Sota — Blatt 7b

1HALSKETTE,OHRRINGE, FINGERRINGE, SO NIMMT ER SIE IHR AB, UM SIE ZU VERUNZIEREN. HIERAUF HOLT ER EINEN BASTSTRICKUND BINDET IHN IHR OBERHALB DER BRÜSTE UM.

2WER SIE ANSCHAUEN WILL, KOMME UND SCHAUE SIE AN, AUSGENOMMEN IHRE SKLAVEN UND IHRE MÄGDE, WEIL DURCH SIE IHR HERZ ERMUTIGT WIRD. ALLE FRAUEN DÜRFEN SIE ANSCHAUEN, DENN ES HEISST:alle Frauen sollen sich warnen lassen und nicht wie ihr Unzucht treiben.

3GEMARA. Woher dies? R. Ḥija b. Gamda erwiderte im Namen des R. Jose b. R. Ḥanina: Dies ist aus [dem Worte] Gesetz zu entnehmen; hierbeiheißt es: der Priester tue mit ihr ganz nach dem Gesetze, und dortheißt es: nach dem Gesetze das sie dich lehren; wie dort einundsiebzig, ebenso hierbei einundsiebzig.

4DA SCHÜCHTERT MAN SIE EIN &C. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wie man sie einschüchtert, damit sie nichttrinke, so schüchtere man sie ein, daß sie wohl trinke. Man spreche zu ihr: Meine Tochter, wenn du dessen sicher bist, daß du rein bist, so verlasse dich auf deine Reinheit und trinke. Das Fluchwasser gleicht nur einem trockenen [Gift]pulver, das man auf das lebende Fleisch legt; ist da eine Wunde vorhanden, so dringt es zerstörend ein, wenn da aber keine Wunde vorhanden ist, so ist es wirkungslos. —

5Das ist kein Widerspruch, das eine bevor die Rolleverwischt worden ist, das andere nachdem die Rolle verwischt worden ist.

6MAN TRÄGT IHR VOR &C. Die Rabbanan lehrten: Man trägt ihr Erzählungen und Ereignisse aus den alten Schriften vor. Zum Beispiel: Was die Weisen von ihren Vätern her unverhohlen berichten.

7Jehuda schämte sich nichtund bekannte, und das Ende war, daß er das Leben der zukünftigen Welt erbte. Reúben schämte sich nichtund bekannte, und das Ende war, daß er das Leben der zukünftigen Welt erbte. Was war ihr Lohn? — Was ihr Lohn war, wie wir eben gesagt haben!? — Vielmehr, was war ihr Lohn auf dieser Welt?Ihnen allein war das Land gegeben, und nie kam ein Fremdling in ihre Mitte. —

8Allerdings finden wir, daß Jehuda bekannt hat, denn es heißt:da erkannte sie Jehuda und sprach: sie ist in ihrem Rechte gegen mich, woher aber, daß Reúben bekannt hat? —

9R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Es heißt:es lebe Reúben und sterbe nicht; und dies über Jehuda.

10All die Jahre, während welcher die Jisraéliten in der Wüste waren, wälzten sich die Gebeine Jehudas im Sarge herum; da kam Moše und flehte für sie um Erbarmen. Er sprach vor ihm: Herr der Welt, Jehuda ist es ja, der Reúben veranlaßt hat, seine Sünde zu bekennen, [wie es heißt:] dies über Jehuda.

11Erhöre, Herr, das Rufen Jehudas. Hierauf setzten sich seine Gebeine zusammen, jedoch wollte man ihn nicht in das himmlische Kollegium hineinlassen, [da sprach Moše:]zu seinem Volke bringe ihn. Er verstand aber nicht, sich mit den Rabbanan in der Halakha zu unterhalten, [da sprach Moše:]seine Hände seien kräftig. Noch aber vermochte er nicht, die Entscheidung einer Lehre zu eruieren, [da sprach Moše:]und sei ihm Hilfe gegenüber seinen Bedrängern. —

12Allerdings bekannte Jehuda, damit Tamar nicht verbrannt werde, weshalb aber bekannte Reúben, R. Šešeth sagte ja, ihm erscheine derjenige schamlos, der seine Sünden aufzählt!? — Damit seine Brüder nicht in Verdacht geraten.

13SAGT SIE, SIE SEI UNREIN &C. Hieraus wäre somit zu entnehmen, daß man eine Quittungschreibe?

14Abajje erwiderte: Lies: sie zerreiße. Raba sprach zu ihm: Er lehrt ja aber: so quittiert sie!? Vielmehr, erklärte Raba, hier wird von Ortschaften gesprochen, wo eine [Urkunde über] die Morgengabe nicht geschriebenwird.

15SAGT SIE ABER, SIE SEI REIN, SO BRINGT MAN SIE NACH DEM OSTTORE. ‘Man bringt sie’, da befindet sie sich ja!? —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.