Taanit — Blatt 9b
1Hierauf las man ihm im Traume vor: Ich schaffte die drei Hirten weg. Als sie sich am folgenden Tage von ihm verabschiedeten, sprach er zu ihnen: Mögen die Rabbanan in Frieden gehen!
2R. Šimi b. Aši pflegte [die Vorträge des] R. Papa zu besuchen und ihn sehr mit Einwendungen zu bestürmen. Eines Tages bemerkte er, wie dieser auf sein Gesicht niederfiel und ausrief: Möge mich der Allbarmherzige vor den Beschämungen Šimis schützen! Da nahm er sich zu schweigen vor, und von nun richtete er gegen ihn keine Einwendungen mehr.
3Und auch Reš Laqiš ist der Ansicht, der Regen [komme] auch wegen eines einzelnen, denn Reš Laqiš sagte: Woher, daß Regen wegen eines einzelnen [kommt]? Es heißt: bittet den Herrn um Regen, Spätregen zur Zeit, der Herr spendet Wetterstrahlen und, einem jeden Kraut auf dem Felde.
4Man könnte glauben, nur wenn alle ihn brauchen, so heißt es: einem jeden. Man könnte glauben, nur wenn man ihn für all seine Felder braucht, so heißt es: dem Felde. Aus [dem Worte] Felde konnte man entnehmen, nur wenn er für das ganze Feld nötig ist, so heißt es Kraut.
5So hatte R. Daniél b.Qaṭṭina einen Garten, den er täglich besichtigte und sprach: Dieses Beet braucht Wasser, jenes Beet braucht kein Wasser. Sodann kam Regen und tränkte diejenigen, die Wasser brauchten.
6Was heißt: der Herr spendet Wetterstrahlen? R. Jose b. Ḥanina erwiderte: Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, für jeden Frommen besonders einen Wetterstrahl macht. – Was sind Wetterstrahlen? R. Jehuda erwiderte: Schimmernde [Wolken]. R. Joḥanan sagte: Die schimmernden Wolken sind Anzeichen des Regens. – Was sind schimmernde Wolken? R. Papa erwiderte: Leichte Wolken unter schweren Wolken.
7R. Jehuda sagte: Geht ein feiner Regen dem Gußregen voran, so hält der Regen an; folgt er dem Gußregen, so hört der Regen bald auf. Wenn er dem Gußregen vorangeht, hält der Regen an, wofür dir ein Sieb als Merkzeichen diene: wenn er dem Gußregen folgt, so hört der Regen bald auf, wofür dir der Auswurf der Ziegen als Merkzeichen diene.
8U͑la kam einst nach Babylonien, und als er schimmernde Wolken bemerkte, sprach er: Schafft die Geräte fort, Regen kommt. Als aber schließlich kein Regen kam, rief er: Wie die Babylonier lügen, so lügt sie auch der Regen an.
9U͑la kam einst nach Babylonien, und als er einen vollen Korb Datteln um einen Zuz verkaufen sah, sprach er: Einen Korb voll Honig um einen Zuz, und die Babylonier befassen sich nicht mit der Tora! Als er aber nachts [durch deren Genuß] Leibschmerzen bekam, sprach er: Einen Korb voll Messer um einen Zuz, und dennoch befassen sich die Babylonier mit der Tora!
10Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte, die ganze Welt trinke vom Wasser des Ozeans, denn es heißt:ein Dunst stieg von der Erde auf und tränkte die Oberfläche des ganzen Erdbodens. R. Jehošua͑ sprach zu ihm: Das Wasser des Ozeans ist ja salzig!? Dieser erwiderte: Es wird durch die Wolken gesüßt.
11R. Jehošua͑ sagte, die ganze Welt trinke vom oberen Gewässer, denn es heißt : vom Regen des Himmels trinkt es Wasser. Wieso aber halte ich aufrecht [den Schriftvers]: ein Dunst stieg von der Erde auf? Dies lehrt, daß die Wolken Kraft anwenden und nach dem Himmel steigen, ihren Mund wie einen Schlauch öffnen und Regenwasser aufnehmen, wie es heißt: daß sie Regen sickern in die Dunstwolken.
12Diese Wolken sind wie ein Sieb durchlöchert und sprengen das Wasser auf die Erde, wie es heißt: die dichten Wolken sprengen Wasser. Ein Regentropfen ist vom anderen nur eine Haarbreite entfernt. Dies lehrt dich, daß der Regentag so bedeutend ist wie der Tag, an dem Himmel und Erde erschaffen worden sind, denn hier heißt es:
13der große Dinge tut, die unerforschlich sind, ferner heißt es: der der Erde Regen spendet, und dort heißt es: weißt du denn nicht, hast du denn nicht gehört: ein ewiger Gott ist der Herr, seine Einsicht ist unerforschlich, und ferner heißt es: der durch seine Kraft die Berge feststellt &c. –
14Mit wem stimmt folgender Schriftvers überein: der von seinen Söllern her die Berge tränkt, und R. Joḥanan erklärte, von den Söllern des Heiligen, gepriesen sei er? Wohl mit R. Jehošua͑. –
15Und R. Elie͑zer!? – Da [das Wasser] vorher nach oben steigt, so heißt es: er tränkt von seinen Söllern her. Wieso heißt es, wolltest du nicht so erklären: Staub und Sand vom Himmel!? Es heißt also vom Himmel, weil sie vorher nach oben steigen, ebenso heißt es: von seinen Söllern, weil es vorher nach oben steigt. –
16Wessen Ansicht vertritt das, was R. Ḥanina gesagt hat : Er sammelt zu Haufen die Gewässer des Meeres, legt die Meeresfluten in Vorratskammern; die Meeresfluten sind es, die es verursachten, daß die Vorratskammern sich mit Getreide füllen? Wohl die des R. Elie͑zer. – Und R. Jehošua͑!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.