Taanit — Blatt 12b
1Halb schlummernd und halb wachend; wenn er beispielsweise, wenn man ihm etwas zuruft, antwortet, ohne jedoch eine überlegte Antwort geben zu können, und wenn man ihn erinnert, er es weiß.
2R. Kahana sagte: Ein Einzelner, der sich ein Fasten auferlegt hat, darf keine Sandalen anziehen, weil zu berücksichtigen ist, er könnte sich ein Gemeindefasten auferlegt haben. – Wie mache er es nun? Raba b.R. Šila erwiderte: Er spreche wie folgt: Morgen weile ich vor dir in einem Einzelfasten.
3Die Jünger sprachen zu R. Šešeth: Wir sehen ja, daß die Jünger die Schuhe anziehen, und zum Fasten kommen!? Da wurde er ärgerlich und sprach zu ihnen: Vielleicht essen sie auch!?
4Abajje und Raba pflegten in Pantoffeln zu kommen. Meremar und Mar Zuṭra pflegten den rechten [Schuh] am linken [Fuße] und den linken am rechten zu tragen. Die Jünger der Schule Rabhs trugen sie wie gewöhnlich; sie waren nämlich der Ansicht Šemuéls, welcher sagte, in Babylonien gebe es mit Ausnahme des Neunten Ab kein Gemeindefasten.
5R. Jehuda sagte: Rabh sagte, man könne sein Fasten leihen und später bezahlen; als ich dies aber vor Šemuél sagte, sprach er zu mir: Hat man sich damit etwa ein Gelübde auferlegt, daß man es bezahlen muß!? Man hat sich ja nur eine Kasteiung auferlegt; kann man es, so kasteie man sich, kann man es nicht, so kasteie man sich nicht.
6Manche lesen: R. Jehuda sagte: Rabh sagte, man könne sein Fasten leihen und später bezahlen; als ich dies vor Šemuél sagte, sprach er zu mir: Selbstverständlich, es ist ja nicht mehr als ein Gelübde; kann man etwa nicht ein Gelübde später bezahlen, am folgenden oder an irgend einem anderen Tage!?
7Einst traf R. Jehošua͑, Sohn des R. Idi, bei R. Aši ein und nachdem sie für ihn ein dreijähriges Kalb zubereitet hatten, sprachen sie zu ihm: Möge doch der Meister etwas kosten! Dieser erwiderte: Ich verweile im Fasten. Darauf sprachen sie zu ihm: So möge doch der Meister das Fasten leihen und später bezahlen. Hält denn der Meister nichts von dem, was R. Jehuda gesagt hat, man könne sein Fasten leihen und später bezahlen? Er erwiderte: Es ist ein Fasten wegen eines [bösen] Traumes,
8und Rabba b. Mahsija sagte im Namen des R. Ḥama b. Gorja im Namen Rabhs, das Fasten wirke auf den [bösen] Traum wie Feuer auf Werg. Hierzu sagte R. Ḥisda, nur am selben Tage, und R. Joseph sagte, selbst am Šabbath. – Welches Mittel gibt es dagegen? – Man faste ob dieses Fastens.
9SIND DIESE [FASTTAGE] VORÜBER, OHNE DASS MAN ERHÖRT WORDEN IST, SO VERFÜGT DAS GERICHT WEITERE DREI GEMEINDEFASTTAGE. MAN DARF ESSEN UND TRINKEN NUR SOLANGE ES NOCH TAG IST, AUCH IST DIE ARBEIT, DAS BADEN, DAS SALBEN, DAS ANZIEHEN DER SANDALEN UND DER BEISCHLAF VERBOTEN, UND MAN SCHLIESSE DIE BADEHÄUSER.
10SIND AUCH DIESE VORÜBER, OHNE DASS MAN ERHÖRT WORDEN IST, SO VERFÜGT DAS GERIGHT WEITERE SIEBEN GEMEINDEFASTTAGE; ZUSAMMEN ALSO DREIZEHN. DIESE SIND DADURCH STRENGER ALS DIE ERSTEREN, INDEM MAN AN DIESEN LÄRMBLÄST UND DIE KAUFLÄDEN SCHLIESST. AM MONTAG LEHNE MAN BEI DUNKELUNG [DIE LADENTÜREN] EIN WENIG, UND AM DONNERSTAG IST ES GANZ ERLAUBT, WEGEN DER EHRUNG DES ŠABBATHS.
11SIND AUCH DIESE VORÜBER, OHNE DASS MAN ERHÖRT WORDEN IST, SO SIND KAUF UND VERKAUF, BAUTEN, PFLANZUNGEN, VERLOBUNGEN, HEIRATEN UND GEGENSEITIGE BEGRÜSSUNGEN EINZUSCHRÄNKEN, WIE UNTER MENSCHEN, DIE VON GOTT EINEN VERWEIS ERHALTEN HABEN. UND ABERMALS FASTEN VEREINZELTE, BIS DER NISAN VORÜBER IST. KOMMT REGEN, NACHDEM DER NISAN VORÜBER IST, SO IST DIES EIN ZEICHEN DES FLUCHES, DENN ES HEISST: ist ja heute Weizenernte &c.
12GEMARA. Allerdings sind sie alle Behagen: Baden, Salben, Beischlaf, die Arbeit aber ist ja eine Quälerei!? R. Ḥisda erwiderte im Namen des R. Jirmeja b.Abba: Die Schrift sagt: veranstaltet ein heiliges beruft eine Versammlung, versammelt die Ältesten; wie am Versammlungsfeste: wie am Versammlungsfeste die Arbeitsverrichtung verboten ist, ebenso ist am Fasttage die Arbeitsverrichtung verboten. –
13Demnach sollte doch, wie am Versammlungsfeste dies schon am Abend [vorher] beginnt, auch am Fasttage dies schon am Abend beginnen!? R. Zera erwiderte: Mir wurde dies von R. Jirmeja b.Abba erklärt: die Schrift sagt: versammelt die Ältesten, gleich dem Versammeln der Ältesten: wie die Ältesten sich erst am Tage versammeln, ebenso beginnt das Fasten am Tage. – Vielleicht erst am Mittag!? R. Šiša b. R. Idi erwiderte: Dies ist also eine Stütze für R. Hona, welcher sagt, die Versammlung werde morgens einberufen. –
14Womit verbringe man [den Tag]? Abajje erwiderte: Vom Morgen bis Mittag prüfe man die städtischen Angelegenheiten; von dann an lese man ein Viertel des Tages aus der Schrift und den Propheten, sodann flehe man um Erbarmen, denn es heißt: und sie erhoben sich an ihrem Platze und lasen aus dem Buche der Lehre des Herrn, ihres Gottes, während des ersten Viertels des Tages, und während eines Viertels bekannten sie ihre Sünden und warfen sich vor dem Herrn, ihrem Gotte, nieder. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.