Sukka — Blatt 47a

1ob man auch den Segen spreche; nach demjenigen, welcher sagt, er gelte hinsichtlich der Festhütte als der siebente, spreche man auch den Segen, und nach demjenigen, welcher sagt, er gelte in dieser Hinsicht und in jener Hinsicht als der achte, spreche man den Segen nicht. R. Joseph sprach: Halte dich an R. Joḥanan, denn R. Ḥana b. Bizna und alle Großen des Zeitalters befanden sich am achten, dem Zweifelhaften des siebenten, in einer Festhütte, und sie saßen nur darin, sprachen aber den Segen nicht. –

2Vielleicht waren sie der Ansicht desjenigen, welcher sagt, sobald man am ersten Festtage den Segen gesprochen hat, brauche man ihn weiter nicht mehr zu sprechen!? – Es ist überliefert, daß sie von der Wiese gekommen waren.

3Manche sagen: Alle stimmen überein, daß man [am achten] den Segen nicht spreche, und sie streiten nur, ob man [in der Festhütte] sitze; nach demjenigen, welcher sagt, er gelte als der siebente hinsichtlich der Festhütte, sitze man in dieser, und nach demjenigen, welcher sagt, er gelte in dieser Hinsicht und in jener Hinsicht als der achte, braucht man auch nicht darin zu sitzen. R. Joseph sprach: Halte dich an R. Joḥanan, denn der Meister der Lehre, das ist R. Jehuda, Sohn des R. Šemuél b. Šilath, saß am achten, dem Zweifelhaften des siebenten, außerhalb der Festhütte. Die Halakha ist, man sitze in dieser, spreche aber nicht den Segen.

4R. Joḥanan sagte: Am achten [Tage] des [Hütten]festes spreche man den Zeitsegen, nicht aber spreche man den Zeitsegen am siebenten des Pesaḥfestes.

5Hierzu sagte R. Levi b. Laḥma, nach anderen R. Ḥama b. Ḥanina: Dies ist auch einleuchtend, denn er ist ja durch dreierlei verschieden: durch die Festhütte, durch den Feststrauß und durch das Wassergießen. Und selbst nach R. Jehuda, welcher sagt, daß man alle acht Tage ein Log [Wassers] zu gießen pflegte, ist er immerhin durch zweierlei verschieden. –

6Demnach ist ja auch der siebente des Pesaḥfestes verschieden: durch das Essen von Ungesäuertem, denn der Meister sagte, in der ersten Nacht sei es Pflicht, von da ab Freigestelltes. – Ist es denn gleich: dieser ist von der Nacht verschieden, vom Tage aber ist er nicht verschieden, jener hingegen ist auch vom Tage verschieden.

7Rabina erwiderte: Jener ist nur vom vorgehenden Tage verschieden, dieser aber vom vorvorigen.

8R. Papa erwiderte: Bei diesem heißt es Farre, bei jenen heißt es Farren,

9R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Bei diesem heißt es am Tage, bei jenen heißt es: und am Tage.

10R. Aši erwiderte: Bei diesem heißt es: nach Vorschrift, bei jenen heißt es: nach ihrer Vorschrift.

11Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Die Farren, Widder und Lämmer sind von einander abhängig. R. Jehuda sagt, die Farren seien von einander nicht abhängig, denn sie werden ja [an jedem Tage] vermindert.

12Jene sprachen zu ihm: Am achten Tage werden ja auch die anderen vermindert!? Dieser erwiderte: Der achte ist ein Fest für sich. Wie die sieben Tage des Opfers, des Gesanges, des Segensspruches und des Übernachtens besonders benötigen, ebenso benötigt auch der achte des Opfers, des Gesanges, des Segensspruches und des Übernachtens besonders.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.