Sota — Blatt 9a
1Sie putzte für ihn ihr Gesicht, daher verfärbt sichihr Gesicht gelb. Sie schminkte für ihn ihre Augen, daher stehen ihr die Augen hervor. Sie flocht für ihn ihr Haar, daher löst der Priester ihr das Haar auseinander. Sie winkte ihm mit dem Finger, daher fallen ihr die Nägel ab. Sie umgürtete sich für ihn mit einem Gürtel, daher holt der Priester einen Baststrick und bindet ihn ihr oberhalb der Brüste um. Sie streckte ihm die Hüfte vor, daher fällt ihr die Hüfte zusammen.
2Sie nahm ihn auf den Bauch, daher schwillt ihr Bauch an. Sie gab ihm Leckereien zu essen, daher besteht ihr Opfer aus Viehfutter. Sie gab ihm kostbaren Wein in kostbaren Bechern zu trinken, daher läßt der Priester sie das bittere Wasser aus einer irdenen Schale trinken.
3Sie tat es im Verborgenen, daher wendet der Höchste, der im Verborgenen sitzt, sein Gesicht gegen sie, wie es heißt:das Auge des Ehebrechers erwartet die Dämmerung, indem er denkt, kein Auge werde ihn sehen &c.
4Eine andere Auslegung: Sie tat es heimlich, daher macht Gott es öffentlich bekannt, wie es heißt:mag sich der Haß in Täuschung hüllen, seine Bosheit wird in der Versammlung enthüllt werden. —
5Wenn dieshervorgeht schon aus [dem Schriftverse:] eines zum anderen um die Berechnung zu finden, wozu heißt es: denn all die Rüstung der Gerüsteten mit Getöse!? — Daß es mit gleichem Maße erfolgt. —
6Wenn dies hervorgeht schon aus [dem Schriftverse:] denn all die Rüstung der Gerüsteten mit Getöse, wozu heißt es: je nach dem Maße rechnest du mit ihr bei ihrer Entlassung!? —
7Wegen einer Lehre des R. Ḥanina b. Papa, denn R. Ḥanina b. Papa sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, übt Vergeltung an einer Nation erst bei ihrer Entlassung, denn es heißt: nach dem Maße &c. bei ihrer Entlassung. —
8Dem ist ja aber nicht so, Raba sagte ja, die drei Becher, die bei Miçrajim genanntwerden, deuten auf den, den es in den Tagen Mošes getrunken hat, auf den, den es in den Tagen des Pareo͑ Neko getrunkenhat, und auf den, den es dereinst mit seinen Genossen trinken wird!?
9Wolltest du erwidern, jene seien fortund diese seien andere, so wird ja gelehrt: R. Jehuda sagte: Minjamin, ein miçrischer Proselyt, war mein Genösse von den Schülern R. A͑qibas, und dieser sprach zu mir: Ich bin ein Miçri erster Generationund heiratete eine Miçrith erster Generation; ich will meinen Sohn mit einer Miçrith zweiter Generation verheiraten, damit der Sohn meines Sohnes in die Gemeinde kommen dürfe. —
10Vielmehr, ist dies gelehrt worden, so wird es wie folgt lauten: R. Ḥanina b. Papa sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, übt Vergeltung an einem Könige erst bei seiner Entlassung, denn es heißt: nach Maß rechnest du mit ihr bei ihrer Entlassung &c.
11Amemar bezog die Lehre des R. Ḥanina b. Papa auf das folgende: Es heißt: denn ich der Herr habe nicht wiederholt, und ihr, Kinder Ja͑qobs, habt nicht aufgehört. Denn ich der Herr habe nicht wiederholt, ich habe nicht eine Nation geschlagen und es an ihr wiederholt; und ihr, Kinder Ja͑qobs, habt nicht aufgehört, wie es heißt:meine Pfeile werde ich an ihnen verbrauchen, meine Pfeile werden aufhören, sie aber werden nicht aufhören.
12R. Hamnuna sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, übt Vergeltung an einem Menschen erst dann, wenn sein Maß voll ist, denn es heißt: wenn sein Genüge voll ist, trifft ihn die Not &c.
13R. Ḥanina b. Papa trug vor: Es heißt:Jubelt ihr Frommen, über den Herrn, den Rechtschaffenen ziemt Lobgesang; man lese nicht nave [ziemt] Lobgesang, sondern neve [wegen der Wohnung] Lobgesang. Dies ist auf Moše und David zu beziehen, über deren Werkeihre Feinde keine Gewalt hatten.
14David, denn es heißt:ihre Tore senkten sich in die Erde. Moše, denn der Meister sagte, daß nach der Erbauung des ersten Tempels das Offenbarungszelt, seine Bretter, Haken, Riegel, Säulen und Schwellen versteckt worden seien. — Wo? R. Ḥisda erwiderte im Namen Abimis: In den Höhlungen unter dem Tempel.
15Die Rabbanan lehrten: Die Ehebruchsverdächtigte richtete ihre Augen auf das, was ihr nicht zukommt; das, was sie begehrte, wurde ihr nicht gewährt, und auch das, was sie hatte, wurde ihr genommen. Wer sein Auge auf das richtet, was nicht ihm gehört, dem wird das, was er begehrt, nicht gewährt, und auch das, was er hat, wird ihm genommen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.