Taanit — Blatt 10a

1[Dies geschah] bei der Weltschöpfung.

2Die Rabbanan lehrten: Das Jisraélland wurde zu allererst erschaffen und nachher erst die ganze Welt, denn es heißt: bevor er Erde und Fluren erschaffen hat. Das Jisraélland wird vom Heiligen, gepriesen sei er, selbst bewässert, die ganze Welt aber durch einen Vertreter, denn es heißt: der der Erde Regen spendet und Wasser auf die Fluren sendet.

3Das Jisraélland wird mit Regenwasser bewässert, die ganze Welt aber mit der Neige, denn es heißt: der der Erde Regen spendet &c. Das Jisraélland wird zuerst bewässert und nachher die ganze Welt, denn es heißt: der der Erde Regen spendet &c. Ein Gleichnis. Wie wenn jemand Käse knetet, er nimmt das Eßbare heraus und läßt den Abfall zurück.

4Der Meister sagte: Sie werden durch die Wolken gesüßt. Woher dies? – R. Jiçḥaq b. Joseph sagte im Namen R. Joḥanans: Es heißt: finsteres [ḥeškath] Gewässer, dichte Wolken, dagegen heißt es: gedrängtes [ḥešrath] Gewässer, dichte Wolken?

5Nimm des Kaph [in ḥeškath] und setze es zu Reš [in ḥešrath] und lies hakhšarath. –

6Wofür verwendet R. Jehošua͑ diese Verse? – Er verwendet sie für das folgende. Als nämlich R. Dimi kam, sagte er: Sind die Wolken hell, so haben sie wenig Wasser, sind die Wolken dunkel, so haben sie viel Wasser. –

7Wessen Ansicht vertritt folgende Lehre: Das obere Gewässer schwebt durch [göttlichen] Ausspruch, dessen Frucht das Regenwasser ist, denn es heißt: von der Frucht deiner Werke sättigt sich die Erde? Wohl die R. Jehošua͑s. – Und R. Eliêzer!? – Dieser [Vers] spricht von den [übrigen] Werken des Heiligen, gepriesen sei er.

8R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Die ganze Welt wird mit der Neige des E͑dengartens getränkt, denn es heißt: und ein Strom geht von E͑den aus &c. Es wird gelehrt: Mit der Neige [des Wassers] für eine Korfläche ist eine Trikabfläche zu bewässern.

9Die Rabbanan lehrten: Das Land Miçrajim hat vierhundert zu vierhundert Parasangen, das ist nämlich ein Sechzigstel von Kuš; Kuš hat ein Sechzigstel der ganzen Welt, die ganze Welt hat ein Sechzigstel des Gartens, der Garten hat ein Sechzigstel des E͑dens und der E͑den hat ein Sechzigstel der Hölle; das Verhältnis der ganzen Welt zur Hölle gleicht somit dem des Deckels zum Topfe. [Die Größe] der Hölle ist ohne Maß; manche sagen, die des E͑dens sei ohne Maß.

10R. Ošaja͑ sagte: Es heißt: o, die du am großen Wasser wohnest, reich an Schätzen; was verursachte, daß Babylonien reich an Schätzen ist? Sage: weil es an vielen Wassern wohnt. Rabh sagte: Babylonien ist reich, denn es erntet ohne Regen. Abajje sagte: Uns ist es überliefert: lieber ein sumpfiger Boden als ein dürrer Boden.

11AM DRITTEN MARḤEŠVAN [BEGINNT MAN], UM REGEN ZU BITTEN; R. GAMLIÉL SAGT, AM SIEBENTEN DESSELBEN, FÜNFZEHN TAGE NACH DEM HÜTTENFESTE, DAMIT DER LETZTE IN JISRAE͑L DEN EUPHRAT ERREICHEN KÖNNE.

12GEMARA. R. Elea͑zar sagte: Die Halakha ist wie R. Gamliél. Es wird gelehrt: Ḥananja sagte, in der Diaspora erst sechzig Tage in der Jahreszeit. R. Hona b. Ḥija sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie Ḥananja. –

13Dem ist ja aber nicht so, man fragte ja Šemuél, wann man ‘Gib Tau und Regen’ zu beten beginne, und er erwiderte: Wenn man bei Tabuth dem Vogelfänger Holz einzubringen beginnt. –

14Beide Zeitbestimmungen stimmen überein. Sie fragten: Gehört der sechzigste Tag zu den sechzig Tagen vorher oder zu den folgenden? – Komm und höre: Rabh sagte, der sechzigste Tag gehöre zu den folgenden, und Šemuél sagte, der sechzigste Tag gehöre zu den vorangehenden.

15R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Als Merkmal diene dir: die höheren [Orte] brauchen Wasser, die tieferen brauchen kein Wasser. R. Papa sagte: Die Halakha ist, der sechzigste Tag gehöre zu den Tagen nachher.

16IST DER SIEBZEHNTE MARḤEŠVAN HERANGEREICHT, OHNE DASS REGEN GEFALLEN IST, SO BEGINNEN VEREINZELTE DREI FASTTAGE ABZUHALTEN. MAN DARF ESSEN UND TRINKEN, NACHDEM ES DUNKEL GEWORDEN IST, AUCH IST DIE ARBEIT, DAS BADEN, DAS SALBEN, DAS ANZIEHEN DER SANDALEN UND DER BEISCHLAF ERLAUBT. IST DER ERSTE KISLEV HERANGEREICHT, OHNE DASS REGEN GEFALLEN IST, SO VERFÜGT DAS GERICHT DREI GEMEINDEFASTTAGE. MAN DARF ESSEN UND TRINKEN, NACHDEM ES DUNKEL GEWORDEN IST, AUCH IST DIE ARBEIT, DAS BADEN, DAS SALBEN, DAS ANZIEHEN DER SANDALEN UND DER BEISCHLAF ERLAUBT.

17GEMARA. Wer sind die Vereinzelten? R. Hona erwiderte: Die Gelehrten. Ferner sagte R. Hona: Die drei Fasttage, die die Vereinzelten fasten, sind Montag, Donnerstag und Montag. –

18Was lehrt er uns damit, es wurde ja bereits gelehrt: Man verfüge die Gemeindefasten nicht mit einem Donnerstag beginnend, um nicht die Marktpreise in die Höhe zu treiben; die ersten drei Fasttage sind vielmehr Montag, Donnerstag und Montag!? –

19Man könnte glauben, dies gelte nur von der Gemeinde, nicht aber von Vereinzelten, so lehrt er uns. Ebenso wird gelehrt: Wenn die Vereinzelten zu fasten beginnen, fasten sie Montag, Donnerstag und Montag, und unterbrechen an Neumondstagen und

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.