Taanit — Blatt 10b
1an in der Fastenrolle genannten Tagen.
2Die Rabbanan lehrten: Niemand darf sagen: ‘Ich bin Jünger und nicht würdig zu den Vereinzelten gezählt zu werden’; vielmehr sind alle Schriftgelehrten Vereinzelte. Wer ist Vereinzelter und wer ist Jünger? – Vereinzelter ist er, wenn man ihn zum Gemeindeverwalter einsetzen kann, Jünger ist er, wenn man ihn eine Halakha aus seinem Studium fragt und er zu antworten weiß, selbst aus dem Traktate Kalla.
3Die Rabbanan lehrten: Nicht jedermann, der es will, darf sich als Vereinzelter betrachten, auch nicht als Jünger – so R. Meír; R. Jose sagt, man dürfe es, und er sei deswegen sogar zum Guten gedacht, weil dies keine Großtuerei ist, sondern eine Kasteiung.
4Ein Anderes lehrt: Nicht jedermann, der es will, darf sich als Vereinzelter betrachten, auch nicht als Jünger – so R. Šoim͑n b.Elea͑zar; R. Šoim͑n b.Gamliél sagt, dies gelte nur von einer ehrenden Handlung, bei einer kasteienden Handlung aber ist es erlaubt, und er sei deswegen sogar zum Guten gedacht, weil dies keine Großtuerei ist, sondern eine Kasteiung.
5Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand im Fasten weilt wegen eines Unglücksfalles, und dieser vorüber ist, wegen eines Kranken, und er genesen ist, so beende er das Fasten. Wenn jemand aus einer Ortschaft, da nicht gefastet wird, nach einer geht, da gefastet wird, so faste er mit ihnen; wenn aus einer Ortschaft, da gefastet wird, nach einer, da nicht gefastet wird, so beende er das Fasten.
6Hat jemand vergessentlich gegessen und getrunken, so darf er sich in der Gemeinde nicht zeigen, auch darf er sich dem Behagen nicht hingeben, denn es heißt: da sprach Ja͑qob zu seinen Söhnen: Warum laßt ihr euch sehen? Ja͑qob sprach nämlich zu seinen Söhnen: Zeigt euch weder den Kindern E͑savs noch den Kindern Jišma͑éls, als wäret ihr satt, damit sie euch nicht beneiden.
7Ereifert euch nicht unterwegs. R. Elea͑zar erklärte: Joseph sprach zu seinen Brüdern: Beschäftigt euch nicht mit einer Halakha, damit ihr euch auf dem Wege nicht verirrt. –
8Dem ist ja aber nicht so R. Elea͑j b. Berakhja sagte ja, daß, wenn zwei Schriftgelehrte auf dem Wege gehen und sich nicht in der Tora unterhalten, sie verbrannt zu werden verdienen, denn es heißt: und während sie nun in solcher Unterhaltung gingen, erschien ein feuriger Wagen und feurige Rosse, die beide von einander trennten; nur wegen der Unterhaltung, ohne Unterhaltung aber würden sie verbrannt zu werden verdient haben!? –
9Das ist kein Einwand; dies gilt von der Unterhaltung, jenes vom Nachdenken.
10In einer Barajtha wurde gelehrt: [Joseph sprach zu seinen Brüdern:] Machet keine großen Schritte und bringet die Sonne in die Stadt. Machet keine großen Schritte, denn der Meister sagte, ein großer Schritt raube ein Fünfhundertstel vom Augenlichte des Menschen;
11bringet die Sonne in die Stadt, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs, stets gehe man bei Sonnenschein fort und kehre man bei Sonnenschein ein, denn es heißt: der Morgen leuchtete und die Männer wurden fortgeschickt.
12R. Jehuda sagte im Namen R. Ḥijas: Wer sich unterwegs befindet, esse nicht mehr als man in Hungerjahren ißt. – Aus welchem Grunde? – Hier erklärten sie, wegen Leibschmerzen, und im Westen erklärten sie, damit die Wegzehrung [ausreiche]. – Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.