Sota — Blatt 7a
1aber es gibt ja noch den Fall, wenn Zeugen in überseeischen Ländern vorhandensind!? —
2Dies ist selten.
3WIE VERFÄHRT ER MIT IHR? ER BRINGT SIE ZUM GERICHTE DES BETREFFENDEN ORTES, WO MAN IHM ZWEI SCHRIFTGELEHRTE MITGIBT, DAMIT ER IHR NICHT UNTERWEGSBEIWOHNE. R. JEHUDA SAGT, IHR MANN IST INBEZUG AUF SIE VERTRAUENSWÜRDIG.
4GEMARA. Zwei und er selbst, das sind drei. Dies wäre somit eine Stutze für Rabh, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs, dieslehrten sie nur, wenn in der Stadt, unterwegs aber müssen es drei sein, denn, wenn einer austreten muß, würde der andere mit der Unzucht allein bleiben. —
5Nein, hierbei erfolgt dies aus dem Grunde, damit Zeugen vorhanden seien. —
6Nur Schriftgelehrte, andere aber nicht, dies wäre somit eine Stütze für eine andere Lehre Rabhs, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs, diesgelte nur von keuschen, mit ausgelassenen aber [nicht], selbst wenn es zehn sind. Einst ereignete es sich, daß zehn Männer [eine Frau] in einem Bette hinaustrugen. —
7Nein, hierbei erfolgt es aus dem Grunde, weil diese ihn zu warnen wissen.
8R. JEHUDA SAGT, IHR MANN &C. Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: [Durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere ist zu folgern, daß ihr Mann inbezug auf sie vertrauenswürdig sei: wenn der Mann inbezug auf eine Menstruierende, woraufdie Ausrottungsstrafe gesetzt ist, vertrauenswürdigist, um wieviel mehr inbezug auf eine Ehebruchsverdächtigte, wobei nur ein Verbot vorliegt. —
9Und die Rabbanan!? — Eben deshalb; bei der Menstruierenden liegt die Ausrottungsstrafe vor, und da dies streng ist, ist er vertrauenswürdig, bei der Ehebruchsverdächtigten aber liegt nur ein Verbot vor, und da dies nicht streng ist, ist er nicht vertrauenswürdig. —
10Folgert R. Jehuda dies denn [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere, er entnimmt es ja aus der Schrift!? Es wird nämlich gelehrt:Der Mann bringe seine Frau zum Priester; nach der Tora hat der Mann seine Frau zu bringen, die Weisen sagten jedoch, daß man ihm zwei Schriftgelehrte mitgebe, damit er ihr unterwegs nicht beiwohne.
11R. Jose sagte: [Durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere ist zu folgern, daß ihr Mann inbezug auf sie vertrauenswürdig ist: wenn der Mann inbezug auf eine Menstruierende, worauf die Ausrottungsstrafe gesetzt ist, vertrauenswürdig ist, um wieviel mehr inbezug auf eine Ehebruchsverdächtigte, wobei nur ein Verbot zu berücksichtigen ist.
12Sie erwiderten ihm: Nein, sollte dies, wenn es von der Menstruierenden gilt, die ihm später erlaubt ist, auch von der Ehebruchsverdächtigten gelten, die ihm nicht mehr erlaubt ist!? Ferner heißt es:Gestohlenes Wasser ist süß &c.
13R. Jehuda sagte: Nach der Tora hat der Mann seine Frau zum Priester zu bringen, denn es heißt: der Mann bringe seine Frau. —
14Zuerst begründete er es ihnen [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere, als sie ihn aber widerlegten, nannte er ihnen den Schriftvers. —
15R. Jehuda sagt ja dasselbe, was der erste Autor!? — Sie streiten über die Bestimmung.
16MAN FÜHRT SIE VOR DAS HOHE GERICHT IN JERUŠALEM, UND DA SCHÜCHTERT MAN SIE EIN, WIE MAN ZEUGEN IN TODESSTRAFSACHENEINSCHÜCHTERT.
17MAN SPRICHT ZU IHR: MEINE TOCHTER, VIEL TUT DER WEIN, VIEL TUT DAS SCHERZEN, VIEL TUT DIE JUGEND, VIEL TUN BÖSENACHBARN.
18TU ES DOCHUM SEINES GROSSEN NAMENS WILLEN, DER IN HEILIGKEIT GESCHRIEBEN WORDEN IST, DASS ER NICHT DURCH DAS FLUCHWASSER VERWISCHT WERDE. MAN TRÄGT IHR DINGEVOR, DIE ZU HÖREN SIE UND IHR GANZES VÄTERLICHES HAUS NICHT WÜRDIG IST.
19SAGT SIE, SIE SEI UNREIN, SO QUITTIERT SIE IHRE MORGENGABE UND GEHT LEER AUS;
20SAGT SIE ABER, SIE SEI REIN, SO BRINGT MAN SIE NACH DEM OSTTORE AN DER PFORTE DES NIKANORTORES. DA LIESS MAN DIE EHEBRUCHSVERDÄCHTIGTEN TRINKEN UND REINIGTE MAN DIE WÖCHNERINNEN UND DIE AUSSÄTZIGEN.
21DER PRIESTER ERFASST SIE AM GEWÄNDE, WENN ES ZERREISST, SO IST NICHTS DABEI, WENN ES SICH AUFTRENNT, SO IST NICHTS DABEI, SODASS ER IHR DEN BUSEN ENTBLÖSST, UND LÖST IHR DAS HAAR AUF. R. JEHUDA SAGT, WENN SIE EINEN SCHÖNEN BUSEN HAT, ENTBLÖSSE ER IHN NICHT, UND WENN SIE SCHÖNES HAAR HAT, SO LÖSE ER ES NICHT AUF.
22IST SIE WEISS GEKLEIDET, SO KLEIDE ER SIE SCHWARZ, HAT SIE GOLDENEN SCHMUCK AN,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.