Sukka — Blatt 32b

1Manche weisen auf einen Widerspruch hin. Wir haben gelernt, die Steinpalmen seien tauglich, dagegen wird gelehrt, sie seien untauglich!? Abajje erwiderte: Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn die Spitze des einen [Blattes] bis zur Wurzel des anderen reicht, das andere, wenn die Spitze des einen bis zur Wurzel des anderen nicht reicht.

2R. Marjon sagte im Namen des R. Jehošuá b. Levi, wie manche sagen, lehrte es Rabba b. Mari im Namen des R. Joḥanan b. Zakkaj: Zwei Dattelpalmen befinden sich im Tale Ben Hinnom, zwischen denen ein Rauch aufsteigt; diese sind es, von denen wir gelernt haben, die Steinpalmen des Eisenberges seien tauglich. Da befindet sich die Tür des Fegefeuers.

3EIN PALMENZWEIG, DER DREI HANDBREITEN HAT. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die [Mindest]größe der Myrte und der Bachweide ist drei und des Palmenzweiges vier [Handbreiten], sodaß der Palmenzweig die Myrte um eine Handbreite überrage.

4R. Parnakh sagte im Namen R. Joḥanans: Schon der Strunk des Palmenzweiges muß die Myrte um eine Handbreite überragen. –

5Wir haben gelernt: Ein Palmenzweig, der drei Handbreiten hat, daß man ihn schütteln kann, ist ja tauglich!? – Lies: und man ihn schütteln kann, ist tauglich. Nach dem einen gemäß seiner Ansicht, und nach dem anderen gemäß seiner Ansicht. –

6Komm und höre: Die [Mindest]größe der Myrte und der Bachweide ist drei und des Palmenzweiges ist vier [Handbreiten]. Doch wohl mit den Blättern!? – Nein, außer den Blättern.

7Der Text. Die [Mindest]größe der Myrte und der Bachweide ist drei und des Palmenzweiges ist vier [Handbreiten]. R. Tryphon sagte: Eine Elle von fünf Handbreiten.

8Raba sprach: Möge der Herr R. Tryphon verzeihen! Wenn wir eine Myrte von drei [Handbreiten] nicht finden, um wieviel weniger eine von fünf [Handbreiten].

9Als R. Dimi kam, erklärte er: Die Elle, die sonst sechs Handbreiten hat, soll fünf haben; nach dieser rechne man drei für die Myrte und das übrige für den Palmenzweig. – Das sind demnach drei und drei Fünftel,

10somit befindet sich ja Šemuél mit sich selbst im Widerspruche: hier sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls, die [Mindest]größe der Myrte und der Bachweide sei drei [Handbreiten], dagegen sagte R. Hona im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. Tryphon!? – Er nahm es nicht genau. – Allerdings sagen wir erschwerend, man nehme es nicht genau, sagen wir etwa auch erleichternd, man nehme es nicht genau!?

11Als Rabin kam, erklärte er: Die Elle, die sonst fünf Handbreiten hat, soll sechs haben; nach dieser rechne man drei für die Myrte und das übrige für die Festpalme. – Das sind demnach zwei und eine halbe,

12somit befindet sich ja Šemuél immer noch im Widerspruche mit sich selbst!? – Er nahm es nicht genau, und zwar erschwerend, denn R. Hona sagte im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. Tryphon.

13DIE GERAUBTE ODER VERDORRTE MYRTE IST UNTAUGLICH; DIE VON EINER AŠERA ODER EINER ABTRÜNNIGEN STADT HERRÜHRENDE IST UNTAUGLICH. DEREN SPITZE ABGEBROCHEN IST, DEREN BLÄTTER ABGETRENNT SIND ODER DEREN BEEREN MEHR SIND ALS DIE BLÄTTER, IST UNTAUGLICH; HAT MAN SIE VERMINDERT, SO IST SIE TAUGLICH, JEDOCH DARF MAN SIE NICHT AM FESTTAGE VERMINDERN.

14GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Zweige vom dichtbelaubten Baume, einem Baume, der dicht belaubt ist, dessen Zweige den Stamm bedecken. Welcher ist das? Das ist die Myrte. – Vielleicht der Olivenbaum!? – Er muß geflechtartig sein, was dieser nicht ist. –

15Vielleicht die Platane!? – Die Zweige müssen den Stamm bedecken, was bei dieser nicht der Fall ist. –

16Vielleicht der Oleander!? Abajje erwiderte: Ihre Wege sind liebliche Wege, was bei diesem nicht der Fallist. Raba entnimmt dies hieraus: liebet Wahrheit und Frieden.

17Die Rabbanan lehrten: Wie eine Flechte geflochten und einer Kette gleich, das ist die Myrte. R. Elie͑zer sagte: Zweige vom dichtbelaubten Baume, einem Baume, dessen Holz und Frucht den gleichen Geschmack haben, das ist die Myrte.

18Es wird gelehrt: Die dichtbelaubte ist tauglich, die nicht dichtbelaubte ist untauglich.

19Was heißt dichtbelaubte? R. Jehuda erwiderte: Wenn sich je drei Blätter an einem Quirl befinden. R. Kahana sagte: Auch zwei und eines [abwechselnd]. R. Aḥa, der Sohn Rabas, pflegte sogar nach einer zu suchen, die zwei und eines [abwechselnd] hat, weil dies aus dem Munde R. Kahanas hervorging. Mar b. Amemar sprach zu R. Aši: Mein Vater pflegte eine solche wilde Myrte zu nennen.

20Die Rabbanan lehrten: Wenn die meisten Blätter abgefallen sind und nur der kleinere Teil zurückgeblieben, so ist sie tauglich, nur muß die Dichtheit bestehen bleiben. –

21Dies widerspricht sich ja selbst: zuerst heißt es, sie sei tauglich, wenn die meisten Blätter abgefallen sind, und nachher lehrt er, die Dichtheit müsse bestehen bleiben; wieso ist die Dichtheit möglich, wenn je zwei abgefallen sind!?

22Abajje erwiderte: Dies kann bei

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.