Taanit — Blatt 14b

1da verfügte er dreizehn Fasttage, und er wurde nicht erhört. Als er darauf noch weitere verfügen wollte, sprach R. Ami zu ihm: Man darf die Gemeinde nicht mehr als erträglich belästigen.

2R. Abba, Sohn des R. Ḥija b. Abba, sprach: R. Ami sagte dies nur aus eigenem Interesse. Vielmehr sagte R. Ḥija b. Abba im Namen R. Joḥanans folgendes: Dies lehrten sie nur vom Regen, wegen anderer Unglücksfälle aber faste man so lange, bis man [vom Himmel] erhört wird. Ebenso wird auch gelehrt: Wenn sie drei [Fasttage] sagten, wenn sie sieben sagten, so gilt dies nur vom Regen, wegen anderer Unglücksfälle aber faste man so lange, bis man erhört wird. –

3Dies ist ja eine Widerlegung des R. Ami!? – R. Ami kann dir erwidern: hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Man verfüge über die Gemeinde nicht mehr als dreizehn Fasttage, weil man die Gemeinde nicht mehr als erträglich belästige – so Rabbi: R. Šimo͑n b.Gamliél sagt, nicht aus diesem Grunde, sondern weil dann die Zeit des Regenfalles bereits vorüber ist.

4Die Einwohner von Ninve ließen Rabbi fragen: Wie haben wir uns zu verhalten, die wir sogar in der Jahreszeit des Tammuz Regen brauchen; gleichen wir Einzelnen oder einer Gemeinde? Gleichen wir Einzelnen und müssen [das Fastengebet] im Segen ‘Der das Gebet erhört’ oder gleichen wir einer Gemeinde und müssen es im Segen über das Jahr sprechen? Er ließ ihnen antworten: Ihr gleicht Einzelnen und müßt es im Segen ‘Der das Gebet erhört’ sprechen.

5Man wandte ein: R. Jehuda sagte: Nur dann, wenn die Jahre normal sind und Jisraél auf seinem Boden wohnt, in der Jetztzeit aber hängt alles vom Zustande des Jahres, des Ortes und der Zeit ab!? (Er erwiderte:) Gegen Rabbi erhebst du einen Einwand aus einer Barajtha!? Rabbi ist Tanna und streitet gegen diese. – Wie bleibt es damit? –

6R. Naḥman sagt, im Segen über das Jahr, und R. Šešeth sagt, im Segen ‘Der das Gebet erhört’. Die Halakha ist: im Segen ‘Der das Gebet erhört’.

7AM MONTAG LEHNE MAN BEI DUNKELUNG [DIE LADENTÜREN] EIN WENIG UND AM DONNERSTAG IST ES DEN GANZEN TAG ERLAUBT, WEGEN DER EHRUNG DES ŠABBATHS. Sie fragten: Wie meint er es, am Montag lehne man sie ein wenig bei Dunkelung, und am Donnerstag den ganzen Tag, wegen der Ehrung des Šabbaths, oder aber: am Montag lehne man sie ein wenig, und am Donnerstag halte man sie den ganzen Tag offen!? –

8Komm und höre: Es wird gelehrt: Am Montag lehne man gegen Abend [die Ladentüren] ein wenig und am Donnerstag halte man sie den ganzen Tag offen, wegen der Ehrung des Šabbaths. Hat jemand zwei Türen, so halte er die eine offen und die andere geschlossen; hat er vor der Tür einen Sitzvorsprung, so darf man [die Tür] unbeanstandet wie gewöhnlich öffnen und schließen.

9SIND AUCH DIESE VORÜBER, OHNE DASS MAN ERHÖRT WURDE, SO SIND KAUF UND VERKAUF, BAUTEN, PFLANZUNGEN &C. EINZUSCHRÄNKFN Es wird gelehrt: Unter Bauten sind Festlichkeitsbauten und unter Pflanzungen sind Luxuspflanzungen zu verstehen. Welches heißt Festlichkeitsbau? Wenn man ein Haus zur Verheiratung seines Sohnes baut. Welches heißt Luxuspflanzung? Wenn man königliche Vorgärten anlegt.

10UND GEGENSEITIGE BEGRÜSSUNGEN. Die Rabbanan lehrten: Genossen unterlassen untereinander die Begrüßung; wenn aber Leute aus dem gemeinen Volke grüßen, so antworte man ihnen mit schwacher Lippe und schwerem Haupte. Sie sitzen eingehüllt wie Trauernde und Exkommunizierte, wie Menschen, die von Gott einen Verweis erhalten haben, bis man sich im Himmel ihrer erbarmt.

11R. Elea͑zar sagte: Ein vornehmer Mann darf sich nicht aufs Gesicht niederwerfen, es sei denn, daß er wie Jehošua͑, der Sohn Nuns, erhört wird, denn es heißt: und der Herr sprach zu Jehošua͑: Steh auf, wozu liegst du auf deinem Angesichte?

12Ferner sagte R. Elea͑zar: Ein vornehmer Mann darf keinen Sack anlegen, es sei denn, daß er wie Jehoram, der Sohn Ahábs, erhört wird, denn es heißt: als nun der König das Weib so reden hörte, zerriß er seine Kleider, während er auf der Mauer stand; da gewahrte das Volk, daß er einen Sack auf seinem Leibe trug &c.

13Ferner sagte R. Elea͑zar: Nicht jeder wird durch das Zerreißen [der Kleider erhört], und nicht jeder durch das Niederfallen. Moše und Ahron durch das Niederfallen, Jehošua͑ und Kaleb durch das Zerreißen [der Kleider]. Moše und Ahron durch das Niederfallen, denn es heißt: da fielen Moše und Ahron auf ihr Gesicht. Jehošua͑ und Kaleb durch das Zerreißen der Kleider, denn es heißt: und Jehošua͑, der Sohn Nuns, und Kaleb, der Sohn Jephunnes &c. zerrissen ihre Kleider.

14R. Zera, nach anderen R. Šemuél b. Naḥmani, wandte ein: Hieße es Jehošua͑, so würdest du recht haben, da es aber und Jehošua͑ heißt, so taten sie ja beides!?

15Ferner sagte R. Elea͑zar: Nicht alle durch Aufstehen und nicht alle durch Niederwerfen. Könige durch Aufstehen und Fürsten durch Niederwerfen. Könige durch Aufstehen, denn es heißt:so spricht der Herr, der Erlöser Jisraéls, sein Heiliger,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.