Taanit — Blatt 14a
1Wenn nur die Lade, so ist dies keine Fortlassung, denn er zählt nur das auf, was nicht öffentlich erfolgt, nicht aber öffentliche [Prozessionen].
2R. Aši sprach: Dies ist auch aus unserer Mišna zu entnehmen, denn er lehrt: Diese sind dadurch strenger als die ersteren, indem man an diesen lärmbläst und die Kaufläden schließt. In allem anderen aber sind sie demnach gleich. Wolltest du auch hierbei erwidern, manchen [Unterschied] lehre er und manchen lasse er fort, so heißt es ja ‘dadurch’!? –
3Du glaubst wohl [das Wort] ‘dadurch’ sei genau zu nehmen; er läßt ja auch [das Hinausbringen der] Lade fort. – Wenn nur die Lade, so ist dies keine Fortlassung, denn er lehrt davon im folgenden Abschnitt. – Jetzt nun, wo du darauf gekommen bist, ist auch [der Unterschied von den] vierundzwanzig Segenssprüchen keine Fortlassung, denn er lehrt davon im folgenden Abschnitt. –
4Was bleibt damit!? – R. Šemuél b. Sasarṭaj sagte, und ebenso sagte R. Ḥija b.Aši im Namen Rabhs, zwischen dem Segen von der Erlösung und dem von der Heilung. R. Aši sagte im Namen des R. Jannaj b. R. Jismáél, im [Segen] ‘Der das Gebet erhört’. Die Halakha ist: im [Segen] ‘Der das Gebet erhört’.
5Eines lehrt, Schwangere und Säugende fasten an den ersten und nicht an den letzten [Fasttagen], ein Anderes lehrt, sie fasten an den letzten und nicht an den ersten, und ein Anderes lehrt, sie fasten weder an den ersten noch an den letzten!?
6R. Aši erwiderte: Halte dich an die mittelste [Lehre], und danach sind die anderen zu erklären.
7DIESE SIND DADURCH STRENGER ALS DIE ERSTEN, INDEM MAN AN DIESEN LÄRMBLÄST UND DIE KAUFLÄDEN SCHLIESST. Wie lärmt man? – R. Jehuda sagte, mit Posaunen; R. Jehuda, Sohn des R. Šemuél b. Šilath, sagte im Namen Rabhs, beim [Gebete] ‘Erhöre uns’.
8Sie glaubten, wer beim [Gebete] ‘Erhöre uns’ sagt, nach dem erfolge es nicht mit Posaunen, und wer mit Posaunen sagt, nach dem erfolge es nicht beim [Gebete] ‘Erhöre uns’. Es wird ja aber gelernt: Man verfüge über die Gemeinde nicht weniger als sieben Fasttage, an denen je achtzehnmal gelärmt wird; als Zeichen diene [das Lärmen] von Jeriḥo. [Das Lärmen von] Jeriḥo erfolgte ja mit Posaunen, somit ist dies ja eine Widerlegung desjenigen, welcher sagt, beim [Gebete] ‘Erhöre uns’!? –
9Vielmehr, über [das Lärmen] mit Posaunen streitet niemand, sie streiten nur über [das Lärmen] beim [Gebete] ‘Erhöre uns’; einer ist der Ansicht, dies heiße ein Lärmen, und einer ist der Ansicht, dies heiße kein Lärmen.
10Nach demjenigen, der beim [Gebete] ‘Erhöre uns’ sagt, kann dies um so mehr mit Posaunen erfolgen, und nach demjenigen, der mit Posaunen sagt, kann dies beim [Gebete] ‘Erhöre uns’ nicht erfolgen. –
11Es wird ja aber gelehrt: Wegen aller anderen Plagen, die über die Gemeinde hereinbrechen, als Jucken, Heuschrecken, Fliegen, Hornisse, Mücken, und Invasionen von Schlangen und Skorpionen, pflegt man nicht zu lärmen, sondern zu flehen. Wenn nun das Flehen mit dem Munde erfolgt, so erfolgt ja das Lärmen mit Posaunen!? –
12Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Wegen folgender [Unglücksfälle] lärmt man am Šabbath: wenn eine Stadt von einem Trupp umzingelt oder einem Strome [bedroht] wird, oder wenn ein Schiff auf dem Meere umhergetrieben wird. R. Jose sagt, man rufe nur um Hilfe, flehe aber nicht.
13Wie: wollte man sagen, mit Posaunen, so gibt es ja am Šabbath keine Posaune!? Doch wohl beim [Gebete] ‘Erhöre uns’, und er nennt dies Lärmen’. Schließe hieraus.
14Zur Zeit R. Jehuda des Fürsten trat eine Not ein;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.