Sukka — Blatt 46a
1Wer einen Feststrauß für sich selber bereitet, spreche: ‘Gepriesen sei, der uns leben, bestehen und diese Zeit erreichen lassen hat’. Nimmt er ihn, um seiner Pflicht zu genügen, so spreche er: ‘Gepriesen sei, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns das Nehmen des Feststraußes geboten hat.’ Und obgleich er über ihn am ersten Tage den Segen gesprochen hat, wiederhole er und spreche ihn alle sieben Tage. Wer eine Festhütte für sich selber macht, spreche: ‘Gepriesen sei, der uns leben, bestehen &c.’ Tritt er in diese ein, um da zu sitzen, so spreche er: ‘Der uns durch seine Gebote geheiligt und uns in der Festhütte zu sitzen geboten hat’. Und sobald er am ersten Tage den Segen gesprochen hat, so spreche er ihn nicht weiter.
2Somit besteht also ein Widerspruch sowohl hinsichtlich des Feststraußes als auch hinsichtlich der Festhütte.
3Allerdings ist der Widerspruch hinsichtlich des Feststraußes zu erklären, denn eines gilt von der Zeit, als, der Tempel nach bestanden hat, und eines gilt von der Zeit, als der Tempel nicht mehr bestanden hat; aber hinsichtlich der Festhütte besteht ja ein Widerspruch!? –
4Hierüber [streiten] Tannaím, denn es wird gelehrt: Über die Tephillin spreche man den Segen, so oft man sie anlegt – so Rabbi; die Weisen sagen, man spreche ihn nur morgens.
5Es wurde gelehrt: Abajje sagt, die Halakha sei wie Rabbi, und Raba sagt, die Halakha sei wie die Weisen. R. Mari, Sohn der Tochter Šemuéls, sagte: Ich sah, daß Raba nicht nach seiner Lehre verfuhr; er stand vielmehr morgens früh auf und begab sich auf den Abort, kam heraus und wusch die Hände, dann legte er die Tephillin an und sprach den Segen, und wenn er wieder nötig hätte, begab er sich auf den Abort, kam heraus und wusch die Hände, legte die Tephillin an und sprach [wiederum] den Segen. Auch wir verfahren nach Rabbi und sprechen den Segen alle sieben Tage.
6Mar Zuṭra sagte: Ich sah, daß R. Papi jedesmal, wenn er die Tephillin anlegte, den Segen sprach. Die Jünger der Schule R. Ašis sprachen den Segen, so oft sie sie anfaßten.
7R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls : Das Gebot des Feststraußes hat Geltung alle sieben Tage. R. Jehošua͑ b. Levi sagt, das Gebot des Feststraußes habe Geltung am ersten Tage, von da ab sei er ein Gebot der Ältesten. R. Jiçḥaq sagt, alle [sieben] Tage sei er ein Gebot der Ältesten, sogar am ersten. – Aber uns ist es ja bekannt, daß er am ersten Tage [ein Gebot] der Tora ist!? – Lies: außer dem ersten Tage. – Demnach ist es ja dasselbe, was R. Jehošua͑ b. Levi sagt!? – Lies: ebenso sagte auch R. Jiçḥaq.
8Und auch Rabh ist der Ansicht, das Gebot des Feststraußes habe Geltung alle sieben Tage, denn R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Wer das Ḥanukalicht anzündet, muß den Segen sprechen. – Was spreche er? R. Jehuda erwiderte: Am ersten Tage spreche, der es anzündet, drei, und der es sieht, zwei Segenssprüche; von da ab spreche, der es anzündet, zwei Segenssprüche, und der es sieht, einen Segensspruch. –
9Wie lautet der Segensspruch? – ‘Gepriesen sei, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns das Hanukalicht anzuzünden geboten hat.’ – Wo hat er uns dies geboten!? – [Im Gebote:] du sollst nicht abweichen. R. Naḥman b. Jiçḥaq erklärte: [Im Verse:] frage deinen Vater, daß er es dir sagt. –
10Welchen [Segensspruch] lasse man fort? – Den Zeitsegen. – Vielleicht lasse man den von der Wundertat fort? – Die Wundertat geschah an jedem dieser Tage. R. Naḥman b. Jiçḥaq lehrte es ausdrücklich: Rabh sagte: Das Gebot des Feststraußes hat Geltung alle sieben Tage.
11Die Rabbanan lehrten: Wer eine Festhütte für sich selber errichtet, spreche: Gepriesen sei, der uns leben &c. Tritt er in diese ein, um da zu sitzen, so spreche er: ‘Gepriesen sei, der uns geheiligt &c.’ War sie bereits fertig, so spreche er, falls er an dieser etwas erneuern kann, den Segen, wenn aber nicht, so spreche er beide [Segenssprüche], beim Eintreten, um da zu sitzen. R. Aši sagte: Ich sah, daß R. Kahana sie alle beim Weihsegen über den Becher sprach.
12Die Rabbanan lehrten: Wer mehrere Gebote vor sich hat, spreche: ‘Gepriesen sei, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns die Gebote befohlen hat.’ R. Jehuda sagt, er spreche über jedes einen besonderen Segen. R. Zera, nach anderen R. Ḥanin b. Papa, sagte: Die Halakha ist wie R. Jehuda. Ferner sagte R. Zera, nach anderen R. Ḥanina b. Papa : Was ist der Grund R. Jehudas? Es heißt: Gepriesen sei der Herr, Tag für Tag. Preist man ihn denn nur am Tage und nicht in der Nacht? Dies besagt vielmehr, daß man ihn Tag für Tag durch den entsprechenden Segensspruch preise, ebenso preise man ihn bei jedem Anlaß durch den entsprechenden Segensspruch.
13Ferner sagte R. Zera, nach anderen R. Ḥanina b. Papa: Komm und sieh, wie anders die Art des Heiligen, gepriesen sei er, als die Art des Menschen ist. Beim Menschlichen nimmt ein leeres Gefäß auf,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.