für diesen gilt das Verbot nicht.
9FOLGENDEDÜRFEN KEINE HEBE ESSEN: DIE SAGT! SIE SEI FÜR IHNUNREIN, ÜBER DIE ZEUGEN BEKUNDEN, DASS SIE SICH VERUNREINIGT HABE, DIE SAGT, SIE WOLLE NICHT TRINKEN, DIE IHR MANN NICHT TRINKEN LASSEN WILL, UND DIE IHR MANN UNTERWEGSBESCHLAFEN HAT.
10GEMARA. R. A͑mram sagte: Folgendes sagte uns R. Šešeth und erleuchtete uns die Augen aus unsererMišna: Wenn gegen eine Ehebruchsverdächtigte Zeugen in überseeischen Ländernvorhanden sind, so prüft das Wasser sie nicht, denn die Schrift sagt:und sie sich verborgen und verunreinigt hat, und ein Zeuge gegen sie nicht da ist, nur wenn niemand da ist, der es von ihr weiß, während hierbei jemand da ist, der es von ihr weiß.
11Er öffnete uns die Augen aus unserer Mišna, denn diese lehrt: über die Zeugen bekunden, daß sie sich verunreinigt habe. Wann sollen die Zeugen bekundet haben, wollte man sagen, vor dem Trinken, so ist sie jaeine Hure, doch wohl nach dem Trinken.
12Erklärlich ist es nun, wenn du sagst, das Wasser prüfe sienicht, wenn du aber sagst, das Wasser prüfe sie, so kann es sich ja herausstellen, daß es falsche Zeugensind!?
13R. Joseph sprach zu ihm: Tatsächlich, kann ich dir erwidern, prüft sie das Wasser wohl, jedoch kann ihr ein Verdienst beigestandenhaben. —
14Worüber streiten sie? — Über die Hinsiechung nach der Lehre Rabbis. Wir haben nämlich gelernt: Rabbi sagte: Das Verdiensthält [die Wirkung] des Fluchwassers auf; sie gebiert nicht, gedeiht nicht, vielmehr verkümmert sie allmählich, bis sie schließlich daran stirbt.
15R. Šešeth ist der Ansicht, sowohl nach Rabbi als auch nach den Rabbanan verkümmeresie, und R. Joseph ist der Ansicht, nach Rabbi verkümmere sie, nach den Rabbanan verkümmere sie nicht.
16R. Šimi b. Aši wandte ein: R. Šimo͑n sagte: Das Verdienst wirkt auf das Fluchwasser nicht, denn wenn du sagst, das Verdienst wirke auf das Fluchwasser, so diskreditierst du das Wasser bei allen Frauen, die es zu trinken haben, und bringst die reinen, die es getrunken haben, in einen schlechten Ruf, denn man könnte sagen, sie seien unrein, nur habe ihnen ein Verdienst beigestanden.
17Wenn dem nun sowäre, so bringst du ja auch durch die Zeugen in überseeischen Ländern die Reinen, die getrunken haben, in einen schlechten Ruf, denn man könnte sagen, sie seien unrein, nur sind Zeugen in überseeischen Ländern vorhanden!? —
18Du sprichst von R. Šimo͑n; wie nach R. Šimo͑n das Verdienst wirkungslos ist, ebenso sind auch die Zeugen wirkungslos.
19Rabh wandte ein: In folgenden [Fällen] wird ihr Speisopferverbrannt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.