Sota — Blatt 8b
1denn hierbei erfolgt es aus dem Grunde, [weil es heißt:] alle Frauen sollen sich warnen lassen fand nicht wie ihr Unzucht treiben], da aber gibt es ja keine größere Warnung als dies.
2Wolltest du erwidern, man sollte sie mit beidem bestrafen, so sagte ja R. Naḥman im Namen des Rabba b. Abuha, die Schrift sagt:du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, wähle für ihn einen leichten Tod. —
3Es wäre anzunehmen, daß über die Lehre R. Naḥmans Tannaímstreiten? — Nein, alle halten sie von der Lehre R. Naḥmans, und hierbei besteht ihr Streit in folgendem; einer ist der Ansicht, die Schande sei mehr als die körperliche Qual, und einer ist der Ansicht, die körperliche Qual sei mehr als die Schande.
4IST SIE WEISS GEKLEIDET &C. Es wird gelehrt: Wenn ihr schwarz besser steht, so kleide man sie in häßliche Gewänder.
5HAT SIE GOLDENEN SCHMUCK AN &C. Selbstverständlich, wenn man sie sogar verunziert, um wieviel mehr dies!? — Man könnte glauben, mit diesem wird sie noch mehr beschämt, wie die Leute zu sagen pflegen: nackt ausgezogen und mit Schuhen bekleidet, so lehrt er uns.
6HIERAUF HOLT ER EINEN BASTSTRICK &C. R. Abba fragte R. Hona: Ist der Baststrick bei der Ehebruchsverdächtigten unerläßlich? Erfolgt dies deshalb, damit ihr die Kleider nicht herabgleiten, somit ist auch ein kleines Bändchen ausreichend, oder aus dem Grunde, weil der Meister sagte: sie hat sich für ihn mit einem Gürtel umgürtet, daher holt der Priester einen Baststrick und bindet ihn ihr oberhalb der Brüste um, somit ist er unerläßlich.
7Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt: Hierauf holt er einen Baststrick und bindet ihn ihr oberhalb der Brüste um, damit ihr die Kleider nicht abgleiten.
8WER SIE ANSCHAUEN WILL, KOMME &C. Dies widerspricht sich ja selbst: zuerst heißt es, daß, wer sie anschauen will, sie anschaue, einerlei ob Männer oder Frauen, und darauf heißt es, daß alle Frauen sie anschauen dürfen, nur Frauen, Männer aber nicht!?
9Abajje erwiderte: Dies ist auf Frauen zu beziehen. Raba sprach zu ihm: Er lehrt ja, daß jeder, der sie anschauen will, sie anschaue!?
10Vielmehr, erklärte Raba, wer sie anschauen will, schaue sie an, einerlei ob Männer oder Frauen, und Frauen müssensie sogar anschauen, denn es heißt: alle Frauen sollen sich warnen lassen und nicht wie ihr Unzucht treiben.
11MIT DEM MASSE, MIT DEM EIN MENSCH MISST, MISST MAN IHM. SIE HAT SICH ZUR SÜNDE GEPUTZT, DAHER HAT GOTT SIE VERUNZIERT; SIE HAT SICH ZUR SÜNDE ENTBLÖSST, DAHER HAT GOTT SIE BLOSSGESTELLT; SIE HAT DIE SÜNDE MIT DER HÜFTE BEGONNEN UND MIT DEM BAUCHE FORTGESETZT, DAHER WIRD ZUERST DIE HÜFTE UND NACHHER DER BAUCHGESCHLAGEN, UND DER GANZE ÜBRIGE KÖRPER ENTGEHT DEM NICHT.
12GEMARA. R. Joseph sagte: Obgleich das gleiche Maßaufgehört hat so hat das entsprechende Maß nicht aufgehört.
13R. Joseph sagte nämlich, und ebenso lehrte R. Ḥija: Obgleich seit dem Tage der Zerstörung des Tempels das Synedrium aufgehoben worden ist, so sind dennoch die vier Todesstrafennicht aufgehoben worden. — Sie sind ja aufgehoben worden!? — Vielmehr, das Gesetz von den vier Todesstrafen ist nicht aufgehoben worden.
14Wer sich die Steinigung zuschulden kommen ließ, fällt entweder von einem Dache herunter oder ein wildes Tier zertritt ihn; wer sich die Verbrennung zuschulden kommen ließ, kommt entweder in eine Feuersbrunst oder eine Schlange beißt ihn; wer sich die Enthauptung zuschulden kommen ließ, wird entweder der Regierung ausgeliefert oder Räuber überfallen ihn; wer sich die Erdrosselung zuschulden kommen ließ, ertrinkt entweder in einem Flusse oder er stirbt an der Bräune.
15Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Woher, daß man einem Menschen mit dem Maße mißt, mit dem er mißt? Es heißt:je nach dem Maße rechnest du mit ihr bei ihrer Entlassung.
16Ich weiß dies nur von einer Seá, woher dies von einem Trikab, einem halben Trikab, einem Kab, einem halben Kab, einem Viertel [Kab], einem halben Viertel [Kab], einem Achtel und einem U͑kla? Es heißt:denn all die Rüstung der Gerüstetenmit Getöse.
17Woher, daß alle einzelnen Perutas zu einem großen Betrage zusammengezähltwerden?
18Es heißteines zum anderen, um die Berechnung zu finden. So finden wir auch bei der Ehebruchsverdächtigten, daß man ihr mit dem Maße mißt, mit dem sie gemessen hat. Sie stand an der Tür ihres Hauses, um sich ihm zu zeigen, daher stellt sie der Priester neben das Nikanortor und zeigt allen ihre Schande. Sie wickelte für ihn schöne Tücher um ihr Haupt, daher nimmt der Priester ihr das Kopftuch vom Haupte und wirft es unter ihre Füße.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.