Sukka — Blatt 49b

1wie das Gießen in Heiligkeit, ebenso das Verbrennen in Heiligkeit. – Wieso geht dies hieraus hervor? Rabina erwiderte: Dies ist durch [das Wort] Heiligkeit zu folgern; hier heißt es in Heiligkeit, und dort heißt es: du sollst das übrige im Feuer verbrennen, es darf nicht gegessen werden, denn es ist heilig. –

2Die Lehre, daß man am Gußopfer zu Beginn eine Veruntreuung begehen könne, nachdem es aber in die Abflußkanäle gekommen ist, keine Veruntreuung begehen könne, vertritt also die Ansicht des R. Elea͑zar b. Çadoq, denn nach den Rabbanan fließt es ja in den Abgrund hinunter. –

3Du kannst auch sagen, die der Rabbanan, wenn man es nämlich auffängt.

4Manche lesen: Sie vertritt also die Ansicht der Rabbanan und nicht die des R. Elea͑zar b. Çadoq, denn nach R. Elea͑zar behält es ja seine Heiligkeit. – Du kannst auch sagen, die des R. Elea͑zar, denn du hast ja nichts, woran man eine Veruntreuung begeht, nachdem damit das Gebot ausgeübt worden ist. Reš Laqiš sagte: Wenn man den Wein auf den Altar gießt, verstopfe man die Abflußkanäle, zur Aufrechterhaltung der Worte: Rauschtrank-Gußopfer dem Herrn zu gießen. –

5Wieso geht dies hieraus hervor? R. Papa erwiderte: Šekhar [Rauschtrank] hat die Bedeutung ‘Trinken’, ‘Sättigung’ und ‘Trunkenheit’. R. Papa sprach: Hieraus, daß, wenn jemand vom Weine gesättigt ist, die Sättigung im Halse erfolgt. Raba sagte: Ein Gelehrtenjünger, der nicht viel Wein hat, schlürfe ihn daher in großen Zügen. Raba pflegte den Becher des Segens in großen Zügen zu schlürfen.

6Raba trug vor: Es heißt:Wie schön sind deine Füße in den Schuhen, du Tochter des Edlen; wie schön sind die Füße Jisraéls, wenn es zur Wallfahrt zieht; du Tochter des Edlen, die Tochter unseres Vaters Abraham, der Edler genannt wird, denn es heißt: die Edlen der Völker haben sich versammelt, ein Volk des Gottes Abrahams; des Gottes Abrahams und nicht des Gottes Jiçḥaqs und Ja͑qobs? Vielmehr, des Gottes Abrahams, der der erste Proselyt war.

7In der Schule R. A͑nans wurde gelehrt: Es heißt: die Wölbungen deiner Hüften; weshalb werden die Worte der Tora mit der Hüfte verglichen? Um dir zu sagen: wie die Hüfte verborgen ist, ebenso sind die Worte der Tora verborgen.

8Das ist es, was R. Elea͑zar sagte. Es heißt: er hat dir gesagt, o Mensch, was frommt! Und was fordert der Herr von dir außer Gerechtigkeit zu tun, sich der Liebe zu befleißigen und bescheiden zu wandeln vor deinem Gott. Gerechtigkeit zu tun, das ist das Recht; sich der Liebe zu befleißigen, das ist die Wohltätigkeit; bescheiden zu wandeln vor deinem Gott, einem Verstorbenen das Geleit geben und eine Braut unter den Baldachin führen. Nun ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn die Tora von Dingen, die öffentlich zu erfolgen pflegen, gesagt hat: und bescheiden zu wandeln, um wieviel mehr gilt dies von Dingen, die heimlich erfolgen sollen.

9Ferner sagte R. Elea͑zar : Almosen geben ist bedeutender als alle Opfer, denn es heißt: Almosen und Gerechtigkeit ist dem Herrn lieber als Opfer. Ferner sagte R. Elea͑zar: Liebeswerke sind bedeutender als Almosen, denn es heißt: Almosensei eure Aussaat, und erntet nach Liebe. Beim Säen ist es zweifelhaft, ob man davon auch essen wird oder nicht, beim Ernten ist es aber sicher, daß man davon auch essen wird.

10Ferner sagte R. Elea͑zar: Das Almosen wird nur nach der damit geübten Liebe bezahlt, denn es heißt: Almosen sei eure Aussaat, und erntet nach Liebe.

11Die Rabbanan lehrten: Durch dreierlei ist die Wohltätigkeit bedeutender als das Almosen. Das Almosen erfolgt mit seinem Gelde, die Wohltätigkeit sowohl mit seinem Gelde als auch mit seinem Körper: Almosen nur an Arme, die Wohltätigkeit sowohl an Arme als auch an Reiche; Almosen nur an Lebende, die Wohltätigkeit sowohl an Lebende als auch an Tote.

12Ferner sagte R. Elea͑zar: Wenn jemand Recht und Gerechtigkeit übt, so ist es ebenso, als hätte er die ganze Welt mit Liebe gefüllt, denn es heißt: er liebt Recht und Gerechtigkeit, von der Liebe des Herrn ist die Erde voll. Man könnte glauben, wer danach langt, erlange es, so heißt es: wie selten ist deine Huld, o Gott &c. Man könnte glauben, dies gelte auch von den Gottesfürchtigen, so heißt es: die Huld des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten.

13R. Ḥama b. Papa sagte: Ein Mensch, dem Huld eigen, ist sicherlich gottesfürchtig, denn es heißt: die Huld des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten. Ferner sagte R. Elea͑zar: Es heißt: ihren Mund tut sie mit Weisheit auf, und eine huldvolle Lehre auf ihrer Zunge; gibt es denn eine huldvolle Lehre und eine nicht huldvolle Lehre? Vielmehr, die Lehre um ihrer selbst willen ist eine huldvolle Lehre, nicht um ihrer selbst willen ist sie eine nicht huldvolle Lehre. Manche sagen: Die Lehre, wegen [studiert wird], ist eine huldvolle Lehre, die nicht des Lehrens wegen [studiert wird], ist eine nicht, huldvolle Lehre.

14WIE AM WOCHENTAGE &C. Weshalb denn, man sollte es doch in einem geweihten holen? Zee͑ri erwiderte: Er ist der Ansicht, für das Wasser gebe es kein festgesetztes Maß, und die Dienstgefäße heiligen auch ohne Absicht,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.