Sota — Blatt 8a

1Man bringt sie hinauf und hinunter, um sie zu ermüden. Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte; Das Gericht läßt die Zeugen von Ort zu Ort umherführen, damit sie verwirrt werden und zurücktreten.

2DA LIESS MAN DIE EHEBRUCHSVERDÄCHTIGTEN TRINKEN &C. Allerdings die Ehebruchsverdächtigten, denn es heißt:der Priester stelle das Weib vor den Herrn, ebenso auch die Aussätzigen, denn es heißt:der reinigende Priester stelle &c., weshalb aber die Wöchnerinnen!?

3Wolltest du sagen, sie kommen da hin, um neben ihren Opfern zu stehen, denn es wird gelehrt, das Opfer werde für einen nur dann dargebracht, wenn er daneben steht, so sollte dies auch von den männlichen und weiblichen Samenflußbehaftetengelten!? — Dem ist auch so, nur nennt der Autor die einen von diesen.

4Die Rabbanan lehrten: Man Iasse nicht zwei Ehebruchsverdächtigte zusammen trinken, damit nicht das Herz der einen durch die andere ermutigt werde. R. Jehuda sagte: Nicht aus diesem Grunde, sondern weil die Schrift sagt:sie, nur sie allein. —

5Und der erste Autor, es heißt ja sie!? — Der erste Autor ist R. Šimo͑n, der den Grund der Schrift erklärt; er gibt auch hierbei eine Begründung an: weshalb nur sie allein, damit nicht ihr Herz durch die andere ermutigt werde. —

6Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn sie zittert. —

7Läßt man sie denn zusammen trinken, selbst wenn sie zittern, man darf ja die Gebote nicht bündelweise ausüben!?

8Es wird nämlich gelehrt: Man darf nicht zwei Ehebruchsverdächtigte zusammen trinken lassen, nicht zwei Aussätzige zusammen reinigen, nicht zweien Sklaven zusammen das Ohr bohren und nicht zwei Kälbernzusammen das Genick brechen, weil man die Gebote nicht bündelweise ausüben darf.

9Abajje, nach anderen R. Kahana, erwiderte: Das ist kein Einwand; das eine durch einen Priester, das andere durch zwei Priester.

10DER PRIESTER ERFASST SIE AM GEWANDE. Die Rabbanan lehrten:Er entblöße den Kopf des Weibes; ich weiß dies nur vom Kopfe, woher dies vom Körper? Es heißt des Weibes. Weshalb heißt es demnach: er entblöße den Kopf? Dies lehrt, daß der Priester ihr Haar auseinanderlöst.

11R. JEHUDA SAGT, WENN SIE EINEN [SCHÖNEN] BUSEN HAT &C. Demnach berücksichtigt R. Jehuda [sündhafte] Gedanken, die Rabbanan aber nicht,

12und wir wissen ja von ihnen, daß sie entgegengesetzter Ansicht sind!? Es wird nämlich gelehrt: Einem Manne bedecke manvorn einen Körperteil, einem Weibe zwei Körperteile, einen vorn und einen hinten, weil es ganz Scham ist — so R. Jehuda; die Weisen sagen, ein Mann werde nackt gesteinigt, ein Weib werde nicht nackt gesteinigt.

13Raba erwiderte: Hierbei ist zu berücksichtigen, sie könnte das Gericht freigesprochen verlassen, und die jungen Priester würden durch sie in Lüsternheit geraten, da aber wird sie ja gesteinigt. Wolltest du erwidern: auch da könnte durch sie die Lüsternheit zu einer anderen aufgestachelt werden, so sagte ja Raba, es sei bekannt, daß der böse Trieb nur über das Gewalt habe, was man mit den Augen sieht!? Raba entgegnete: Befindet sich etwa nur R. Jehuda mit sich selbst in einem Widerspruche und nicht auch die Rabbanan!?

14Vielmehr, erklärte Raba, R. Jehuda befindet sich nicht mit sich selbst in einem Widerspruche, wie wir bereits erklärt haben, und die Rabbanan befinden sich ebenfalls nicht mit sich selbst in einem Widerspruche,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.